Synthese und Charakterisierung
kohlenhydratmodifizierter
Polydimethylsiloxane
Dissertation
Zur Erlangung des Doktorgrades
des Fachbereiches Chemie
der Universität
Vorgelegt von
Dirk Henkensmeier
aus
Hamburg 2003
1. Gutachter: Prof. Dr. J. Thiem
2. Gutachter: Prof. Dr. S. Förster
Die vorliegende Arbeit wurde in der Zeit von Oktober 1999
bis Juli 2003 im Arbeitskreis von
Herrn Prof. Dr. J. Thiem am Institut für Organische Chemie
der Universität
durchgeführt.
Herrn Prof. Dr. J. Thiem möchte ich für die interessante
Themenstellung, den gewährten
wissenschaftlichen Freiraum sowie die großzügige
Unterstützung bei der Durchführung dieser
Arbeit sehr herzlich danken.
I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
..........................................................
..........................................................
........... 1
1.1
Silikontenside............................................
..........................................................
............. 1
1.2
Silikonelastomere.........................................
..........................................................
........... 2
2. Aufgabenstellung
..........................................................
.........................................................
3
2.1 Mögliche
Verknüpfungsmethoden......................................
.............................................. 4
2.2. Allgemeines zur Synthesestrategie, Polymerisation und
Analytik .................................. 5
3. Cäsiumfluorid / Imidazol-katalysierte Bildung von
Silylethern ............................................ 7
4. Reduktive Aminierung von Kohlenhydraten mit
Aminoalkylsilikonen .............................. 10
4.1 Umsetzung mit
Silikonen.................................................
............................................... 12
5. Umsetzung von Kohlenhydratsäurechloriden mit Amino- und
Hydroxyalkyl-Silikonen ... 15
5.1 Umsetzung eines monofunktionalen Säurechlorids mit IM
11 und 441111 VP............. 16
5.2 Umsetzung eines bifunktionalen Säurechlorids mit einem
Aminoalkylsilikon.............. 18
6. Aminolyse von Kohlenhydratestern mit
Aminoalkylsilikonen.......................................
..... 22
6.1 Umsetzung von einfachen Lactonen mit Silikonen
........................................................
24
6.2 Umsetzung von Diestern mit Silikonen
..........................................................
................ 25
6.2.1 Umsetzungen mit IM 47
..........................................................
................................. 27
6.2.2 Umsetzungen mit 441111
VP........................................................
........................... 30
7. Addition von Amino- und Hydroxalkylysilikonen an
Isothiocyanat-substituierte
Kohlenhydrate
..........................................................
..........................................................
...... 35
7.1 Synthese monofunktionaler Isothiocyanat-substituierter
Kohlenhydrate ....................... 37
7.2 Umsetzung mit
Silikonen.................................................
............................................... 38
7.3 Synthese bifunktionaler Isothiocyanat-substituierter
Kohlenhydrate............................. 40
7.3.1 Synthese ausgehend von 1,4:3,6-Dianhydrosorbitol
(DAS) .................................... 40
7.3.2 Synthese ausgehend von
Sorbitol..................................................
........................... 43
8. Umsetzung von Aminozuckern mit epoxy- und
acrylfunktionalisierten Silikonen............. 46
9. Umsetzung von allylsubstituierten Kohlenhydraten mit
Hydrosilanen ............................... 51
9.1 Synthese von Kohlenhydraten mit einer Doppelbindung
............................................... 54
II
9.2 Hydrosilylierung monofunktionaler Kohlenhydrate mit VP
1085 ................................. 60
9.3 Synthese von Kohlenhydraten mit zwei
Doppelbindungen...........................................
. 64
9.4 Hydrosilylierung bifunktionaler Kohlenhydrate mit VP
1085 ....................................... 69
10.
Analytik..................................................
..........................................................
................. 72
10.1 MALDI-TOF
MS........................................................
.................................................. 72
10.2 Untersuchungen zur biologischen Abbaubarkeit
..........................................................
73
10.2.1 Gezielter enzymatischer Abbau von
Kohlenhydrat-Silikonen ............................... 74
10.2.2 Untersuchung der biologischen Abbaubarkeit von
Kohlenhydrat-Silikonen über
die mikrobielle Bodenatmung (Respirationstest)
..........................................................
... 76
11.
Zusammenfassung...........................................
..........................................................
......... 79
11. Summary
..........................................................
..........................................................
........ 82
12. Experimenteller
Teil......................................................
..................................................... 84
13.
Gefahrenhinweise..........................................
..........................................................
......... 137
14.
Literatur.................................................
..........................................................
................ 140
III
Abkürzungsverzeichnis
[.] Staudinger Index
AAV Allgemeine Arbeitsvorschrift
Ac Acetyl
All Allyl
BDMA Benzaldehyddimethylacetal
Bz Benzoyl
Cosy Correlated spectroscopy
DAI 1,4:3,6-Dianhydro-L-iditol
DAM 1,4:3,6-Dianhydro-D-mannitol
DAS 1,4:3,6-Dianhydro-D-sorbitol
DBTDL Dibutylzinndidodecanat (Dibutylzinndilaurat)
DEPT Distortionless enhancement by polarization transfer
DHB 2,5-Dihydroxybenzoesäure
DMF N,N-Dimethylformamid
DMSO Dimethylsulfoxid
DSC Differential scanning calorimetry,
Differentialkalorimetrie
DTG Differentielle Thermogravimetrie
EDA Ethylendiamin
Et Ethyl
GPC Gelpermeationschromatographie
HMDS Hexamethyldisilazan
HMQC Heteronuclear multiple quantum coherence
IR Infrarot
kH Huggins-Konstante
MALDI-TOF MS Matrix assisted laser desorption and
ionisation time of flight mass spectrometry
MCPBA meta-Chlorperbenzoesäure
Me Methyl
Mn Zahlenmittel der Molmasse
Mp Molmasse der Peakspitze
Ms Mesyl, Methansulfonyl
Mw Massenmittel der Molmasse
IV
NBS N-Bromsuccinimid
NMR Nuclear magnetic resonance
PDMS Polydimethylsiloxan
Ph Phenyl
Rf Retentionsfaktor
RT Raumtemperatur
TBDPS tert-Butyl-diphenylsilyl
TG Thermogravimetrie
Tg Glasübergangstemperatur, Glaspunkt
THF Tetrahydrofuran
TMS Trimethylsilyl
TPE Thermoplastisches Elastomer
Tr Trityl, Triphenylmethyl
Ts Tosyl, para-Toluolsulfonyl
U Uneinheitlichkeit, U = Mw / Mn
UV Ultraviolett
1
1. Einleitung
Silikone haben mittlerweile in nahezu alle Bereiche des
täglichen Lebens Eingang gefunden.
Sei es direkt erkennbar als Silikongummi oder, eher
weniger offensichtlich, als Zusatzstoff in
kosmetischen Formulierungen, Farben und Lacken oder in der
Textilindustrie. Hierfür sind
vor allem zwei Eigenschaften der Silikone ausschlaggebend:
Sie sind physiologisch
unbedenklich[1] und ihr Eigenschaftsprofil läßt sich durch
Einführung funktioneller Gruppen
bzw. Molekülteile nahezu beliebig variieren.
1.1 Silikontenside
Polydimethylsiloxane, in denen eine oder mehrere
Methylgruppen durch lipohile, hydrophile
ionische oder nichtionische Reste ersetzt worden sind,
werden allgemein auch als
Silikontenside bezeichnet.[2] Sie können als
Schaumstabilisatoren in Kunstoffen, als effektive
Netzmittel, als Antistatika oder Emulgatoren wirken[2] und
finden Anwendung in
kosmetischen Formulierungen[3], in der Textil- und
Faserindustrie[4] und als Additiv in
Farben[5].
Gerade im Bereich der Produkte, mit denen der Konsument
direkten Kontakt hat, kommt es
auf eine gute Verträglichkeit an. Eine besonders
vielversprechende Modifizierung ist daher
die Hydrophilisierung von Silikonen mit Kohlenhydraten,
die sehr gut hautverträglich und
zudem noch potentiell biologisch abbaubar und auch als
nachwachsende Rohstoffe zeitgemäß
sind. Die rasante Entwicklung der Kohlenhydrattenside
(Alkylpolyglucoside, APG), deren
Produktionsvolumen seit dem Start der großtechnischen
Produktion 1992 auf 80000
Jahrestonnen gesteigert werden konnte, sei hier
exemplarisch genannt.[6, 7]
Tatsächlich befinden sich auch bereits die ersten
nichtionischen kohlenhydratmodifizierten
Silikone auf dem Markt, beispielsweise die von der
Wacker-Chemie GmbH vertriebene
Formulierung Belsil® SPG 128, eine 20 %ige Mischung eines
Silikon-Polyglucosids (SPG) in
Cyclopentasiloxan. Hauptanwendungsgebiete sind
Sonnencremes und andere skin care
Produkte. Es ist ein Wasser-in-Silikon Emulgator, dessen
Anwendung ein samtig-weiches
Hautgefühl verleiht und der zudem teilweise biologisch
abbaubar ist.[8]
2
1.2 Silikonelastomere
Die wohl bekannteste Anwendung von Silikonelastomeren
dürfte die Fugendichtung sein. Die
Vernetzung wird dort durch Kondensation von Silanolen bei
Raumtemperatur erreicht.
Andere Vernetzungsmöglichkeiten sind die Umsetzungen von
Vinylsilanen mit Hydrosilanen
in einer Hydrosilylierung, die peroxidaktivierte
Vernetzung von Vinylsilanen und auch reinen
Silikonen bei hohen Temperaturen oder die Epoxidöffnung
mit Aminen.
Allen bisher genannten Vernetzungsprodukten ist eines
gemeinsam: Die Vernetzung ist
irreversibel. Im Gegensatz zu dieser chemischen Vernetzung
ist die physikalische Vernetzung
reversibel. Materialien, die physikalisch vernetzt sind,
werden auch als thermoplastische
Elastomere (TPE) bezeichnet. Ihre Funktionsweise beruht
darauf, daß sich Teile der Polymerketten
aneinander anlagern können. Meistens wird dieses Verhalten
daher bei Block-
Copolymeren beobachtet, die einen weichen, flexiblen
Kettenanteil besitzen und einen
sogenannten harten, der bei ausreichender Kettenlänge in
der Lage ist zu kristallisieren. Die
so herbeigeführte Mikrophasenseparation kann aber auch
über den Einbau sehr kleiner, harter
Segmente erreicht werden, wenn diese in der Lage sind,
Wasserstoffbrückenbindungen
auszubilden. Bei Silikonen kann dies zum Beispiel über die
Verknüpfung von weichen
PDMS-Blöcken mit Isocyanaten geschehen (siehe auch Kapitel
7).[9, 10]
Abbildung 1: Irreversible chemische und reversible
physikalische Vernetzung im Vergleich[10]
Auch hier zeichnet sich ein großes Potential von
Kohlenhydraten ab: Kohlenhydrat-block-
PDMS-Copolymere sollten in der Lage sein,
Wasserstoffbrücken auszubilden, sie basieren
auf nachwachsenden Rohstoffen und sind voraussichtlich
zumindest teilweise biologisch
abbaubar. Eine denkbare Anwendung solcher Polymere könnte
z.B. in der kontrollierten
Freisetzung von Wirkstoffen liegen.[11]
3
2. Aufgabenstellung
Es wurde erkannt, daß kohlenhydratmodifizierte Silikone
ein großes anwendungstechnisches
Potential besitzen. Während mit Kohlenhydraten gepfropfte
Silikone bereits in den Markt
eingeführt sind, beispielsweise die von Wacker-Chemie GmbH
vertriebene Silikon-
Polyglucosid-Formulierung Belsil® SPG 128 VP, wurde die
Darstellung von Silikonen, die
Kohlenhydrate im Polymerrückgrat enthalten, bisher nur in
einem einzigen Patent explizit
beschrieben.[12] Die Aufgabenstellung bestand daher primär
darin, Untersuchungen in dem
Gebiet der linearen Kohlenhydrat-co-Polydimethylsiloxane
zu unternehmen. Hierzu sollten
verschiedene Verknüpfungsmethoden auf ihre Anwendbarkeit
geprüft werden. Zunächst war
an monofunktionalen Kohlenhydraten die ebenfalls
interessante Hydrophilisierung endständig
funktionalisierter Silikone zu untersuchen, da sich diese
einfacher charakterisieren lassen.
Dadurch ergeben sich die in Abb. 2 gezeigten
Zielstrukturen.
KH FG PDMS FG PDMS KH KH
KH
KH
FG PDMS FG
+ +
+ PDMS KH
n
Abbildung 2: Zielstrukturen dieser Arbeit; KH =
Kohlenhydrat, Kreis = monofunktional, Quadrat =
difunktional
Die verwendeten funktionalisierten Silikone sind alle
industriell verfügbar und wurden von
der Wacker-Chemie GmbH zur Verfügung gestellt. Damit
gliederte sich die Arbeit in zwei
große Abschnitte: Die teilweise sehr aufwendige Synthese
zahlreicher Kohlenhydratbausteine
sowie die Synthese und Charakterisierung der
Zielverbindungen.
4
Code R-SiMe2O-(SiMe2O)n-SiMe2-R n n M
Funktionalisierungsäquivalent
HS I2 R = H 0 134.33* 14.89 mmol / g
VP 1085 R = H 7 592 3.07 mmol / g
IM 11 R = -(CH2)3-OH 10 1000 1.96 mmol / g
IM 35 R = 50 4000 0.50 mmol / g
IM 47 R = X-NH2, X = C2H4-NH-C3H6 70 5400 0.38 mmol NH2 /
g
441111 VP R = -(CH2)3NH2 15 1200 1.60 mmol / g
IM 61 R = -(CH2)3-O-CO-CH=CH2 10 1100 1.77 mmol / g
* (diskrete Molmasse)
2.1 Mögliche Verknüpfungsmethoden
Die Art der Verknüpfung zwischen Kohlenhydrat und Silikon
ergab sich aus den
vorgegebenen Funktionalisierungen der von Wacker-Chemie
GmbH zur Verfügung gestellten
Polydimethylsiloxane. Dennoch lassen sich aus den
vorgegebenen Funktionalitäten bereits
eine Vielfalt an denkbaren Reaktionsmöglichkeiten
ableiten.
Silikon Kohlenhydrat Reaktionstyp Kapitel
SiH C=C Hydrosilylierung 9
OH CsF-katalysierte Silyletherbildung 3
ROH anomere OH Glycosylierung -
-(C=O)Cl Veresterung 5
NCO, NCS Bildung von (Thio)Urethanen 7
Epoxid NH2 Ringöffnung 8
NH2 Lacton / Ester / -(C=O)Cl Amidbildung 6
NCO, NCS Bildung von (Thio)Harnstoffen 7
Acrylat Michael-Addition -
Acrylat NH2 Michael-Addition 8
O
CH2 O (CH2)3
5
Die einzige in dieser Tabelle erwähnte Methode, die nicht
untersucht worden ist, ist die
Glycosylierung. Sie wurde dennoch aufgeführt, da sie die
für Kohlenhydrate wohl
bedeutendste Reaktion darstellt. Glycosylierungen von
hydroxyalkylfunktionalisierten
Silikonen wurden auch bereits in der Patentliteratur
beschrieben.[13] Es gestaltet sich jedoch
sehr schwierig, ein definiertes Produkt zu erhalten, da
Glycosylierungen nur sehr selten
quantitativ verlaufen. Führt man die Reaktion unter
Überschußbedingungen durch, verbleibt
entweder das unumgesetzte Siloxan im Produkt oder man
erhält Polyglucoside.[14] Damit
bleibt diese Reaktion weiterhin interessant für die
Darstellung gepfropfter Silikone, sie eignet
sich jedoch nicht zur Darstellung linearer
Block-Copolymere, selbst wenn ein über
Verbrückung (beispielsweise zwischen 6 und 6')
zugängliches Bis-Kohlenhydrat-Monomer
zur Verfügung stehen würde.
2.2. Allgemeines zur Synthesestrategie, Polymerisation und
Analytik
Ein sehr großer Anteil dieser Arbeit mußte zunächst der
Synthese der mono- und
difunktionalen Kohlenhydratbausteine eingeräumt werden, da
eine selektive Funktionalisierung
von Kohlenhydraten meistens nicht ohne Verwendung von
Schutzgruppen durchgeführt
werden kann.
In der zweiten Phase der Arbeit sollten monofunktionale
Kohlenhydratbausteine verwendet
werden, um die Realisierbarkeit der Verknüpfungsmethoden
zu testen und die Reaktionsbedingungen
zu optimieren. Dies ist notwendig, da die geplanten
Polyreaktionen einem
Stufenmechanismus unterliegen. Dies bedeutet, daß im
ersten Schritt Dimere gebildet werden
(50 % Umsetzung), im zweiten Tetramere (75 % Umsetzung),
im dritten Oktamere (87.5 %
Umsetzung) usw. Polymere hoher Molmasse können also nur
dann erhalten werden, wenn die
Umsetzung gegen 100 % geht. Nach dem Modell des
Stufenmechanismus ist es ebenfalls
notwendig, die Monomere in exakt äquimolaren Mengen
einzusetzen, da es andernfalls
bereits nach geringen Umsätzen zu einer Blockierung der
funktionellen Gruppen kommt. Dies
setzt eine genaue Kenntnis der Konzentration (Reinheit!)
der Monomere sowie der Silikone
voraus.
6
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50 % Umsetzung 75 % Umsetzung
87.5 % = Oktamere, 93.75 % = 16mere, 96.88 % = 32mere usw.
Abbildung 3: Polykondensationen und –additionen
zugrundeliegender Stufenmechanismus
Weiterhin lassen sich die durch endständige
Hydrophilisierung erhältlichen Verbindungen
aufgrund ihrer noch relativ geringen Molmasse und
einheitlichen Zusammensetzung (Zucker-
Silikon-Zucker) per MALDI-TOF Massenspektroskopie
charakterisieren.
Sobald eine Methode so weit optimiert worden ist, daß sie
mit den monofunktionalen
Kohlenhydraten quantitativ verläuft, sollte das Konzept in
der dritten Phase auf einen
entsprechenden bifunktionalen Kohlenhydratbaustein
ausgedehnt werden.
Für die Analytik der dargestellten Verbindungen standen
die folgenden Methoden zur
Verfügung: IR-Spektroskopie, NMR-Spektroskopie, MALDI-TOF
Massenspektroskopie,
Gelpermeationschromatographie, DSC, DTG,
Lösungsviskosimetrie und Messung der
optischen Rotation.
7
3. Cäsiumfluorid / Imidazol-katalysierte Bildung von
Silylethern
Eine von Horner und Mathias ausführlich untersuchte
Möglichkeit zur Bildung von
Silylethern ist die Cäsiumfluorid / Imidazol-katalysierte
Verknüpfung von Hydroxygruppen
mit H-Silanen.[15] Ein bemerkenswerter Aspekt ist dabei
die Bevorzugung primärer
gegenüber sekundären Hydroxygruppen (> 9 : 1). Die
Reaktionsgeschwindigkeit dieser
heterogen katalysierten Reaktion hängt sowohl von der
Oberfläche des Cäsiumfluorids, die
durch Mahlen oder Behandeln mit Ultraschall vergrößert
werden kann, als auch von der Wahl
des Lösungsmittels ab. Hierbei wird beobachtet, daß die
Reaktion in DMF schneller verläuft
als in Tetrahydrofuran oder Acetonitril. Weiter wird
berichtet, daß die Beimischung von THF
zur Reaktionslösung die Selektivität der Reaktion erhöht.
OH
OH
CsF
Imidazol
DMF / THF
9 : 1
+
OH
OSiR3
R3SiH
R = iso-propyl
OH
OSiR3
+
< 95 % < 5 %
H2 +
1 2 3
Abbildung 4: Selektivität der Cäsiumfluorid /
Imidazol-katalysierten Silyletherbildung[15]
Insgesamt erschien die Übertragung dieser Reaktion auf
Kohlenhydrate daher sehr erfolgversprechend.
Im Gegensatz zu der von Mathias und Horner verwendeten
Modellverbindung 1
besitzen Aldohexosen wie z.B. Glucose jedoch mehrere
sekundäre Hydroxygruppen, so daß
ein statistischer Faktor berücksichtigt werden muß.
Betrachtet man das anomere Zentrum
ebenfalls in erster Näherung als eine sekundäre
Hydroxygruppe, so ergibt sich eine erwartete
Bevorzugung der primären Hydroxygruppe an C6 von 0.9 :
(0.1 x 4) = 0.9 : 0.4. Das
Hauptprodukt hätte in diesem Fall also lediglich eine
Ausbeute von 69 %. Von einem
einheitlichen Produkt (Ausbeute mind. 90 %) kann man daher
nur ausgehen, wenn der
Selektivitätsfaktor der primären Hydroxygruppe 0.97 und
der der sekundären
Hydroxygruppen 0.03 beträgt. Dies liegt an der Grenze
dessen, was durch sorgfältige Wahl
der Reaktionsbedingungen erzielt werden kann. Die
Sonderstellung der Hydroxygruppe am
anomeren Zentrum der Glucose sollte jedoch nicht
unterschätzt werden. Ihre Reaktivität ist
deutlich höher als die einer normalen sekundären
Hydroxygruppe. Es ist daher fraglich, ob
8
mit Glucose eine Umsetzung zu endständig
kohlenhydratmodifizierten Silikonen möglich ist.
Tatsächlich wurde bei der Umsetzung von VP 1085 mit
Glucose (Molverhältnis Glucose /
SiH = 1:1) ein gummiartiges farbloses Produkt erhalten,
das einen Glaspunkt von 31 °C
aufweist.
O
OAc
AcO
AcO
OH
AcO
CsF, Imidazol
DMF
+ VP 1085
O
OAc
AcO
AcO
O
AcO
Si
O
O
OAc
AcO
AcO
O
AcO
Si
O SiMe2
n
O
OH
HO
HO
OH
HO
CsF, Imidazol
VP 1085 + gummiartiges Produkt
4 5
6
Abbildung 5: Umsetzungen von Kohlenhydraten mit VP 1085
unter CsF / Imidazol-Katalyse
Schützt man jedoch das Kohlenhydrat so, daß nur eine
Hydroxygruppe zur Verfügung steht,
ist ein einheitliches Produkt zu erwarten. Zu diesem Zweck
wurde 2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-Dglucopyranose
(4) synthetisiert.[16] Mit dieser Verbindung konnte das
gewünschte Produkt 5
erhalten werden, allerdings wird die Serie des Produktes
im MALDI-TOF Spektrum von einer
anderen, bisher nicht identifizierten Serie überlagert.
Ein interessanter Aspekt der Reaktionsführung ist, daß das
Fortschreiten der Reaktion
jederzeit quantitativ an einer Gasbürette (z.B. ein
wassergefüllter, umgedrehter Meßzylinder
mit Schlauchverbindung zum Reaktionsgefäß) verfolgt werden
kann. Insgesamt erwies sich
die Cäsiumfluorid / Imidazol-katalysierte
Silyletherbildung jedoch als sehr optimierungsbedürftig.
Neben der noch nicht ausreichenden Selektivität tritt auch
das Problem auf, daß
eine hohe Reaktivität nur dann erzielt werden kann, wenn
sehr polare, aprotische
Lösungsmittel verwendet werden. Diese sind jedoch
Fällungsmittel für Silikone. Weitere
Untersuchungen wurden daher nicht durchgeführt.
Eine interessante Fragestellung ist, ob sterisch
gehinderte Silane eine höhere Selektivität
aufweisen als die verwendeten Dimethylsilane. Die
Schützung der primären Hydroxygruppe
an Position 6 eines Glucosids als
tert-Butyldiphenylsilyl-ether gelingt beispielsweise
selektiv
9
bei der Umsetzung des Glucosids mit TBDPS-Chlorid.
Geeignete a,.–diphenylsilylsubstituierte
Silikone sollten die Verbindungen 7a und 7b darstellen,
die jedoch nicht
kommerziell verfügbar sind. Auch in Hinsicht auf die
Hydrolysestabilität der gebildeten
Silylether wären sterisch anspruchsvollere Silane
wünschenswert.
n
Si X X Si O Si O
CH3
CH3
O
OMe
OH
HO
O
O
OH
HO
HO
HO
HO
n
+
7a: X = Cl, Pyridin
7b: X = H, CsF
SiPh2 PDMS
O
OMe
OH
HO
O
O
OH
HO
HO
O
SiPh2O
7a,b
8
9
Abbildung 6: Überlegungen zur selektiven Bildung von
Kohlenhydratsilikonen mit sterisch gehinderten
Polydimethylsiloxanen
10
4. Reduktive Aminierung von Kohlenhydraten mit
Aminoalkylsilikonen
Neben den Hydroxygruppen, die die Chemie der Kohlenhydrate
dominieren, besitzen Zucker
auch eine als Halbacetal verkappte Aldehyd- oder
Keto-Gruppe. In einer wäßrigen Lösung
von Glucose liegt der offenkettige Aldehyd 11 zu 0.02 % im
Gleichgewicht mit den beiden
zyklischen Strukturen vor. Diese geringe
Gleichgewichtskonzentration reicht bereits aus, um
Glucose Carbonylreaktionen zugänglich zu machen.
O
OH
HO
HO
HO
OH
OH
OH
HO
HO
O
HO
O
OH
HO
HO
HO
OH
38 % 0.02 % 62 %
10 11 12
Abbildung 7: Mutarotation der Glucose; die
Gleichgewichtsdaten gelten für wäßrige Lösungen bei 31
°C.[17]
Vergleicht man die relative Aktivität verschiedener
Carbonylverbindungen, so stellt man fest,
daß Aldehyde die zweitreaktivste Klasse von
Carbonylverbindungen darstellen.
O
OO
OH
O
NR2
O
OR
O
CH3
O
H
< < < < <
O
Cl
<
Abbildung 8: Relative Aktivität der verschiedenen Klassen
von Carbonylverbindungen[18]
Eine der Acetalbildung mechanistisch sehr ähnliche
Reaktion ist die reduktive Aminierung.
Unter ihr versteht man die Kondensation zwischen einem
Aldehyd oder Keton und
Ammoniak beziehungsweise einem primären oder sekundären
Amin, gefolgt von einem
Reduktionsschritt. Zunächst kommt es zu einer Addition des
Amins an das Carbonyl-C-Atom
unter „interner Neutralisation“ der Ladungen zum
Halbaminal. Der nachfolgende Schritt
besteht in einer säurekatalysierten Abspaltung von Wasser.
Dieser Kondensationsschritt ist in
der Regel der geschwindigkeitsbestimmende Schritt.[19]
Während sich bei der Bildung von
Acetalen an dieser Stelle im Mechanismus ein weiteres
Molekül Alkohol anlagert, kommt es
bei der Umsetzung mit Aminen aufgrund deren höherer
Basizität zur Abspaltung eines
11
Protons. Je nach Beschaffenheit des Iminiumions stammt
dieses Proton vom Amin (Bildung
eines Imins / einer Schiff’schen Base) oder, wenn ein
sekundäres Amin eingesetzt worden ist,
zur Abspaltung eines Protons vom ß-C-Atom (Bildung eines
Enamins). Bei der reduktiven
Aminierung wird diese ungesättigte Verbindung nun durch
Reduktion dem
Gleichgewichtssystem entzogen. Hierdurch wird es möglich,
auch in wäßrigen Systemen
ausreichende Ausbeuten zu erzielen. Ebenfalls können
Alkohole verwendet werden – die
Konkurrenz zur Acetalbildung sollte lediglich die
Geschwindigkeit der Gesamtreaktion
her
reduktiver Aminierungen meistens im
Bereich von mehreren Tagen.[20, 21]
O
R
R
NHR'R'' +
R'R''N
OH
R
R
R, R', R'' = H, Alkyl
R'R''N
R
R
H+
+H+
-H2O -H+ A) Imin (R' = H)
B) Enamin
(R, R', R'' = Alkyl)
RR'N
H
R
R
Reduktion Imin / Enamin
Abbildung 9: Mechanismus der reduktiven Aminierung
Dennoch gibt es auch bei der reduktiven Aminierung
Nebenreaktionen, die empfindlich
stören können: Wenn bei der Reaktion ein sekundäres Amin
gebildet wird, kann dieses
ebenfalls mit dem Aldehyd reagieren. Um dieses zu
verhindern, wird oft das Amin im
Überschuß eingesetzt. Eine hohe Aminkonzentration kann
jedoch zur Folge haben, daß das
Imin nicht reduziert wird, sondern mit weiterem Amin in
einer heteroanalogen Carbonylreaktion
zum Aminal reagiert. Aufgrund der relativ niedrigen
Reaktivität der heteroanalogen
Carbonylverbindungen tritt dieser Effekt vor allem bei
niedrigen pH-Werten auf, d.h. unter
katalytischen Bedingungen.
Bei der Wahl des Reduktionsmittels ist zu beachten, daß
ein zu starkes Reduktionsmittel auch
die Aldehydfunktion zum Alkohol reduzieren kann. Als
Reduktionsmittel haben sich daher
vor allem zwei Systeme etabliert: Die Reduktion mit
Natriumcyanoborhydrid und die
Umsetzung mit katalytisch aktiviertem Wasserstoff (z.B.
Raney Nickel oder auch Palladium
auf Kohle).
12
Während reines Natriumborhydrid problemlos in der Lage ist
Aldehyde zu reduzieren,
vermag das durch den Elektronenzug der Cyanogruppe in
seiner reduktiven Kraft
geschwächte Natriumcyanoborhydrid dieses erst bei einem
erniedrigten pH-Wert. So werden
Aldehyde und ungehinderte aliphatische Ketone erst ab ca.
pH 4 angegriffen. In der Regel
werden reduktive Aminierungen daher bei pH 6 - 8
durchgeführt.[21-25] Unter diesen
Bedingungen ist Natriumcyanoborhydrid auch relativ stabil.
So beträgt der Zersetzungsgrad in
Wasser bei pH 7 nach 24 Stunden lediglich 0.5 mol %.[26]
Der große Nachteil beim Einsatz
von Natriumcyanoborhydrid besteht jedoch in der großen
Salzmenge, die bei der Reaktion
anfällt. Typische ist ein 2 bis 10-facher Überschuß an
Reduktionsmittel, in einigen Fällen
scheint es jedoch notwendig zu sein, einen bis zu
50-fachen Überschuß einzusetzen.[27] Dies
erschwert massiv die Aufarbeitung wasserlöslicher
Verbindungen.
Katalytische Hydrierungen hingegen lassen sich in der
Regel sehr leicht aufarbeiten, da die
gängigen Katalysatorsysteme heterogen sind und einfach
nach Beendigung der Reaktion
durch Filtration entfernt werden können. Während
Umsetzungen mit Raney-Nickel und PtO2
oft unter hohen Drücken durchgeführt werden,[18, 28] sind
Umsetzungen mit Palladium auf
Aktivkohle meist auch unter schwachem Überdruck möglich.
4.1 Umsetzung mit Silikonen
Die reduktiven Aminierungen von Kohlenhydraten mit
a,.-aminoalkylsubstituierten Polydimethylsiloxanen
unter Bildung von endständig hydrophilierten Silikonen
sollte leicht
durchführbar sein. Dabei sollten neben Monosacchariden
auch Oligo- und Polysaccharide
verwendet werden können. Tatsächlich wurde kürzlich über
die Synthese eines Polystyrol-
Polysaccharid Diblock-Copolymers berichtet, bei der ein
Aminopropyl-dimethylsilylpolystyrol
mit Glucose, Maltoheptaose, verschiedenen Maltodextrinen
und Dextranen (Mw =
1500 und Mw = 6000) umgesetzt wurde.[20]
Die Synthese von Kohlenhydrat-PDMS Copolymeren des Typs
–[KH-PDMS]n- erscheint
jedoch nicht oder nur sehr schwer realisierbar. Die
Schwierigkeit besteht nicht in der Synthese
der Di-Aldehyde: Diese ist beispielsweise über die
Reaktionssequenz Allylierung –
Ozonisierung einfach zu erreichen. Sehr spezifisch ließe
sich auch mit Galactoseoxidase die
C6‘-Position von Lactose oxidieren, da dieses Enzym auch
Galactose-Reste in komplexeren
13
Molekülen erkennt.[29] Der limitierende Faktor ist
vielmehr die Ausbeute, die bei reduktiven
Aminierungen selten quantitativ ist. Damit scheidet diese
Methode aus, um Polykondensate
herzustellen (s. Kap. 2.2).
O
OH
HO O
OH OH
O
OH
HO
OH
HO O
OH
HO O
OH OH
O
OH
HO
OH
HO
OH
Galactoseoxidase
13 14
Abbildung 10: Ein denkbarer Weg zur enzymatischen
Einführung einer weiteren Aldehydfunktion in Lactose.
Die hier durchgeführten Untersuchungen beschränken sich
daher auf die Synthese von
endständig hydrophilisierten Silikonen. Aufgrund früherer
Erfahrungen ist zu erwarten, daß
diese nicht wasserlöslich sind.[16] Möchte man eine Lösung
dieser Verbindungen in einem
organischen Lösungsmittel mit Wasser salzfrei waschen,
verlangsamt ihr amphiphiler
Charakter die Phasentrennung erheblich. In einigen Fällen
kann es Stunden dauern, bis eine
grobe Phasentrennung vorgenommen werden kann. Aus diesem
Grund wurde der reduktiven
Aminierung mit Wasserstoff als Reduktionsmittel der Vorzug
gegeben. Als schwierig erwies
sich die Wahl des Lösungsmittels, da es kein Lösungsmittel
gibt, in dem sich sowohl das
eingesetzte Silikon als auch der ungeschützte Zucker
problemlos lösen. Bei ersten Versuchen
mit Glucose erwies es sich als vorteilhaft, dem Silikon
den Vorzug zu geben. Wird das
Silikon nicht komplett gelöst, verklebt es mit dem
Katalysator. Wasser und Methanol
scheiden daher als Lösungsmittel aus. In Ethanol und
Isopropanol ist die Reaktion möglich,
wobei bei der Verwendung von Ethanol darauf zu achten ist,
daß dieser unvergällt ist, da das
oft als Vergällungsmittel eingesetzte Ethylmethylketon
selber in die Reaktion mit eingehen
kann. Das mit Glucose modifizierte Silikon 15 wurde nach
einer Reaktionszeit von 5 Tagen in
95 % Ausbeute erhalten. Als Lösungsmittel wurde
Isopropanol verwendet, die
Charakterisierung erfolgte mittels MALDI-TOF
Massenspektroskopie.
14
NH
SiMe2O SiMe2
NH
OH
OH
OH
OH
OH
OH
OH
OH
OH HO
n
O
OH
HO
HO
OH
HO
+ 441111 VP
H2, Pd / C
Isopropanol
6
15
Abbildung 11: Reduktive Aminierung von Glucose mit 441111
VP
Eine Übertragung dieser Reaktion auf andere Kohlenhydrate,
vor allem auf Disaccharide, ist
leider nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick
erscheint: Während Ethanol und sogar
Isopropanol noch ausreichend hydrophil sind, um in einem
vertretbaren Zeitrahmen
Umsetzungen mit Glucose zu erzielen, ist dies mit den in
Alkoholen schlechter löslichen
Disacchariden, wie z.B. Maltose oder Lactose, deutlich
schwieriger. Tatsächlich wurden bei
dem Versuch Lactose in Ethanol mit 441111 VP umzusetzen
nach 4 Tagen Reaktionszeit
70 % des eingesetzten Disaccharids zurückgewonnen. Es
konnte daher auch kein reines
Produkt isoliert werden.
15
5. Umsetzung von Kohlenhydratsäurechloriden mit Amino- und
Hydroxyalkyl-Silikonen
Die Reaktion einer Disäure mit einem Diamin führt zu
Polyamiden. Das klassische Beispiel
hierfür dürfte Nylon-6,6 sein, das technisch über die
Polykondensation von Adipinsäure mit
Hexamethylendiamin gewonnen wird.[30] Hierzu sind in der
Regel hohe Temperaturen nötig.
Im Labor bedient man sich daher auch gerne des Umwegs über
die entsprechenden
Säurechloride, die die höchste Carbonylaktivität aufweisen
(Abb. 12) und daher bereits bei
Raumtemperatur mit Aminen reagieren.
OH
OH
HO
HO
HO
OH
O
O
OH
HO
HO
HO
OH
O
OH
OH
HO
HO
HO
OH
O
O
Glucuronsäure Gluconsäure Glucarsäure
16 17 18
Abbildung 12: Oxidierte Glucosederivate mit einer bzw.
zwei Carboxylgruppen
Während die selektive Einführung von Aminofunktionen in
Kohlenhydrate nur unter
erheblichem präparativen Aufwand zu bewerkstelligen ist,
können Carboxylgruppen relativ
leicht durch Oxidation der Monosaccharide eingeführt
werden. Dabei kann mit milden
Oxidationsmitteln wie Iod selektiv das anomere
Kohlenstoffatom oxidiert werden. Die auf
diese Weise zugänglichen Säuren sind die Aldonsäuren.
Unter Verwendung stärkerer
Oxidationsmittel wie z.B. Salpetersäure wird auch das
primäre Kohlenstoffatom an C6
oxidiert, man erhält Aldarsäuren. Schwieriger gestaltet
sich die ausschließliche Oxidation von
C6 unter Bildung einer Uronsäure, die chemisch nur möglich
ist unter Schutz des leichter
oxidierbaren anomeren Zentrums. Dies geschieht in der
Regel durch Glycosylierung und
erfordert eine spätere Abspaltung der anomeren Funktion.
Die Umwandlung einer Säure in ihr Carbonsäurechlorid
gelingt in der Regel in guten
Ausbeuten durch Lösen der Säure in siedendem
Thionylchlorid.[31] Durch Zugabe von
wenigen Tropfen N,N-Dimethylformamid kann diese Reaktion
noch zusätzlich katalysiert
werden.[18] Als Alternative zu Thionylchlorid, bei dessen
Umsetzung Schwefeldioxid
freigesetzt wird, kann auch Oxalylchlorid verwendet
werden.[32]
16
Obwohl die Kohlenhydrat-Säuren leicht zugänglich sind, ist
auch hier die Verwendung von
Schutzgruppen unumgänglich, da die gebildeten
Säurechloride sofort mit den freien
Hydroxygruppen reagieren würden. Als typische Schutzgruppe
hat sich hier die Acetylgruppe
etabliert, deren Einführung durch säurekatalysierte
Umsetzung mit Essigsäureanhydrid
möglich ist.[31, 32]
Die in der Kohlenhydratchemie weit verbreitete Methode,
Essigsäureanhydrid / Pyridin als
Acetylierungsreagenz zu verwenden, kann hier keine
Anwendung finden, da a,ß-Dihydroxycarbonsäurederivate
unter den üblichen Reaktionsbedingungen schon bei
Raumtemperatur
eliminieren. Als Beispiel sei hier die Acetylierung von
Gluconsäure-d-lacton gezeigt.[33, 34]
HO
O
O
OH
OH
OH
AcO
O
O
OAc
OAc
Ac2O
Pyridin
19 20
Abbildung 13: Die Acetylierung von Gluconsäure-d-lacton
mit Essigsäureanhydrid / Pyridin verläuft unter
Bildung eines a,ß-ungesättigten Systems.
5.1 Umsetzung eines monofunktionalen Säurechlorids mit IM
11 und 441111 VP
Die Umsetzung von Gluconsäurechlorid mit endständig
substituierten Aminosiloxan-
Oligomeren wurde bereits in einer japanischen
Patentschrift erwähnt.[35] Die dort
vorgestellten Kohlenhydrat-Silikone können als
transparentes Beschichtungsmaterial
verwendet werden, das ein Beschlagen verhindert. Aufgrund
ihrer leichten Zugänglichkeit
wurde auch hier Gluconsäure als monofunktionale
Kohlenhydrat-Säure verwendet.
Da die freie Gluconsäure mit ihrem 1,5-Lacton im
Gleichgewicht steht, muß vom Natriumsalz
ausgegangen werden. Dieses kann analog der Vorschrift von
Budka et al. zunächst
säurekatalysiert in die peracetylierte Form übergeführt
und dann mit einem
Chlorierungsmittel in das Säurechlorid umgewandelt
werden.[32] Statt Oxalylchlorid wurde in
der vorliegenden Arbeit jedoch Thionylchlorid verwendet.
17
OH
OH
HO
HO
HO
O
ONa
OAc
OAc
AcO
AcO
AcO
O
OH
Ac2O OAc
OAc
AcO
AcO
AcO
O
Cl
SOCl2
21 22 23
Abbildung 14: Synthese von
2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-D-gluconsäurechlorid 23
Das Säurechlorid wurde nicht rein isoliert. Es fällt nach
Entfernung des Lösungsmittels als
Sirup an und wird direkt in situ weiter umgesetzt.
Die Umsetzungen des Gluconsäurechlorids 23 mit den
Aminopropylsilikonen IM 47 und
441111 VP und dem Hydroxypropylsilikon IM 11 wurden in
Chloroform oder
Tetrahydrofuran durchgeführt. Dabei konnte eine starke
Wärmeentwicklung beobachtet
werden, so daß es sich empfiehlt, die Umsetzungen unter
Kühlung durchzuführen. Weiterhin
scheint es empfehlenswert zu sein, einen Säurefänger
einzusetzen. Dies kann z.B. ein
basischer Ionenaustauscher sein, der nach der Reaktion
abfiltriert werden kann. Festes
Natriumcarbonat erwies sich als wenig effektiv.
Silikon = 441111 VP:
Silikon = IM 47:
Silikon = IM 11:
Cl
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
26: X = C3H6, Y = NH, PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
25: X = C3H6NHC2H4, Y = NH, PDMS = (SiMe2O)70SiMe2
O OAc
OAc OAc
OAc
OAc
Y X Y
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
X PDMS
24: X = C3H6, Y = O, PDMS = (SiMe2O)10SiMe2
Silikon
23
Abbildung 15: Umsetzungen von Gluconsäurechlorid 23 mit
verschiedenen Silikonen
Die erhaltenen Substanzen sind sirupöse Materialien, deren
Farbe zwischen bernsteinfarben
(24 und 25) und leicht gelblich-transparent (26) schwankt.
18
Die Verbindungen wurden alle per MALDI-TOF MS
charakterisiert. Im MALDI-TOFMassenspektrum
konnten jedoch auch Signale detektiert werden, die von dem
nur an einem
Ende umgesetzten Silikon stammen. Das bei der Umsetzung
mit 441111 VP entstandene
Monoaddukt wurde jedoch als [M+H]+-Signal detektiert.
Gerade Ammoniumverbindungen
ergeben oft sehr intensive Signale, da sie nach der
Desorption keine Ionisierung erfahren
müssen. Eine Aussage über das Verhältnis von Mono- zu
Bisaddukt kann daher nicht
getroffen werden. Im 1H-NMR-Spektrum erschienen jedoch
zusätzliche Kohlenhydrat-
Signale geringer Intensität, die wohl der Gluconsäure
zugewiesen werden können. Ein
Problem stellt vermutlich der hohe Feuchtigkeitsgehalt des
verwendeten Ionenaustauschers
dar. Eine Trocknung des Ambersep-Harzes kann nicht
vorgenommen werden, da es seine
volle Aktivität nur als gequollenes Gel besitzt.
5.2 Umsetzung eines bifunktionalen Säurechlorids mit einem
Aminoalkylsilikon
Die am günstigsten zugänglichen Disäuren auf
Kohlenhydratbasis dürften die von Glucose
und Galactose abgeleiteten sein. Galactarsäure ist so
schwer wasserlöslich, daß sie für die
gravimetrische Bestimmung von Galactose herangezogen
werden kann; daher wird ein großer
Teil der vom Menschen oxidierten Galactose nicht über den
Urin, sondern in Form von
Schleim, einer wäßrigen Suspension von Galactarsäure,
abgesondert, weshalb Galactarsäure
auch weithin als Schleimsäure bezeichnet wird. Glucarsäure
hingegen ist sehr gut
wasserlöslich. Bei dem Versuch Glucarsäure zu isolieren
wird jedoch immer ein Gemisch der
verschiedenen mit Glucarsäure im Gleichgewicht stehenden
Lactone erhalten. Eine Isolierung
wird daher in der Form des Monokaliumsalzes
vorgenommen.[31, 36] Aufgrund der leichten
Lactonisierung der Glucarsäure wurde für die Darstellung
des Säuredichlorids Galactarsäure
verwendet, deren Umsetzungsprodukte zudem aufgrund ihrer
guten Kristallisierbarkeit leicht
durch Umkristallisation isoliert und gereinigt werden
können. Ein weiterer Vorteil ist die
einfache Aufspaltung ihrer Signale im NMR-Spektrum:
Galactarsäure besitzt eine
Spiegelebene, es sind daher nur drei Signale zu erwarten,
C1/C6, C2/5 und C3/4.
Galactarsäure (27) kann durch Salpetersäure-Oxidation von
Lactose gewonnen werden. Die
notwendige Schützung der Hydroxygruppen erfolgte durch
säurekatalysierte Acetylierung mit
Essigsäureanhydrid und Schwefelsäure.[31] Die bei dieser
Umsetzung erhaltene schwarze
Lösung wurde in Wasser eingerührt, wobei es nach einiger
Zeit zur Abscheidung von
19
Kristallen kam, die nach mehrfacher Umkristallisation
farblos in einer Ausbeute von 53 %
vorlagen. Die Umwandlung von 27 in das Säuredichlorid 28
gelang problemlos mit
Thionylchlorid. Dabei löste sich das Produkt langsam in
der Siedehitze auf. Nach Erhalt einer
klaren Lösung wurde der Ansatz auf – 20 °C gekühlt, das
ausfallende Produkt abfiltriert und
mit Petrolether gewaschen. Für einen begrenzten Zeitraum
kann Galactarsäuredichlorid an der
Luft aufbewahrt werden, eine Lagerung ist jedoch nicht zu
empfehlen.
NH
O OAc
OAc OAc
NH
OAc
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = C2H4NHC3H6
OH
HO
HO
OH
O
O
OH
OH
OAc
AcO
AcO
OAc
O
O
OH
OH
OAc
AcO
AcO
OAc
O
O
Cl
Cl
AcOAc
H2SO4 SOCl2
53 % 80 %
NEt3, CHCl3
IM 47
27 28 29
30
Abbildung 16: Synthese des Galactarsäuredichlorids und
Umsetzung mit IM 47
Die Verwendung von Tetra-O-acetyl-galactarsäuredichlorid
als Monomer wurde bereits
mehrfach beschrieben. Die vermutlich erste Arbeit wurde
bereits 1958 von Wolfrom et al.
vorgestellt.[37] Als Diamin-Komponente fanden dort
Ethylendiamin und Piperazin
Verwendung. Die erhaltenen Polymere weisen ca. 36
Wiederholungseinheiten auf und
besitzen daher eine für „Nylon“ relativ niedrige Molmasse.
Nachfolgende Arbeiten wurden
erst in den 90er Jahren durchgeführt. Shaban et al.
synthetisierten acht weitere Polymere,
meist unter Verwendung aromatischer Diamine.[38] Daten
über die erhaltenen Molmassen
stehen leider nicht zur Verfügung. Bachmann und Thiem
präsentierten als erste reine
Kohlenhydrat-Polyamide ausgehend von
2,5-Diamino-2,5-dideoxy-dianhydroalditolen.[39]
Ruppenstein schließlich synthetisierte ein reines
Poly(amid/ester) mit 5-Amino-5-deoxydianhydro-
L-iditol.[40]
20
Die Durchführung der Polymerisation von Disäurechloriden
mit Diaminen kann generell in
Lösung oder über eine Reaktion an der Grenzfläche
durchgeführt werden. Das letztere
Verfahren bietet den Vorteil, daß nicht exakt äquimolare
Mengen der Reaktanden eingesetzt
werden müssen, da die Konzentration der Reaktanden an der
Grenzfläche durch Diffusion aus
dem Inneren der Phasen aufrechterhalten wird. Das
Dichlorid der peracetylierten
Schleimsäure löst sich in organischen Lösungsmitteln wie
Chloroform oder Tetrachlorkohlenstoff,
die Diaminkomponente muß entsprechend in der wäßrigen
Phase gelöst werden. Dies
gelingt problemlos bei kleineren Molekülen, bei denen der
hydrophile Anteil überwiegt (siehe
Bachmann und Thiem[39]). Im hier untersuchten Fall der
Umsetzung mit dem
aminofunktionalisierten Silikon IM 47 scheidet die
Grenzflächenpolykondensation jedoch
zunächst als Methode aus, da Silikone in Wasser praktisch
unlöslich sind. Alternativen
könnten rein organische Systeme bieten, z.B. Cyclohexan /
Acetonitril[41] oder Mineralöl /
Polyethylenglycol.[42] In zukünftigen Untersuchungen
sollte die Anwendbarkeit dieser oder
ähnlicher Systeme genauer überprüft werden. In der
vorliegenden Arbeit wurde jedoch darauf
verzichtet, da sich ein hoher Optimierungsbedarf
abzeichnete. So erwies sich beispielsweise
die Löslichkeit von 29 in Acetonitril als nicht
ausreichend um eine konzentrierte Lösung
herzustellen.
Als einfacher durchführbar erwies sich die Umsetzung in
Lösung. Hierzu wurden beide
Komponenten vor der Zusammengabe in Chloroform gelöst. Die
Neutralisation des
Kondensationsproduktes (HCl) durch feste anorganische
Basen (Natriumhydrogencarbonat)
verlief sehr langsam, so daß bei späteren Ansätzen
Triethylamin als Säurefänger dem
Chloroform zugesetzt wurde. Im Laufe der Reaktion wurde
eine starke Erhöhung der
Viskosität beobachtet, die die Zugabe weiteren
Lösungsmittels notwendig machte. Die
Isolierung des Polymers gelang durch Fällung in Methanol.
Das erhaltene Produkt ist ein leicht gelbliches,
transparentes, weiches Gummi. Auffällig ist
seine große Uneinheitlichkeit von U = 8.5 (Mn = 12200 g /
mol, Mw = 103600 g / mol). Es
weist einen Schmelzpunkt bei - 48 °C und einen Glaspunkt
bei 144 °C auf. Beide sind im
DSC-Spektrum deutlich ausgeprägt, was die hohe Molmasse
dieses
Erstaunlich ist die Abfolge von Schmelzpunkt und
Glaspunkt; sie deutet normalerweise auf
das gleichzeitige Vorliegen zweier Verbindungen
nebeneinander hin, da der Glaspunkt einer
reinen Verbindung unter dem Schmelzpunkt liegen sollte.
Eine triviale Erklärung wäre daher
das Vorhandensein von Lösungsmittelresten. Dagegen
spricht, daß im GPC-Elugramm kein
21
zusätzliches Lösungsmittelsignal detektiert werden konnte.
Das vorliegende Material besteht
aus einem harten, Wasserstoffbrückenbindungen ausbildenden
Segment und einem weichen
Silikon-Segment. Damit das Material die Eigenschaften
eines thermoplastischen Elastomers
(TPE) besitzt, muß die Anwendungstemperatur oberhalb des
Glaspunktes des weichen, aber
unter dem Glaspunkt des harten Segments liegen. Der
Glaspunkt bei 144 °C ist daher
eindeutig dem harten, vernetzenden Element zuzuordnen. Die
endotherme
Phasenumwandlung bei - 48 °C könnte dem weichen Segment
zuzuordnen sein, bevor dessen
Beweglichkeit bei noch tieferen Temperaturen völlig
eingefroren wird.
Der in Chloroform bei 25 °C ermittelte Staudingerindex ist
der höchste aller in dieser Arbeit
untersuchten Materialien. Er liegt bei [.] = 26.2 ml / g.
Dies liegt in dem erwarteten Bereich.
In der Literatur findet sich beispielsweise ein Wert von
[.] = 30.6 ml / g für ein Polydimethylsiloxan
mit einer gewichtsmittleren Molmasse von ca. Mw = 100000 g
/ mol. Für Polystyrol
liegen die zu erwartenden Grenzviskositäten ungefähr
doppelt so hoch.[43]
22
6. Aminolyse von Kohlenhydratestern mit
Aminoalkylsilikonen
Ester besitzen in der Regel eher eine mittlere
Carbonylaktivität. Polyamide und Polyester
werden daher technisch unter hohen Temperaturen und
niedrigem Druck hergestellt, so daß
das Kondensationsprodukt dem Gleichgewicht entzogen wird.
Es gibt jedoch zwei bzw. drei
spezielle Klassen von Estern, die eine deutlich erhöhte
Reaktivität aufweisen; dies sind zum
einen aktivierte aromatische Ester, z.B. wurde kürzlich
die Synthese von synthetischen
Polymeren auf Kohlenhydratbasis unter Verwendung der
Bis(pentachlorphenyl)ester (Pcp-
Ester) berichtet.[44] Zum anderen lassen sich auch
cyclische Ester aufgrund ihrer
Ringspannung deutlich leichter öffnen als ihre
offenkettigen Analoga. Eine dritte Klasse, die,
wie in der Literatur später gezeigt worden ist, sich nicht
wirklich von den Lactonen trennen
läßt, sind a- und ß-Hydroxy-Ester. Ogata et al. zeigten in
einer Reihe von Arbeiten, daß sich
der Methylester der L-Tartarsäure bereits bei
Raumtemperatur in einer Polykondensation mit
Hexamethylendiamin umsetzen läßt.[45] Als Grund hierfür
wurde eine Wechselwirkung der a-
bzw. ß-Hydroxygruppe mit dem angreifenden Amin
vermutet.[46] Wahrscheinlicher ist jedoch
eine intramolekulare Aktivierung der Carbonylgruppe durch
Wasserstoffbrückenbindung
zwischen dem Carbonylsauerstoff und dem Proton der a- bzw.
ß-Hydroxygruppe.
H3C
OH
H
COOCH3
+ RNH2 R N
H
H O
O
OCH3
H
CH3 H
- ROH
O
RHN
OH
CH3
O
H
O
OR
RNH2
O O
H
RO
OH
Abbildung 17: 1975 postulierter Mechanismus der
Carbonylaktivierung nach Ogata[46] und plausiblere
Erklärung durch intramolekulare
Wasserstoffbrückenbindungen
Intensive NMR-spektroskopische Untersuchungen dieser
Reaktion in den 80er Jahren zeigten
jedoch, daß die Reaktion über Lacton-Zwischenstufen
verläuft.[47, 48] Obwohl Galactarsäureester
relativ stabil sind, reagieren sie unter basischen
Bedingungen sehr schnell unter
23
Ausbildung des 1,4-Lactons 32. In einem langsamen
Reaktionsschritt wird nun das Lacton
durch das Amin geöffnet. Während die
Ester/Amid-Zwischenstufe im Fall der Threarsäure
beobachtet werden konnte, reagiert 33 sofort weiter zum
6,3-Lacton 34 und entzieht sich
damit der Beobachtung im NMR. In einem langsameren Schritt
wird das Lacton wieder durch
ein weiteres Äquivalent Amin geöffnet.
O
O
O
OH
OH
OH
OH
O
schnell
O
OH
OH
OH
O
O
O
langsam
+ RNH2
O
NHR
O
OH
OH
OH
OH
O
schnell
O
O
OH
HO
O
O
NHR
HO
- EtOH
- EtOH
langsam
+ RNH2
RHN
NHR
O
OH
OH
OH
OH
O
31
32
33
34
35
Abbildung 18: Mechanismus der Umsetzung von
Galactarsäurediethylester mit Aminen nach Hoagland[47, 48]
Während Ogata et al. auch in weiteren Arbeiten
ausschließlich die isolierbaren Ester der
Galactar- und Threarsäure polymerisierten,[45, 46]
verwendete Hashimoto das ebenfalls rein
isolierbare Glucaro-1,4:6,3-dilacton 40.[49] Angespornt
durch die Aufklärung des
Reaktionsverlaufes über Lacton-Zwischenstufen erkannten
Kiely und Lin, daß es nicht
notwendig ist von einem reinen Diester bzw. Dilacton
auszugehen. Sie setzten direkt das
Produktgemisch ein, das bei der Veresterung der meisten
Aldarsäuren mit Methanol gebildet
wird und erhöhten damit die ökonomische Attraktivität von
Polyamiden auf Basis der
Aldarsäuren.[50]
24
HO
O-K+
O
OH
OH
OH
OH
O
MeO
OMe
O
OH
OH
OH
OH
O
O
OH
OH
O
HO
O
OMe
HO
O
OH
O
HO
O
OMe
+ +
MeOH
H+
O
O
OH
OH
O O
70 °C, 12 Std.
36
37
38 39
40
Abbildung 19: Säurekatalysierte Umsetzung von Glucarsäure
mit Methanol unter Erhalt eines
Produktgemisches; starkes Erhitzen der Gemisches im Vakuum
liefert D-Glucarsäure-1,4:6,3-dilacton (40)[51]
6.1 Umsetzung von einfachen Lactonen mit Silikonen
Die Öffnung von einfachen Lactonen, vor allem von
Gluconsäure-d-lacton (41), durch
aminoderivatisierte Silikone wurde bereits öfters in der
Patentliteratur erwähnt.[52, 53]
Derartig modifizierte Silikone können in der Veredelung
von Baumwollwebstoffen eingesetzt
werden. Sie erhöhen den Weichgriff bei relativ geringer
Vergilbungsneigung.[53]
Aufgrund des großen Polaritätsunterschieds von
Gluconsäure-d-lacton und Polydimethylsiloxanen
verläuft die Reaktion in vielen organischen Lösungsmitteln
nur langsam.[16] Als
geeignetes Lösungsmittel hat sich schließlich Isopropanol
erwiesen, das auch in der
Patentliteratur als Lösungsmittel für Reaktionen zwischen
Kohlenhydraten und Silikonen
angegeben wird.[54, 55] Dazu wird das Lacton in
Isopropanol suspendiert und bei 60 °C mit
dem Aminosilikon versetzt. Nach einigen Stunden ist die
Reaktion beendet und das
Lösungsmittel wird abdestilliert.
25
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = (CH2)2NH(CH2)3
OH
OH
OH
OH
NH X NH
OH OH
HO
OH
X PDMS
OH
OH
OH
OH
OH
OH
NH X NH
OH OH
HO
OH
X PDMS
OH
OH
HO
O
O
OH
OH
OH
IM 47
IM 47
Isoprop.
Isoprop.
41
42
43
44
O O
OH
OH
HO
OH
Abbildung 20: Umsetzung von Gluconsäure-d- und
Galactonsäure-.-lacton mit IM 47
Sowohl Gluconsäure-d-lacton als auch
Galactonsäure-.-lacton wurden mit IM 47 in einer
quantitativ verlaufenden Reaktion umgesetzt. Die Produkte
sind transparente, wachsähnliche
Materialien, die jedoch nicht formstabil sind und bereits
bei Raumtemperatur zu fließen
beginnen. Aussagekräftige NMR-Spektren konnten nicht
angefertigt werden, da das
Intensitätsverhältnis von H1 zu PDMS-CH3 ungefähr 1 zu 200
beträgt. Die zur Kontrolle der
Produkte angefertigten MALDI-TOF Spektren entsprachen dem
Vergleichsspektrum.[16] In
einem ersten Versuch zur biologischen Abbaubarkeit
erwiesen sich beide Substanzen als
zumindest nicht schädlich für Bodenorganismen, es konnte
gegenüber dem Referenzboden ein
leicht erhöhter Sauerstoffverbrauch festgestellt werden
(siehe Kapitel 10.2.2).
6.2 Umsetzung von Diestern mit Silikonen
Die Addition von Monolactonen an aminoderivatisierte
Silikone scheint sich langsam als eine
Standardmethode zu etablieren. Es liegt daher nahe,
Kohlenhydrate über das Dilacton in
Silikonketten einzubauen, um zu den entsprechenden
amphiphilen Blockcopolymeren zu
gelangen. In einem für diese Arbeit relevanten Patent der
Novartis AG wird daher auch
bereits von der gezielten Darstellung eines
Penta-Block-Makromers berichtet, dessen
Aminoendgruppen
umgesetzt werden.[12] Diese
Methode hat jedoch den Nachteil, daß sie sich nur auf die
Aldarsäuren anwenden läßt, die
aufgrund ihrer Stereochemie an C3 und C4 bereitwillig ein
Dilacton bilden (Glucose,
26
Mannose und L-Idose). Alle anderen Aldarsäuren sollten
sich jedoch problemlos nach der von
Kiely et al. vorgestellten Veresterungs- /
Lactonisierungs-Methode[56] umsetzen lassen.
PDMS H2N PDMS PDMS NH2 Glc Glc
Abbildung 21: Von der Novartis AG hergestelltes
Penta-Block-Makromer, ausgehend von 3 äquivalenten
aminoderivatisiertem Silikon und 2 äquivalenten
Glucarsäuredilacton
Ein interessanter Aspekt ist die Tatsache, daß zwar bei
der Galactarsäure die 1- und die 6-
Position identisch sind, bei allen anderen Aldarsäuren ist
dies jedoch nicht der Fall. Bei dem
Einbau der Glucarsäure in eine Kette kann es also sowohl
zu einem Kopf,Schwanz- als auch
zu einem Schwanz,Kopf-Einbau kommen. Dies macht sich
vermutlich bei der Verknüpfung
mit einem Silikonoligomer kaum bemerkbar, bei der
Verknüpfung mit kleineren Diaminen
sollte eine Erhöhung der Symmetrie durch regelmäßigen
Einbau jedoch einen direkten
Einfluß auf die Materialeigenschaften haben. Eine
derartige Verknüpfung kann über die
Synthesesequenz – 6,3-Glucarsäurelacton + Diamin,
säurekatalysierte Veresterung,
Neutralisation des gebildeten Ester-Amins – realisiert
werden.[57]
Bei den in dieser Arbeit durchgeführten Reaktionen von
Veresterungsprodukten der Galactarund
Glucarsäure mit aminosubstituierten Silikonen scheinen die
Reaktionsbedingungen
jedoch den größten Einfluß auf die Materialeigenschaften
zu besitzen. Hier besteht weiterhin
ein großer Optimierungsbedarf. Ogata et al. beobachteten
beispielsweise, daß ihre Polymere
im IR-Spektrum noch die Ansätze von Ester-Banden
aufweisen. Dies wurde unumgesetzten
Endgruppen zugeschrieben;[46, 58] denkbar ist auch, daß
die dort erhaltenen Polymere nicht
rein linear, sondern über Esterbindungen verzweigt sind.
Zur vollständigen Umsetzung
wurden die erhaltenen Polymere einer Polykondensation in
der festen Phase bei 165 °C im
Vakuum unterzogen. Bei Temperaturen über 180 °C wurde
Vernetzung beobachtet. Da diese
Temperatur für die meisten Kohlenhydratderivate eine sehr
hohe Belastung darstellt und eine
gleichmäßige Erwärmung im Kolben nur schwer möglich ist
(Silikone sind als
wärmeisolierende Materialien zu betrachten) wurde auf
diesen finalen Kondensationsschritt
bei den in dieser Arbeit durchgeführten Polykondesationen
in der Regel verzichtet.
Stattdessen wurden die Reaktionszeiten im Vergleich zur
Literatur erhöht.
27
Glucarsäure wurde durch Salpetersäureoxidation von Glucose
hergestellt und als einfaches
Kaliumsalz isoliert.[36] Galactarsäure wurde von Merck
erworben. Die Synthese der
Veresterungsprodukte erfolgte nach der Vorschrift von
Kiely, bei der das Glucarsäurekaliumsalz
in HCl-saurem Methanol unter Rückfluß erhitzt wird.[56]
Während die klassische
Vorschrift für die Darstellung von
Galactarsäuredimethylester hierzu mit HCl-Gas gesättigtes
trockenes Methanol verwendet,[31] wird nach Kiely die
Säure in situ durch Zugabe von
Acetylchlorid erzeugt. Im Falle der Galactarsäure schied
sich das Produkt bereits während der
Reaktion ab und konnte durch Filtration rein gewonnen
werden. Im Fall der Glucarsäure
scheidet sich das Kaliumhalogenid ab, von dem filtriert
werden muß. Das Produktgemisch,
welches aus Estern und Lactonen besteht, wurde eingeengt
und direkt weiter mit den
aminoderivatisierten Silikonen IM 47 und VP 441111
umgesetzt.
6.2.1 Umsetzungen mit IM 47
Ein großes Problem stellt die unterschiedliche Hydrophilie
der beiden Reaktionspartner dar.
Es gestaltete sich sehr schwer, ein reines Lösungsmittel
zu finden, in dem sowohl der Zucker
als auch das Silikon gelöst werden können. Es wurden daher
mehrere Alternativen untersucht.
NH
O OH
OH OH
NH
OH
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = C2H4NHC3H6
OMe
O OH
OH OH
MeO
OH
O
IM 47
Gal: 45, Glc: {37 + 38 + 39} Gal: 46, Glc: 47
Abbildung 22: Umsetzung von Galactarsäuredimethylester
bzw. dem bei der Veresterung von Glucarsäure mit
Methanol entstehenden Produktgemisch (siehe Abb. 19) mit
IM 47
28
Umsetzungen mit Galactarsäuredimethylester
A In Anlehnung an die Vorschrift von Kiely[56] wurde
zunächst Methanol als
Suspensionsmittel verwendet (552.6 mg 45, 15 ml Methanol,
0.5 ml Triethylamin, 12.22 g IM
47). Nach einem Tag wurde das Polymer durch Filtration
gewonnen.
B Da Methanol ein Fällungsmittel für Silikone ist, wurde
die gleiche Reaktion unter
Verwendung von Isopropanol durchgeführt; auch hier kam es
zur Abscheidung des Polymers.
C Eines der wenigen Lösungsmittel für 45 ist
Dimethylsulfoxid. Auch in Mischungen von
DMSO und Isopropanol ist 45 löslich. 45 wurde daher in
DMSO gelöst und zu einer Lösung
von IM 47 in Isopropanol gegeben. Auf die Zugabe von
Trimethylamin wurde verzichtet, da
die sekundäre Aminogruppe von IM 47 bereits als
katalysierende Base fungieren können
sollte. Die Lösung (DMSO / Isopropanol 1 : 10, 250 mg 45
pro ml DMSO) wurde jedoch
rasch trübe, nach einigen Stunden kam es zur vollen
Abscheidung des Polymers.
D Galactarsäuredimethylester fällt in der Regel als sehr
feines Pulver an, es wurde daher auch
versucht, 45 und IM 47 ohne Lösungsmittel umzusetzen. Nach
6 Tagen wurde der Ansatz im
Vakuum getrocknet. Der Gewichtsverlust betrug knapp über
100 % des Gewichts des
erwarteten Kondensationsprodukts.
E In einem weiteren Versuch wurde zunächst nach der
Alternative B verfahren, im
Gegensatz dazu wurde aber vor der Aufarbeitung Vakuum
angelegt und die Temperatur
langsam auf 130 °C erhöht. Dies führte jedoch zu einer
gelblichen Verfärbung des Produktes.
F In Anlehnung an D und E wurde die Reaktion ohne
Lösungsmittel durchgeführt, aber nach
einem Tag Vakuum angelegt und die Temperatur langsam auf
140 °C erhöht. Dabei verfärbte
sich das Material an der Kolbenwand.
Die erhaltenen Polymere wiesen Molekulargewichte von ca.
20000 g / mol auf, die
Glaspunkte lagen zwischen 120 °C und 130 °C. Die
Materialien sind in der Regel farblose,
bröckelige Materialien, die durch ihre Bruchstellen ein
weißes Aussehen erhalten. Sie lösen
sich mäßig in heißem THF und Toluol, bei Raumtemperatur
jedoch nur schlecht. Sehr leicht
lösen sich die dargestellten Materialien hingegen in
Mischungen aus Chloroform und
Methanol.
Die thermogravimetrische Untersuchung des
einer Sauerstoffatmosphäre ergab,
daß beim Erwärmen der Probe mit einer Aufheizrate von 5 K
/ min bis 340 °C 3.8 % des
Galactarsäure, jedoch ist der Fehler
29
dieser Methode mit ca. 1 %-Punkt anzugeben. Ebenso ist es
möglich, daß es sich um den
Verlust von Wasser handelt, das von dem Material gebunden
wird. Die maximale
Zersetzungsrate wird bei 464 °C beobachtet.
-60
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
30 130 230 330 430 530 630
T [°C]
[%]
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
[% / min]
TG [%]
DTG [%/min]
Abbildung 23: Thermogravimetrische Untersuchung eines nach
Alternative B hergestellten Galactarsäure-
PDMS Copolymers; 5 K / min, Sauerstoffatmosphäre, maximale
Zersetzungsgeschwindigkeiten bei 191 °C,
416 °C, 464 °C und 524 °C.
Umsetzungen mit Glucarsäureestern
Das Produktgemisch, das bei der Veresterung von
Glucarsäure entsteht, wurde ebenfalls auf
verschiedene Arten hergestellt. In den ersten drei
Varianten wurde Methanol für die
Veresterung verwendet und das in der Polykondensation
verwendete Lösungsmittel variiert
(Methanol, Ethanol oder Isopropanol), in der vierten
alternativen Reaktionsführung wurde die
Veresterungsreaktion in Ethanol durchgeführt und
Isopropanol in der Polykondensation
verwendet.
Auch die auf diese Weise hergestellten Materialien besaßen
eine ungefähre Molmasse von
20000 g / mol. Im Gegensatz zu den Umsetzungsprodukten mit
Galactarsäure sind die glucar
30
säurehaltigen Polymere jedoch nicht mehr formstabil. Sie
lassen sich kurzzeitig formen,
zerfließen aber innerhalb einiger Stunden unter Ausbildung
eines transparenten Körpers.
-60
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
30 130 230 330 430 530 630
T [°C]
[%]
-3
-2,5
-2
-1,5
-1
-0,5
0
0,5
[% / min]
TG [%]
DTG [%/min]
Abbildung 24: Thermogravimetrische Untersuchung eines nach
Alternative B hergestellten Glucarsäure-PDMS
Copolymers; 5 K / min, Sauerstoffatmosphäre, maximale
Zersetzungsgeschwindigkeiten bei 178 °C, 416 °C und
462 °C.
Bei der thermogravimetrischen Untersuchung dieses
maximaler Zersetzungsrate festgestellt. Mit 2.3 %
Gewichtsverlust bis 330 °C kann vermutet
werden, daß von dem Copolymer gebundenes Wasser bzw.
Lösungsmittel freigesetzt worden
ist. Der Kohlenhydratanteil beträgt 3.2 %. Starke
Zersetzung setzt erst ab 330 °C ein, mit zwei
maximalen Zersetzungsraten bei 416 °C und 462 °C.
6.2.2 Umsetzungen mit 441111 VP
Im Gegensatz zu IM 47, dessen Endgruppen sowohl eine
sekundäre als auch eine primäre
Aminofunktion besitzen, weist 441111 VP eine
Aminopropylfunktionalisierung auf und
besitzt ein deutlich niedrigeres Molekulargewicht (Mn =
1200 g / mol; IM 47: 5400 g / mol).
Damit sollte es möglich sein, die
Polykondensations-Produkte auch NMR-spektroskopisch zu
charakterisieren.
31
OMe
O OH
OH OH
MeO
OH
O
441111 VP NH
O OH
OH OH
NH
OH
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)Si15Me2, X = C3H6
Gal: 45, Glc: {37 + 38 + 39} Gal: 48, Glc: 49
Abbildung 25: Umsetzung von Galactarsäuredimethylester
bzw. dem bei der Veresterung von Glucarsäure mit
Methanol entstehenden Produktgemisch (siehe Abb. 19) mit
441111 VP
Auch die Umsetzungen von 441111 VP mit
Kohlenhydratdiestern / Lactonen wurden unter
verschiedenen Bedingungen durchgeführt. Da hier ebenfalls
festgestellt werden konnte, daß
die Materialien mit Galactarsäure höhere Schmelz- bzw.
Glaspunkte aufweisen als die analog
mit Glucarsäure synthetisierten, wurde eine homologe Reihe
erstellt, in der der Anteil an
Glucar- und Galactarsäure in 20-%-Schritten variiert
worden ist.
Material Glucarsäure Galactarsäure Reaktionsbedingungen
Tg[°C] MP [g/mol]
49.1 100 % - RT, 4 Wochen, a) - 4 3690
48.1 - 100 % RT, 4 Wochen, b) 45 5926
48.2 - 100 % 80 °C, 4 – 5 Tage, b) 35 5360 c)
48.3 - 100 % 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) 54 3770
50 20 % 80 % 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) 17 3680
51 40 % 60 % 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) 5 2590
52 60 % 40 % 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) -7 2550
53 80 % 20 % 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) -3 3130
49.2 100 % - 80 °C, NEt3, 3 Tage, b) -28 3200
a) in Methanol; b) Isopropanol, Kohlenhydrat in DMSO
gelöst; c) 2650 bei größerem Ansatz
Wie erwartet, bewirkte ein höherer Anteil an Galactarsäure
auch eine Erhöhung des
Glaspunktes. Daß die Auftragung der Schmelzpunkte gegen
den Gehalt an Galactarsäure
keine monoton steigende Kurve ergibt, mag daran liegen,
daß die Reaktionen nicht exakt
reproduzierbar und auch die Ablesungen der Glaspunkte aus
den erhaltenen DSC-Kurven
stark fehlerbehaftet waren, weil die Übergänge im Diagramm
nicht scharf ausgeprägt sind.
Der generelle Trend ist jedoch deutlich zu erkennen: Ab
einem Glucarsäureanteil von ca.
50 % sinkt die beobachtete Glastemperatur unter 0 °C.
32
Die per GPC ermittelten Molekulargewichte variieren. Sogar
bei der Wiederholung der
Synthese von 48.2 im größeren Maßstab wurde ein deutlich
niedrigeres Molekulargewicht
erhalten als bei dem ersten Ansatz. Insgesamt ist auch
auffällig, daß die Molekulargewichte
sehr niedrig ausfallen, so daß eine sichere Angabe von Mn
und Mw nicht immer möglich ist.
Die Molekulargewichte wurden daher als MP angegeben. Mp
ist die Masse der Spezies, die im
GPC-Elugramm die höchste Intensität aufweist. Das
Auftreten niedriger Molmassen kann
durch intramolekulare Reaktionen erklärt werden, die zur
Bildung von Ringen führen und
damit einen Abbruch des Kettenwachstums bedeuten. Für
diese Hypothese spricht, daß im
MALDI-TOF-Spektrum tatsächlich zyklische Strukturen
beobachtet werden können. In
diesem Fall kann davon ausgegangen werden, daß die
ermittelten Molmassen zu niedrig
ausfallen, da die Elution eines Moleküls in der GPC vom
hydrodynamischen Radius abhängig
ist. Zyklische Polymere, die einen geringeren
hydrodynamischen Radius aufweisen als
vergleichbare lineare Polymere der gleichen Masse,
eluieren daher später. Ebenso hat die
chemische Struktur der Polymere einen Einfluß. Die
Kalibrierung der GPC-Säule erfolgte mit
Polystyrol-Standards, die vermessenen Substanzen sollten
jedoch aufgrund ihrer Amid- und
Hydroxygruppen starke Wasserstoffbrücken ausbilden können.
Es ist daher nicht
auszuschließen, daß es nicht doch zu Wechselwirkungen
zwischen dem Säulenmaterial und
dem Analyten kommt. Dies sollte ebenfalls eine verzögerte
Elution zur Folge haben.
m/z 600 1600 Intensity
9.00
0
n = 2
5
6
7
8 9
10 11 12 13 14
3 4
n [M+K]+ n [M+K]+
n = 2 535.64 n = 9 979.49
n = 3 609.43 n = 10 1053.50
n = 4 683.38 n = 11 1127.53
n = 5 701.53 n = 12 1201.53
n = 6 757.40 n = 13 1276.59
n = 7 831.42 n = 14 1349.58
n = 8 905.46 n = 15 1423.71
15
NH
NH
O
OH
OH
OH
OH
O
PDMS
(C3H6)
(C3H6)
n
Abbildung 26: MALDI-TOF Spektrum des
Glucarsäureamid-Silikons
33
Auf der Basis dieser Überlegungen wurde die mittlere
Molmasse (Mn) eines repräsentativen
Galactarsäure-PDMS-Copolymers zusätzlich
dampfdruckosmometrisch bestimmt (48.3, Mn =
1400 g / mol). Weitere Proben wurden nicht vermessen, da
die nicht automatisierbare
Messung bis zu einem Tag dauern kann und damit sehr
zeitaufwendig ist. Erstaunlicherweise
lag die so bestimmte Molmasse jedoch deutlich unter der
per GPC bestimmten Masse. Dies
könnte auf eine Grenzflächenaktivität an der Grenze
Isopropanol-Lösung / Gasphase des
untersuchten Polymers zurückzuführen sein. Andererseits
könnten auch trotz sorgfältigster
Trocknung noch vorhandene Lösungsmittelreste, z.B. über
Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenes Wasser, die Meßergebnisse verfälschen. In den
selbst angefertigten GPCDiagrammen
(UV-Detektor) konnte kein zusätzliches Lösungsmittelsignal
beobachtet
werden. Bei einer späteren GPC Messung auf einem anderen
Gerät mit Brechungsindex-
Detektor, kurz vor der Durchführung der osmometrischen
Messung, konnte jedoch ein sehr
intensives Lösungsmittelsignal beobachtet werden. Dies
könnte ein Hinweis darauf sein, daß
das Material hygroskopisch ist.
Die viskosimetrische Untersuchung der erhaltenen Polymere
bei 25 °C in Chloroform unter
Verwendung eines Ubbelohde Viskosimeters ergab relativ
große Hugginskonstanten (kH) mit
Werten zwischen 2.0 und 3.4. Typische Werte für flexible
Kettenmoleküle liegen unter 1.
Dabei ist kH umso kleiner, je besser das Knäuel durchspült
wird bzw. je größer das
Knäuelvolumen ist. Die Hugginskonstante wächst also mit
abnehmender Lösungsmittelqualität.
Die Grenzviskositäten, die ein Maß für das Volumen eines
Polymerknäuels in
Lösung darstellen, lagen zwischen 6.4 und 8.1 ml / g.
Die thermogravimetrische Untersuchung des Galactarsäure-
und des Glucarsäure-PDMSCopolymers
ergab für beide Substanzen sehr ähnliche Diagramme.
Zunächst erfolgt ein
Gewichtsverlust von ca. 8 % bei 200 °C. Der
Kohlenhydratanteil der Substanzen beträgt
12.8 %. Einen Hinweis auf die Natur dieses
Zersetzungsschrittes könnte die Kopplung mit
einem Massenspektrometer liefern. Eine Reihe mehrerer
stark ausgeprägter Zersetzungsschritte
erfolgt zwischen 380 und 450 °C. Ein weiterer gemeinsamer
Zersetzungspeak liegt
bei 510 °C vor. Das Galactarsäure Copolymer weist
schließlich noch eine starke Zersetzung
bei 610 °C auf.
34
Abbildung 27: TGA-Kurven, aufgenommen in einer
Sauerstoffatmosphäre, Aufheizrate 5 K / min; links:
Galactarsäure-PDMS-Copolymer; rechts:
Glucarsäure-PDMS-Copolymer
Galactarsäure-PDMS-Copolymer (48.1) 201 °C 380 °C bis 420
°C 509 °C 607 °C
Glucarsäure-PDMS-Copolymer (49.1) 196 °C 388 °C 422 °C 446
°C 507 °C
Die Aufnahme interpretierbarer NMR-Spektren war weder in
Deuterochloroform noch in
deuteriertem Benzol möglich. Es stellte sich aber heraus,
daß die Lösbarkeit der
synthetisierten Verbindungen in Chloroform durch Zusatz
von Methanol stark erhöht wird.
Die daraufhin erfolgte Aufnahme von 1H-NMR-Spektren in
einer Mischung aus Deuterochloroform
und Methanol im Verhältnis 2 : 1 lieferte schließlich
Spektren mit einem
hervorragenden Signal-Rausch-Verhältnis. Die Aufnahme von
13C-NMR-Spektren ist
ebenfalls möglich, erfordert jedoch eine hohe Anzahl
scans. Mit Hilfe der NMR-Spektren
konnte gezeigt werden, daß die Umsetzung der Estergruppen
vollständig verlief.
-60
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
30 130 230 330 430 530 630
T [°C]
[%]
-1,2
-1
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0
0,2
[% / min]
TG [%]
DTG [%/min]
-60
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
30 130 230 330 430 530 630
T [°C]
[%]
-1,4
-1,2
-1
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0
0,2
[% / min]
TG [%]
DTG [%/min]
35
7. Addition von Amino- und Hydroxalkylysilikonen an
Isothiocyanatsubstituierte
Kohlenhydrate
Jährlich werden weltweit über 210 Mio. t an synthetischen
Polymeren verbraucht. Auch wenn
der Anteil der Polyurethane hierbei nur 4 % beträgt,
sollte dies nicht über die Bedeutung
dieser Kunststoffklasse trügen. Während der
Massenkunststoff Polyethylen hauptsächlich für
kurzlebige Produkte wie Verpackungsmaterialien Verwendung
findet, werden Polyurethanschäume
meist für längerlebige Produkte, z. B. Wärmedämmungen oder
Polstermaterialien,
verwendet.[59] In
Verbrauch an Polyurethanen von
4.6 Mio. t 1991 auf 8.5 Mio. t 2001 sogar nahezu
verdoppelt.[60] Ausgangsprodukte für
Polyurethane sind Diole und Diisocyanate. Strukturell sehr
ähnlich sind die Polyharnstoffe,
bei deren Herstellung statt eines Diols ein Diamin
verwendet wird.
Ein charakteristisches Merkmal der Polyurethane und
Polyharnstoffe ist die Fähigkeit zur
Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen. Diese
Eigenschaft kann durch Copolymerisation
auf ansonsten wasserstoffbrückenbindungsfreie Polymere
übertragen werden. Dabei
kommt es zur Ausbildung von harten und weichen Segmenten.
Stimmt das Verhältnis von
weichen zu harten Segmenten, kommt es zu einer
Mikrophasenseparation – das Material
besitzt die Eigenschaften eines thermoplastischen
Elastomers (TPE).
Auf Polydimethylsiloxan basierende Polyurethane wurden
bereits vielfach vorgestellt.[10, 61,
62] Die Anwendungsfelder könnten jedoch nicht
unterschiedlicher sein: Das Spektrum reicht
von PDMS-MDI-MPEG Copolymeren, die die Adhäsion von
Thrombozyten auf
medizinischen Werkstoffen reduzieren, bis hin zu
thermoplastischen Polyurethanen, deren
Feuerbeständigkeit durch die Modifizierung mit
Polydimethylsiloxanen erhöht wird. Der in
dieser Arbeit verfolgte neue Ansatz sieht vor, statt der
üblichen harten Segmente (z.B. MDI
oder TDI) Kohlenhydrate zu verwenden.
36
CH2 OCN NCO
CH3
NCO
NCO
CH3
NCO OCN
NCO
NCO
OCN CH2 NCO
4,4'-Methylendiphenylendiisocyanat (MDI)
2,4- und 2,6-Toluoldiisocyanat (TDI)
1,5-Naphthalindiisocyanat (NDI)
1,6-Hexamethylendiisocyanat (HDI)
4,4'-Dicyclohexylmethandiisocyanat (H12MDI)
OCN CH2 NCO
6
Abbildung 28: Industriell verfügbare harte Bausteine für
Polyurethane
Die Synthese von isocyanat- und
isothiocyanatfunktionalisierten Kohlenhydraten als
Baustein
für die Polyurethan /-harnstoffsynthese wurde bereits in
der Literatur beschrieben.[40, 63] Dort
wird der in der Industrie gängige Weg über die
Phosgenierung von Aminen eingeschlagen.
Analog hierzu können auch Thioisocyanate unter Verwendung
von Thiophosgen erhalten
werden. Die Verwendung von Phosgen ist jedoch in Hamburg
streng reglementiert und
erfordert eine Erlaubnis des Präses der Behörde für
Wissenschaft und Forschung. Das
Erhalten einer solchen Erlaubnis kann bis zu 9 Monate
dauern.[40] Ein alternativer und daher
deutlich schnellerer Syntheseweg könnte die Substitution
von Phosgen durch Diphosgen
darstellen. Dieses Reagens ist jedoch deutlich weniger
reaktiv und gute Ausbeuten werden
meist nur mit aromatischen Aminen erhalten. Die Umsetzung
von Hexamethylendiamin mit
Diphosgen zu HDI ist nicht möglich.[64]
Daher sollten in dieser Arbeit vorrangig
Isothiocyanat-funktionalisierte Kohlenhydrate
synthetisiert werden, die zudem noch über einen weiteren
Weg, nämlich die nukleophile
Substitution von Bromid durch Thiocyanat, erhalten werden
können.
37
7.1 Synthese monofunktionaler Isothiocyanat-substituierter
Kohlenhydrate
Ein schneller Zugang zu einem thioisocyanathaltigem
Kohlenhydrat ist die von Lindhorst und
Kieburg[65] entwickelte lösungsmittelfreie Umsetzung von
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-a-Dglucopyranosylbromid
(54) mit Kaliumthiocyanat in der Schmelze. Nach Waschen
mit
Wasser liegt das Produkt rein vor. Die Gesamtausbeute über
zwei Stufen, ausgehend von
Glucose, beträgt 58 %. Dabei bedarf es an keiner Stelle
einer aufwendigen säulenchromatographischen
Reinigung.
O
OH
HO
HO
HO
OH
O
OAc
AcO
AcO
AcO
Br
Ac2O
HBr/HOAc
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NCS
KSCN
72 %
81 %
10 54 55
Abbildung 29: Synthese eines
Isothiocyanat-funktionalisierten Kohlenhydrats nach
Lindhorst und Kieburg[65]
Analog zu der Umsetzung mit Kaliumthiocyanat sollte auch
die Reaktion mit einem Cyanat
möglich sein. Dies erweist sich in der Praxis jedoch als
sehr schwierig, da die Schmelzpunkte
der Cyanate deutlich höher liegen als die der Thiocyanate.
Schmelzpunkte [°C] SCN- OCNK+
175 314 – 316
Na+ 310 550
Einen Ausweg könnte die Beimischung eines anderen
niedrigschmelzenden Salzes darstellen.
Ein Versuch mit Tetrabutylammoniumbromid als
Schmelzpunkterniedriger (Schmelzpunkt =
100 – 103 °C) schlug jedoch fehl. Zwar wurde eine Schmelze
erhalten, am Ende der
vorgesehenen Reaktionszeit von 5 Minuten war der Ansatz
jedoch bereits tiefschwarz. Ein
weiteres Problem stellt die Aufarbeitung dar. Während
Alkylisothiocyanate relativ hydrolysestabil
sind, zersetzen sich die entsprechenden Isocyanate in
Kontakt mit Wasser unter Bildung
der Carbamidsäuren, die unter Freisetzung von Kohlendioxid
zerfallen. Diese Reaktion setzt
38
so heftig ein, daß sie in der Industrie zum Verschäumen
von Polyurethanen Verwendung
findet.[66]
7.2 Umsetzung mit Silikonen
Die Umsetzung der Isothiocyanat-funktionalisierten Glucose
55 mit Aminosilikonen kann
hervorragend mittels IR-Spektroskopie verfolgt werden. Zum
einen kann die Umsetzung der
Isothiocyanatgruppe am Verschwinden der stark ausgeprägten
NCS-Bande, die zwischen
2000 und 2100 cm-1 liegt, beobachtet werden. Zum anderen
kann die Ausformung einer neuen
Bande bei ca. 1550 cm-1 beobachtet werden, die der
NCH-Gruppe zuzuordnen ist. Damit kann
die Bildung des Produktes bewiesen werden. Die Hydrolyse
der Isothiocyanatgruppe kann
vernachlässigt werden.
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NCS + HY X Si
CH3
CH3
O Si
CH3
CH3
X YH
n
2
X = C2H4 NH C3H6; Y = NH; n = 70 (IM 47) 56:
n
O HN
OAc AcO
OAc
OAc
S
Y X Si
CH3
CH3
O Si
CH3
CH3
X
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NH
S
Y
X = C3H6; Y = O; n = 10 (IM 11)
55
58:
n
O HN
OH HO
OH
OH
S
Y X Si
CH3
CH3
O Si
CH3
CH3
X
O
OH
HO
HO
HO
NH
S
Y
X = C3H6; Y = NH; n = 15 (441111 VP) 57:
X = C3H6; Y = NH; n = 15 (441111 VP) 59:
NaOMe, Methanol
Abbildung 30: Umsetzung von 55 mit IM 47 und 441111 VP
unter Bildung von Thioharnstoffen und mit IM 11
unter Bildung eines Thiourethans;
39
Bei der Umsetzung mit dem aminoderivatisierten Silikon IM
47 konnte zwar das
Fortschreiten der Reaktion im IR beobachtet werden; eine
genauere Charakterisierung des
Produktes 56 ließ sich jedoch nicht verwirklichen, da sich
das Silikon einer 1H-NMRspektroskopischen
Untersuchung verschließt und sich bei der Präparation für
die MALDITOF
Massenspektroskopie regelmäßig glatte, amorphe Flächen
bilden, die kein Spektrum
liefern. Die Umsetzung mit dem aminoderivatisierten
Silikon 441111 VP lieferte jedoch sehr
zufriedenstellende Ergebnisse. In einer dreistündigen
Reaktion konnte die quantitative
Umsetzung erreicht werden. Im Gegensatz zu dem mit IM 47
erhaltenen Material konnte bei
diesem Material auch eine vollständige
NMR-Charakterisierung erfolgen (1H- und 13C-NMR).
Auch im MALDI-TOF lieferte 57 ein aussagekräftiges
Spektrum. Die Deacetylierung von 57
gelang unter Zemplén-Bedingungen.[67, 68] Bei der
anschließenden Aufarbeitung wurde die
rote Lösung mit Aktivkohle behandelt, wodurch eine
vollständige Entfärbung erzielt werden
konnte. Allerdings sank dadurch die Ausbeute an 59 auf 35
%. Die Charakterisierung erfolgte
per MALDI-TOF MS.
Während Isothiocyanate leicht mit Aminen reagieren,
verläuft die unkatalysierte Umsetzung
mit Alkoholen zum Thiourethan nur sehr langsam. Der
Einsatz eines Katalysators ist daher
unumgänglich. Typischerweise werden hierzu Lewis-Säuren
verwendet, die zu einer
Polarisierung der Isothiocyanatgruppe führen. Die
Umsetzung von 55 mit dem hydroxypropyl-
substituierten Silikon IM 11 erfolgte daher unter Zusatz
von Dibutylzinndidodecanat.
Trotzdem mußte die Reaktionszeit von wenigen Stunden im
Fall der aminoderivatisierten
Silikone auf 3 Tage ausgedehnt werden. Während bei der
Umsetzung mit 441111 VP ein bei
Raumtemperatur festes transparentes Wachs gebildet wurde,
lieferte die Umsetzung mit
IM 11 eine Art Kristallbrei; dies liegt vermutlich an dem
hohen Anteil an
Dibutylzinndidodecanat (DBTDL). Eine zumindest partielle
Entfernung des DBTDLs scheint
möglich zu sein, wenn eine Lösung des Produkts über
basischem Aluminumoxid filtriert wird.
Der Anteil des flüssigen Bestandteils des so behandelten
Produktes schien deutlich niedriger
auszufallen.
40
7.3 Synthese bifunktionaler Isothiocyanat-substituierter
Kohlenhydrate
7.3.1 Synthese ausgehend von 1,4:3,6-Dianhydrosorbitol
(DAS)
Ein möglicher Weg zur Darstellung von bifunktionalen
Zucker-Isocyanaten bzw.
-Isothiocyanaten wurde von Ruppenstein vorgestellt.[40]
Ausgangsverbindungen sind dort die
1,4:3,6-Dianhydroalditole, die bereits seit einiger Zeit
industriell verfügbar sind.
Ausgangsprodukt für DAS ist Stärke, die enzymatisch zur
Glucose hydrolysiert wird. Durch
Reduktion gelangt man zum Sorbitol, das unter Säureeinfluß
zunächst zum 1,4-
Anhydrosorbitol kondensiert und, unter Wärmeeinwirkung und
Abspaltung eines weiteren
Wassermoleküls, das bicyclische Dianhydrosorbitol bildet.
Stärke enzymatische Hydrolyse
O
OH
HO
HO
HO
OH
OH
OH
HO
HO
HO
OH
Pd/C, H2
H+
- H2O
OH
O O
OH
O OH
OH
HO
HO
. / H+
- H2O O
O
OH
OH
O
O
OH
OH
(endo)
(exo)
= =
6 60
61
62
Abbildung 31: Synthese von 1,4:3,6-Dianhydrosorbitol
(Isosorbid, DAS) und dessen Konformation[40]
1993 wurde die weltweite Produktion von DAS mit 1000 t
angegeben.[69] Diese Zahl dürfte
jedoch mittlerweile überholt sein – DAS gilt als eine
wichtige Zwischenstufe im
pharmazeutischen Bereich. Die Nitroderivate werden als
Asthmatikum verwendet,[70] die
Azidoderivate weisen eine hypnotische Aktivität auf, die
der von Doriden® vergleichbar
ist.[71] Das methylierte DAS wird als Lösungsmittel
verwendet. Weiterhin findet DAS in der
Produktion von flüssigkristallinen Reflektivfarben
Verwendung, z.B. als chirale Phase in
Ultraking Paliocolor® von BASF.[72] Die Tatsache, daß
diese Verbindungen nur noch zwei
Hydroxygruppen besitzen, macht sie auch für die
Polymerchemie interessant.[63, 73, 74]
41
Die von Ruppenstein beschriebene vierstufige Synthese von
Diiso(thio)cyanaten basiert auf
der Phosgenierung der entsprechenden Diamine, deren
Darstellung bereits von Lüders
dokumentiert worden ist.[75] Hierzu werden die
Dianhydroalditole zunächst pertosyliert.
Anschließend kann in einer nukleophilen Substitution Azid
eingeführt werden, das unter
reduzierenden Bedingungen (H2, Pd / C) in das Amin
übergeführt wird. Die auf diese Weise
erhaltenen Diamine können nun mit (Thio)phosgen umgesetzt
werden. Bemerkenswert ist,
daß sich bei der Umsetzung des Glucitols (DAS) keine
Änderung in der Stereochemie ergibt,
da sich das Retentions- und Inversionsprodukt der
nukleophilen Substitution des Tosylats
durch Azid durch Drehung ineinander überführen lassen. Im
Gegensatz hierzu werden
Dianhydromannitol (DAM) und Dianhydro-L-iditol (DAI)
ineinander übergeführt.
O
O
OH
OH
O
O
OX
OX
O
O
N3
N3
O
O
NH2·HCl
NH2·HCl
O
O
NCO
NCO
O
O
NCS
NCS
XCl NaN3
DMF, Rückfluß
1. Pd / C, H2
2. HCl
CSCl2 COCl2
KSCN
DMF
PPh3
CS2
62 64
65 66 67
63: X = Ts
68: X = Ms
Abbildung 32: Darstellung bifunktionaler Isothiocyanate
nach Bachmann und Ruppenstein[39, 40, 63, 73, 76]
und denkbare Rationalisierung des Synthesewegs
Betrachtet man dieses Syntheseschema, so fallen einem zwei
denkbare Abkürzungen des
Syntheseweges auf: Zum einen sollte es möglich sein, das
Diazid 64 in einer Tandem-
Staudinger-aza-Wittig-Reaktion direkt in das
Dithioisocyanat umzuwandeln. Diese Art von
Umwandlung liefert Ausbeuten im Bereich von 90 %, wenn das
Azid an einem
exocyclischen, primären Kohlenstoffatom sitzt. Bei
exocyclischen sekundären Azidgruppen
sinkt die Ausbeute allerdings deutlich. Bei endocyclischen
Aziden schließlich sind nur noch
Ausbeuten um die 20 % zu erwarten.[77] Die andere
„Abkürzung“ halbiert die Anzahl der
Stufen: In einer der Substitution mit Natriumazid analogen
Reaktion sollte das Tosylat 63
42
auch direkt mit Kaliumthiocyanat in das Diisothiocyanat 65
umgewandelt werden können.
Hierzu wurde das dimesylierte DAS 68 hergestellt.[78] Die
Versuche, 68 mit Kaliumthiocyanat
in refluxierendem N,N-Dimethylformamid umzusetzen, blieben
jedoch bisher
erfolglos. Die Ansätze färbten sich tiefschwarz und es
wurde die Bildung einer nicht weiter
identifizierten farblosen kristallinen Substanz
beobachtet, bei der es sich vermutlich um
Methylsulfonsäure handelt. Es konnte jedoch kein Produkt
isoliert werden.
Obwohl es sich bei beiden Hydroxygruppen der
Anhydroalditole um sekundäre Funktionen
handelt, wird ihre Reaktivität stark durch die
Stereochemie beeinflußt.
O
O
O
OH
H
O
O
OH
OH
O
O
OH
HO
DAS (endo, exo) DAM (endo, endo) DAI (exo, exo)
Abbildung 33: Bevorzugte „Einflugschneisen“ von
Nukleophilen in Substitutionsreaktionen (Pfeile) und
leichter zugängliche Gruppen (Markierungen)
Während Reaktionen an den Substituenten aus sterischen
Gründen zunehmend einfacher
werden in der Reihe DAM < DAS < DAI, gilt für
nukleophile
Substitutionen genau das
Gegenteil. Dies schlägt sich auch in den Ausbeuten bzw.
den notwendigen Reaktionsbedingungen
entsprechender Reaktionen nieder. Beim Sonderfall des DAS
ist auch die selektive
Umsetzung nur eines Substituenten möglich. So wurde
während der Anfertigung dieser Arbeit
die selektive Bildung des 5-Azids beobachtet, wenn bei
niedrigen Temperaturen (80 - 90 °C)
substituiert wird.
Diamin + COCl2[40] Ditosylat + NaN3[79] Dimesylat +
NaN3[71]
DAM 41 % Ausbeute 120 °C (80 %) 120 °C (86 %)
DAS 64 % Ausbeute 140 °C (39 %) 153 °C (79 %)
DAI 80 % Ausbeute 153 °C (23 %)
Eine Ausnahme stellt die Tosylierung von DAS mit
Tosylchlorid in Pyridin dar.[17] Obwohl
die Hydroxygruppe an Position 2 besser zugänglich ist, ist
es möglich, gezielt die räumlich
43
abgeschirmte endo-Hydroxygruppe an C5 zu tosylieren. Als
Grund hierfür wird eine
Wasserstoffbrückenbindung zum cis-ständigen
Ring-Sauerstoff vermutet, die eine
intramolekulare Aktivierung bewirkt. Die in der
vorliegenden Arbeit durchgeführte
Mesylierung verlief daher auch bereits unter sehr milden
Bedingungen (in Dichlormethan,
2 Äquivalente Trimethylamin, 0°C, 3 Stunden, 73 %
Ausbeute).[78]
7.3.2 Synthese ausgehend von Sorbitol
Die Darstellung bifunktionaler Kohlenhydrate auf der Basis
von Sorbitol bietet sich an, da
sich die beiden primären Hydroxygruppen in ihrer
Reaktivität von den übrigen
Hydroxygruppen unterscheiden. Im weitesten Sinne sollte
dabei auf die bereits im
vorhergehenden Abschnitt beschriebenen Syntheseschritte
zurückgegriffen werden können –
Einführung von Bromid an 1- und 6-Position, gefolgt von
einer nukleophilen Substitution mit
Natriumazid oder Kaliumthiocyanat. Die größten Probleme
bereitete in diesem Teil der Arbeit
die Einführung des Bromids.
Zunächst sollte versucht werden, das Azid ohne Anwendung
von Schutzgruppen direkt in das
freie Sorbitol einzuführen. Hierzu wurde Sorbitol in einer
Hanessian-Appel-Reaktion mit
Triphenylphosphin, N-Bromsuccinimid und Natriumazid
umgesetzt. In dieser eleganten
Eintopfreaktion wird zunächst nach Appel[80] ein Alkohol
mit Triphenylphosphin und einem
Bromid-Lieferanten (klassisch: CBr4) unter Bildung von
Triphenylphosphinoxid und dem
resultierenden Alkylbromid umgesetzt. Die von Hanessian
verfeinerte Methode unter
Verwendung von NBS als Bromierungsreagenz ermöglicht die
selektive Umsetzung primärer
Hydroxygruppen in Polyolen, z.B. der primären Gruppe im
Methylglucosid. Anschließend
kann direkt durch Zugabe von Natriumazid und Erhöhung der
Temperatur das Bromid in das
Azid übergeführt werden.[81] Bei dem selbst durchgeführten
Versuch, diese Reaktion auf
Sorbitol anzuwenden, bildeten sich jedoch Furanoside, die
durch intramolekulare Substitution
entweder des Triphenylphoshinoxids oder des Bromids
entstanden sein müssen. Dieses
Ergebnis wurde später von Madsen et al. bestätigt, die
einen Zugang zu endständig bromierten
Octitolen suchten.[82]
44
HO
OH
OH
OH
OH
OH
1. PPh3, NBS
2. NaN3
N3
OH
OH
OH
OH
N3
stattdessen: Anhydroglucitolderivate 60
69
Abbildung 34: Fehlgeschlagener Versuch, Sorbitol nach
Hanessian-Appel[80, 81] in das 1,6-Diazid zu
überführen
Aufgrund dieses Ergebnisses wurde eine selektive
Tosylierung gar nicht erst versucht;
Madsen et al. berichteten weiterhin, daß sich die
Selektivität der Tosylierung nicht als
ausreichend erwies, um Octitole selektiv an den primären
Hydroxygruppen zu tosylieren.
Die Verwendung von Schutzgruppen scheint daher
unumgänglich. Einen umständlichen aber
handwerklich sauberen Weg zum Erhalt peracetylierten
1,6-Diazido-sorbitols verfolgte
Harald Lüders.[79] Dort wird zunächst das
2,4-Benzylidenacetal des Sorbitols gebildet, das im
Gegensatz zum freien Sorbitol selektiv tosyliert werden
kann. In vier weiteren Schritten –
Acetylierung, Abspaltung der Benzylidengruppe,
Acetylierung und Substitution mit Azid
(hier könnte auch Thiocyanat verwendet werden) – wird
schließlich das Produkt erhalten.
Schließlich gelang Madsen ein synthetischer Durchbruch,
der in dieser Arbeit auf Sorbitol
übertragen werden konnte.[82] Octitole werden dort in
einem Eintopfverfahren zunächst
endständig trityliert und dann benzoyliert. Nach
Ausfällung des Produktes 70 liegt dieses
nahezu sauber vor und kann mit Bromwasserstoff in Eisessig
(33 %) in das 1,6-Dibromid 71
übergeführt werden. Hierbei werden zunächst in einer sehr
schnellen Reaktion die
Tritylgruppen als Tritylbromid, das als gelbes Salz
ausfällt, abgespalten. Die dabei gebildeten
Carbeniumionen werden vermutlich als Acetoxoniumion durch
die benachbarten
Benzoylgruppen stabilisiert. Bei der
dünnschichtchromatographischen Verfolgung dieser
Reaktion ist zu sehen, daß sich zunächst sehr viele
Produkte bilden. Im Verlauf einer Woche
nimmt die Intensität der meisten Spots jedoch wieder ab zu
Gunsten eines Hauptproduktes.
Bei den Zwischenprodukten handelt es sich vermutlich um
endständig acetylierte und / oder
nur teilweise bromierte Verbindungen. Dies legte die
Vermutung nahe, daß auch
peracetyliertes Sorbitol eingesetzt werden könnte. Dort
kommt es jedoch zu einer Acyl-
Wanderung, die sich in der Bildung von Isomeren
niederschlägt.
45
HO
OH
OH
OH
OH
OH
TrO
OTr
OBz
OBz
OBz
OBz
1. TrCl
2. BzCl
Br
Br
OBz
OBz
OBz
OBz
HBr
HOAc SCN
NCS
OBz
OBz
OBz
OBz
KSCN
DMF
quant.
43 % 75 %
60 70
71 72
Abbildung 35: Effiziente Synthese des Dithioisocyanats 71
und 72 sind neue Verbindungen
Unter Anwendung der von Madsen entwickelten Methode konnte
die bisher noch nicht in der
Literatur beschriebene Verbindung 71 effizient erhalten
werden. Die Umsetzung dieser
Verbindung mit Kaliumthiocyanat lieferte das bisher
ebenfalls unbekannte Diisothiocyanat 72
in 75 % Ausbeute. Die Polymerisation mit dem
diaminosubstituierten Silikon 441111 VP
gelang jedoch nicht.
46
8. Umsetzung von Aminozuckern mit epoxy- und
acrylfunktionalisierten
Silikonen
Amine sind in der Lage, mit Acrylgruppen eine
Michael-Addition einzugehen und Epoxide zu
öffnen. Eine Verknüpfung von Kohlenhydraten und Silikonen
kann daher theoretisch auf vier
Wegen erfolgen.
Kohlenhydrat Silikon
A Acrylgruppe
B Epoxid
Amin
C Acrylgruppe
D
Amin
Epoxid
Die Umsetzung von acrylderivatisierten Kohlenhydraten mit
Aminosilikonen (Weg A) wurde
bereits in einem Patent der Wacker-Chemie GmbH
beschrieben.[54] Eine dort von Abele und
Koini detailliert beschriebene Reaktion ist die Umsetzung
von Glucosyloxyethylacrylat (73)
mit einem Aminosilikon in Isopropanol.
O
OH
HO
HO
O
HO
O
O
H2N PDMS NH2
+
O
OH
HO
HO
O
HO
O
O
NH O
OH
HO
HO
O
HO
O
O
NH
PDMS
73
74
Abbildung 36: Michael-Addition eines Aminosilikons an
Glucosyloxyethylacrylat nach Abele und Koini[54]
Umsetzungen des Typs B sind in der Literatur bisher noch
nicht beschrieben worden. Sie
erfordern die Einführung einer Epoxygruppe in den
Kohlenhydratbaustein. Dies kann einfach
geschehen über die literaturbekannte Reaktion eines
peracetylierten Allylglucosids (75) mit
meta-Chlorperbenzoesäure (MCPBA).[83] Die Umsetzung von 76
mit IM 47 in siedendem
Isopropanol lieferte jedoch kein reines Produkt. Im
MALDI-TOF Spektrum wurden mehrere
übereinanderliegende Serien beobachtet, die neben dem
Produkt auch den teilweise
47
deacetylierten Produkten zugeordnet werden können. Auch im
Massenbereich unterhalb der
Produktserie sind weitere Serien sichtbar. Der Grund
hierfür ist vermutlich, daß IM 47 nicht
nur eine primäre Aminofunktion sondern auch eine sekundäre
Aminofunktion besitzt, so daß
insgesamt relativ basische Reaktionsbedingungen vorliegen
und Nebenreaktionen, auch mit
der sekundären Aminofunktion bzw. der neu gebildeten
sekundären Aminofunktion, nicht
vernachlässigt werden können. Eine genauere Untersuchung
per NMR ist bei den
Reaktionsprodukten von IM 47 aus den bereits dargelegten
Gründen nicht möglich.
AcO
O
AcO
AcO
AcO
O AcO
O
AcO
AcO
AcO
O O
MCPBA IM 47
81 %
Produktgemisch:
- Produkt,
- teilweise deacetyliert,
- weitere Nebenprodukte
75 76
Abbildung 37: Synthese eines epoxidierten Glucosids und
Umsetzung mit IM 47
Für Umsetzungen des Typs C (acrylderivatisiertes Silikon)
und D (epoxidiertes Silikon) muß
der Kohlenhydratbaustein aminofunktionalisiert werden. Als
Kohlenhydrate mit nur einer
Aminogruppe hervorzuheben sind vor allem D-Glucosamin als
natürlich vorkommendes
Kohlenhydrat und D-Glucamin, das in den 80er Jahren von
der Industrie als interessanter
Rohstoff für Detergenzien auf Zuckerbasis entdeckt worden
ist.[84] D-Glucamin ist über die
reduktive Aminierung von Glucose mit Ammoniak zugänglich.
Ein weiterer
monofunktionaler Baustein wurde durch Umsetzung von
Gluconsäure-d-lacton (41) mit
Ethylendiamin (EDA) in 51 % Ausbeute erhalten. Sowohl das
Produkt 77 als auch das bereits
nach sehr kurzer Zeit ausfallende Nebenprodukt 78 können
problemlos durch Filtration des
Ansatzes isoliert werden. Die Umsetzung von 77 mit IM 35
lieferte jedoch ein Produkt, das
im MALDI-TOF-Spektrum nicht identifiziert werden konnte.
Da die Hauptserie nur durch
eine Art von Addukt gebildet wird, ist davon auszugehen,
daß die Serie von den [M+H]+
Ionen gebildet wird, deren Intensität bei Aminen oft
intensiver ausfällt als die der Natriumoder
Kaliumaddukte. Erstaunlich ist besonders der niedrige
Start der Serie bei 466 m / z (zum
Vergleich: 77 + IM 35 + 74·n = 238 + 288 +74·n = 526 +
74·n).
48
HO
O
O
OH
OH
OH
EDA
NH
O OH
OH OH
HO
OH
NH2
NH
O OH
OH OH
HO
OH
O OH
OH OH
OH
OH
NH
+
51 %
41
77
78
Abbildung 38: Synthese des monofunktionalen Bausteins 77
und dabei auftretendes Nebenprodukt
In einem Patent der Wacker-Chemie GmbH beschreibt Dauth
die Umsetzung von D-Glucamin
mit acrylderivatisierten Silikonen.[55] Diese Reaktion
konnte unter Verwendung von IM 61
reproduziert werden. Wie in der Literatur beschrieben, kam
es auch hier zu einer starken
Braunfärbung des Produktes. Mit Glucosamin konnten jedoch
keine Umsetzungen beobachtet
werden. Ein nicht zu vernachlässigendes Problem stellt die
Bildung von Ringen dar, da das in
der Reaktion gebildete sekundäre Amin zwar sterisch
gehindert, aber in seiner Nukleophilie
stark erhöht ist.[16] Gerade in verdünnten Lösungen dürfte
sich dieser Effekt bemerkbar
machen. In konzentrierten Lösungen sollte die Umsetzung
eines Äquivalents Glucamin mit
zwei funktionellen Äquivalenten eines substituierten
Acryl- oder Epoxy-Silikons zu
Polymeren führen.
X PDMS X
OH
HO
HO
OH
OH
N PDMS
n
X =
O
O
O
O
OH
HO
HO
OH
OH
HN PDMS X
OH
HO
HO
OH
OH
NH2
79 80 81
Abbildung 39: Die Umsetzung von D-Glucamin mit IM 35 und
IM 61 führt zunächst zum Monoaddukt 80; je
nach Verfügbarkeit des Glucamins folgt weitere Addition
von Glucamin oder eine Polymerisation, die in
verdünnten Lösungen mit der Ringbildung konkurriert.
Eine selektive Hydrophilisierung der Silikone ohne
Nebenreaktionen ist daher nur mit
sekundären Aminen möglich, beispielsweise können Epoxide
mit dem industriell verfügbaren
N-Methyl-glucamin ohne Nebenreaktionen geöffnet
werden.[85]
49
Die Verwendung von Diaminen in der Synthese von Polymeren
führt also zwangsläufig zu
verzweigten Polymeren, bei ungünstiger Reaktionsführung
sogar zu vernetzten Produkten.
Trotzdem wurden zwei Diaminbausteine auf Kohlenhydratbasis
synthetisiert. Der
synthetische Aufwand konnte gering gehalten werden, da die
Vorstufen bereits vorhanden
waren. Eine Möglichkeit stellt die Umsetzung aktivierter
Glycarsäurederivate mit
Ethylendiamin (EDA) dar.
EDA
MeO
OMe
O
OH
OH
OH
OH
O
HN
NH
O
OH
OH
OH
OH
O
NH3Cl
ClH3N
89 %
Cl
Cl
O
OAc
OAc
OAc
OAc
O
EDA
HN
NH
O
OH
OH
OH
OH
O
NH2
H2N
29
45
82a
82b
Abbildung 40: Synthese des Diamins 82, ausgehend von
aktivierten Galactarsäurederivaten
Die Umsetzung des Galactarsäuredichlorids 29 mit einem
Überschuß an Ethylendiamin sollte
zu dem entschützten Diaminodiamid 82 führen. Das Produkt
konnte jedoch nicht isoliert
werden. Sehr einfach hingegen gelingt die Umsetzung des
Diesters 45 in DMSO. Das Produkt
kristallisiert während der Reaktion aus und kann durch
Filtration gewonnen werden. Diese
Umsetzung lieferte 82 in 89 % Ausbeute.
Ein anderer Syntheseweg führt zu 1,6-Diaminosorbitol (84).
Hierzu wurde das 1,6-Dibromid
71, dessen Synthese bereits in Kapitel 7.3.2 beschrieben
wurde, mit Natriumazid in einer
Substitutionsreaktion umgesetzt. Das Diazid 83 wurde mit
Natriummethanolat entschützt und
mit Wasserstoff katalytisch zum Diamin 84 reduziert. Eine
Umsetzung mit IM 35 oder IM 61
wurde nicht mehr vorgenommen, da sich diese beiden
Silikone zu diesem Zeitpunkt bereits
stark verändert hatten. Die MALDI-TOF-Analytik wies die
Substanzen zwar noch als
unzersetzt aus, eine geringe und im Spektrum noch nicht
sichtbare Veränderung der
Konzentration an funktionellen Gruppen steht einer
reproduzierbaren Polyaddition jedoch im
Weg.
50
Br
Br
OBz
OBz
OBz
OBz
N3
N3
OBz
OBz
OBz
OBz
NaN3
DMF
94 %
NaOMe
MeOH
85 %
N3
N3
OH
OH
OH
OH
H2, Pd / C
70 %
H2N
NH2
OH
OH
OH
OH
· 2 HCl
71 83
69 84
Abbildung 41: Synthese eines 1,6-Diaminosorbitols.
Insgesamt erscheint die Verknüpfung zwischen Aminen und
Epoxiden bzw. Acrylaten wenig
geeignet zur Darstellung linearer Block-Copolymere. Neben
den bereits erwähnten Beispielen
finden sich in der Literatur Beispiele, in denen diese
Reaktionstypen angewendet werden, um
Silikon-Epoxide mit einem Aminüberschuß zu Silikontensiden
umzusetzen.[86] Ein Patent
beschreibt die Modifizierung von Silikon-Oberflächen mit
Kohlenhydraten.[87] Ein weiteres
Patent beschreibt die enzymatische Glycosylierung
kohlenhydratmodifizierter Materialien.[88]
Eine interessante weiterführende Fragestellung ist an
diesem Punkt, ob sich mit epoxidierten
Silikonen vernetzte Polysaccharide wie
Hydroxyethylcellulose als quellbare
Absorbermaterialien eignen. Dies ist besonders interessant
unter dem Aspekt, daß die
herkömmlichen Super
direktem Hautkontakt Reizungen
verursachen.
51
9. Umsetzung von allylsubstituierten Kohlenhydraten mit
Hydrosilanen
Die 1947 von Sommer[89] entdeckte Hydrosilylierung ist
eine elegante und außerordentlich
vielfältig anwendbare Reaktion, um Silicium in organische
Verbindungen einzuführen.
Formal entspricht sie der anti-Markovnikov-Addition von
organischen und anorganischen
Hydrosilanen an C=C, C=O, C=N und andere Doppel- bzw.
Dreifachbindungssysteme. Große
Bedeutung hat die Hydrosilylierung in der Synthese von
Vernetzungsreagenzien, der
Reduktion von Carbonylverbindungen, der Vernetzung von
Polymeren, der Darstellung von
organischen Silikon-Copolymeren und in der Modifizierung,
insbesondere der Funktionalisierung,
von Polymeren erlangt.[90]Ausgehend von dem in der
Erstveröffentlichung
verwendeten Diacetylperoxid sind mittlerweile mehrere
verschiedene Katalysatorsysteme
entwickelt worden. Der am besten untersuchte und
gebräuchlichste dieser Katalysatoren ist
eine erstmals 1957 von Speier bei Dow Corning verwendete
Lösung von
Hexachloroplatinsäure H2PtCl6 · 6 H2O in Isopropanol.
Dieses auch als Speier-Katalysator
bezeichnete System eignet sich für die meisten Substrate,
eine besondere Effektivität besitzt
es bei Einsatz von Olefinen.[91]
Si H
Si N NH
N N
N O
C N
Si O NH Si N CH
C C
C O
C C
C N
Si O CH
Si C CH Si C CH
Si N CH
Abbildung 42: Die Hydrosilylierung bietet vielfältige
Möglichkeiten, Hydrosilane an Mehrfachbindungen zu
addieren[92]
Obwohl einige Hydrosilylierungen nach radikalischen
Mechanismen verlaufen, liegt in der
Mehrzahl der Fälle ein heterolytischer Prozeß vor. Ein
allgemeiner Mechanismus für die
52
homogenkatalysierte Hydrosilylierung von C=C
Doppelbindungen wurde bereits 1965 von
Chalk und Harrod vorgeschlagen.[93] In diesem einfachen
Modell wird zunächst ein Olefin an
die aktive Katalysatorspezies, die sich oft erst nach
einer unberechenbaren Induktionsperiode
bildet,[94] koordiniert (A). Im nächsten Schritt wird das
Hydrosilan in einer oxidativen
Addition an den .2-Komplex gebunden (B). In der
darauffolgenden cis-Insertion (C) wandert
das Hydrid an die Doppelbindung, wobei wieder ein
koordinativ ungesättigter Komplex
entsteht. Im letzten Schritt des Katalysezyklus wird das
hydrosilylierte Alken in einer
reduktiven Eliminierung unter Addition eines weiteren
Olefins abgespalten (D).
+ M R
M
RHC CH2
M
H
SiR'3
RHC CH2
M
SiR'3
R
R
R'3Si
R
HSiR'3
A
B
C
D
Abbildung 43: Chalk-Harrod-Mechanismus der
Hydrosilylierung mit homogenen
Übergangsmetallkomplexen[92]
In mancher Hinsicht weist dieser generelle Mechanismus
jedoch Erklärungslücken auf. Es ist
zum Beispiel nicht ersichtlich, warum oft gegen Ende oder
sogar während der Reaktion eine
Braunfärbung der Reaktionslösung auftritt, die von
metallischem Platin verursacht wird.[95,
96] Eine interessante Beobachtung ist in diesem
Zusammenhang, daß Cycloocta-1,5-dien
(COD) selber zwar nicht hydrosilyliert werden kann, jedoch
einen sehr starken Liganden
darstellt, so daß Umsetzungen in Gegenwart von COD nahezu
ausschließlich homogen
verlaufen.[96] Diese Erkenntnis konnte bereits erfolgreich
umgesetzt werden in der
53
Anwendung von COD als Co-Katalysator in dem System COD /
Di-µ-chloro-bis-[(cycloocta-
1c,5c-dien)iridium(I)].[97]
Auch wenn einige Autoren die Hydrosilylierung unter einer
Inertgasatmosphäre
durchführen,[98, 99] scheint Sauerstoff einen wichtigen
Einfluß als Co-Katalysator zu
haben.[95] Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich darin,
daß nur Katalysatorspezies der Art
Pt-C oder Pt-Si katalytisch aktiv sind; Dimere
Platinkomplexe Pt-Pt hingegen, die vor allem
dann auftreten, wenn das verwendete Alken nur schwach
koordiniert, weisen keine Aktivität
auf und sind vermutlich sogar für die als Nebenreaktion
auftretende Isomerisierung von
Alkenen verantwortlich. Es wird daher vermutet, daß
Sauerstoff die Platin-Platin-Bindung
aufspaltet und so wieder neue aktive mononukleare Spezies
erzeugt werden.[96]
Die Synthese von Kohlenhydrat-Silikonen via
Hydrosilylierung wurde bereits vielfach in der
Literatur beschrieben. Eine grobe Übersicht liefert die
nachfolgende Tabelle, in der die
Eintragungen sowohl chronologisch als auch nach
Arbeitsgruppen gegliedert sind.
Thematisch lassen sich diese Literaturstellen in drei
Blöcke gliedern. In Eintrag 3 wird das
Silan lediglich als Reagens in einer
Hydrosilylierungs-Desilylierungssequenz verwendet. In
den Arbeiten 1, 2 und 11 werden Alkoxysilyl-Kohlenhydrate
synthetisiert, die in einem
späteren Kondensationschritt zu kohlenhydratmodifizierten
Silikonen führen. Alle übrigen
Arbeiten stellen direkte Modifizierungen von Silikonen
vor.
Eine konkrete Verwendung fanden die in den Eintragungen 4
und 5 vorgestellten
Cyclodextrin-Silikone, die unter dem Namen Chirasil-Dex
als chirale stationäre Phase in der
enantioselektiven Gaschromatographie eingesetzt werden.
Eintragung 10 gibt an, daß die dort vorgestellten
Kohlenhydrat-Silikonkautschuke eine gute
Wasserbenetzbarkeit und verbesserte Gewebeverträglichkeit
aufweisen gegenüber den
herkömmlichen Silikat-verfüllten Silikonen.
Im Patent 12 wird der Einsatz kohlenhydratmodifizierter
Silikone im Pflanzenschutz und in
der Darstellung grenzflächenaktiver Mittel angedacht.
In der letzten Eintragung, 14, wird die Synthese von
amphiphilen Kopf-Schwanz-
Verbindungen vorgestellt, die eine verstärkte
Wirkstoffaufnahme über die Haut bewirken
(transdermal penetration enhancer).
54
Eintrag Jahr Si-H Kohlenhydrat-C=C
1 1971[100] (EtO)3SiH 6-O-Allyl- und Vinylether der
Galactose
2 1972[101] (EtO)2MeSiH C-C-verknüpfte exocyclische
Doppelbindungen
an Monosacchariden
3 1988[102] Me2PhSiH
6-Deoxy-1,2:3,4-di-O-isopropyliden-ß-Larabino-
hex-5-enopyranose
4 1990[99] PDMS-co-HMS Pentenyl-cyclodextrin
5 1997[103] PDMS-co-HMS Octenyl-cyclodextrin
6 1991[98] PDMS-co-HMS Allylether mit Glucose, Galactose,
Glycerin
7 1994[104] PDMS-co-HMS Allylglycoside von Mono-, Di- und
Oligosacchariden
8 1998[105] PDMS-co-HMS Allyl-gluconsäureamid
9 2001[106] PDMS-co-HMS Allylglycoside von Mono-, Di- und
Oligosacchariden
10 1992[107] PDMS-co-HMS Multivalente Allylether mit
Saccharose,
Allylglucosid und 3-O-Allyl-glucose
11 2000[108] (Isopropyloxy)2MeSiH Verschiedene
mono-Allylether von Kohlenhydraten
und Allyl-gluconsäureamid
12 1994[109] PDMS-co-HMS Allyl-Kohlenhydrate
13 1994[13] PDMS-co-HMS Allyl-Kohlenhydrate
14 2000[110] Me3Si-(SiMe2O)n-
SiMe2H
Allylglucosid
In keiner dieser Literaturstellen, abgesehen von evtl.
Patentansprüchen, wurde die Darstellung
a,.-substituierter Silikone vorgestellt. Die
Hydrosilylierung von bifunktionalen
Kohlenhydraten mit bifunktionalen Silikonen, die zu
linearen bzw. cyclischen Polymeren
führt, stellt einen neuen Ansatz dar.
9.1 Synthese von Kohlenhydraten mit einer Doppelbindung
Da die meisten Kohlenhydrate zyklisch vorliegen, können
Kohlenhydrate mit einer
Doppelbindung grob in zwei Klassen eingeteilt werden. Zum
einen kann die C-C Doppel
55
bindung im Ring vorliegen, zum anderen kann sie auch
exozyklisch sein. Neben der
Ausnahme einer Doppelbindung zwischen C5 und C6, deren
Hydrosilylierung mit
Dimethylphenylsilan bereits in der Literatur beschrieben
worden ist,[102] sind die
Alkenylgruppen meist über ein Sauerstoffatom mit dem
Kohlenhydrat verbunden. Die
einfachste Form einer solchen Verknüpfung ist die Bildung
eines Glycosids. Sie kann direkt
und in hohen Ausbeuten durch Umsetzung eines
Alkenylalkohols in einer säurekatalysierten
Fischer-Glycosylierung erfolgen. Der Nachteil dieser
Reaktion ist, daß meistens beide
Anomere gebildet werden. Dies steht einer einfachen
NMR-Charakterisierung im Weg,
erniedrigt die Symmetrie des Produktes und kann unter
Umständen sogar störend sein,
beispielsweise wenn eine weitere Umsetzung mit
Substrat-selektiven Enzymen gewünscht
wird. Auch präparativ ist dieser direkte Weg von Nachteil:
Das als Anomerengemisch
vorliegende 85 kristallisiert in der Regel nur schlecht
und kann zudem aufgrund seiner
Wasserlöslichkeit nicht salzfrei gewaschen werden. Eine
chromatographische Aufarbeitung
erscheint daher unumgänglich, wenn 85 in hoher Reinheit
gewünscht wird.
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OAc
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OAll BF3·Et2O
47 %
AllOH
O
OH
HO
HO
HO
OH
BF3·Et2O
83 %
AllOH O
OH
HO
HO
HO
O
Ac2O, NaOAc
77 %
a : ß = 70 : 30
10 85
86 87
Abbildung 44: Synthese der Allylglucoside 85 und 87
Der attraktivere Weg führt über das ß-Peracetat 86, das in
77 % Ausbeute aus Glucose
erhältlich ist und durch Umkristallisation gereinigt
werden kann. Im zweiten Schritt kann z.B.
die Einführung einer Allylgruppe nach Helferich
erfolgen.[111] Dabei wird zunächst Lewissäure-
katalysiert die Acetylgruppe am anomeren Zentrum unter
Bildung eines
Acetoxoniumions abgespalten, das durch den Angriff des
Nukleophils Allylalkohol stereoselektiv
geöffnet wird. Diese Umsetzung gelang in 47 % Ausbeute,
das Produkt konnte über
Kristallisation rein gewonnen werden. Eine Entschützung
von 87 wurde nicht vorgenommen,
56
da sich geschützte Kohlenhydrate besser hydrosilylieren
lassen. Der Grund hierfür ist der
große Polaritätsunterschied zwischen Silikonen und
ungeschützten Zuckern.
Neben der Bildung einer glycosidischen Bindung kann die
Verknüpfung mit einer
Allylgruppe auch mit einer der anderen vier Hydroxygruppen
über eine Etherbindung
erfolgen. Dies geschieht typischerweise in einer
Williamson-Ethersynthese[112] unter
Verwendung von Allylbromid und dem entsprechenden
Zuckeralkoholat. Damit diese
Reaktion selektiv nur an einer der fünf Hydroxygruppen der
Glucose abläuft, ist eine
Schützung der unbeteiligten Gruppen unumgänglich. Ein
geeignetes Startmaterial zur
Einführung eines Allylethers an Position 3 ist
1,2:5,6-Di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose
(88), die im Labor leicht über die säurekatalysierte
Umsetzung von Glucose mit Aceton
darstellbar aber auch kommerziell günstig zu erhalten
ist.[113] Die Umsetzung mit
Allylbromid erfolgte quantitativ unter Verwendung von
Natriumhydrid als Base zur
Erzeugung des Alkoholats und bedurfte keiner weiteren
Aufarbeitung außer einer wäßrigen
Extraktion zur Entfernung der Salze.
O
OH
HO
HO
HO
OH
O
OH
O
O
O
O
Aceton
H2SO4
O
O
O
O
O
O
AllBr
NaH
100 %
O
OH
O
HO
HO
OH
H2O
Amberlite IR 120 (H+)
97 %
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc NaOAc
Ac2O
46 %
a : ß = 55 : 45
10
88 89
90
91
Abbildung 45: Synthese eines 3-O-Allylethers von Glucose
Die auf diese Weise erhaltene destillierbare Verbindung 89
erfüllt bereits die oben genannten
Voraussetzungen und kann in einer Hydrosilylierung
umgesetzt werden.[98, 108] Es war
jedoch wünschenswert, auch das peracetylierte ß-Pyranosid
91 zu erhalten, da dieses unter
Helferich-Bedingungen in das für Polymerisationen
geeignete 1,3-Diallyl-ß-glucosid 118
umgesetzt werden kann (siehe Abschnitt 9.3). Mit dem
Allylglucosid 91 und dem Allylether
89 stehen somit die beiden analogen Monoallyl-Verbindungen
zur Verfügung.
57
Die Synthese von 91, ausgehend von 89, erfolgte in zwei
Schritten. Im ersten Schritt wurden
die Isopropylidengruppen abgespalten, wobei sich die
Pyranoseform zurückbildet. Dies
erfolgte analog der Vorschrift von Takeo et al. durch
Versetzen der heißen wäßrigen
Suspension von 89 mit einem sauren Ionenaustauscher.[114]
Die in der Literatur angegebene
Ausbeute von 87 % konnte sogar verbessert werden, so daß
die Reaktion nahezu quantitativ
verlief. Die Isolierung der Verbindung wurde durch
Kristallisation erzielt. Anschließend
wurde 90 mit Essigsäureanhydrid / Natriumacetat in die
peracetylierte ß-Pyranose 91
übergeführt. Die Isolierung gelang durch spontane
Kristallisation bei der raschen
Vermengung von Diethylether und dem leicht sirupösen
Rohprodukt in 46 % Ausbeute.
Das typische Beispiel für Kohlenhydrate mit einer
C-C-Doppelbindung im Ring ist das 1913
von Emil Fischer entdeckte Glucal 92. Es kann in einem
zweistufigen batch-Prozeß in bis zu
90 % Ausbeute aus Glucose gewonnen werden.[115, 116]
Hierzu wird zunächst Glucose mit
Essigsäureanhydrid und Bromwasserstoff in Eisessig (48 %)
in das peracetylierte
Glycosylbromid 54 übergeführt.[117] Im darauffolgenden
Schritt werden in einer reduktiven
Eliminierung mit Zink Bromid und Acetat abgespalten.
Hierzu wird die Reaktionslösung aus
dem ersten Schritt ohne Aufarbeitung zu einer Suspension
von Zink in Essigsäure (50 %) und
Aceton gegeben. Nach der wäßrigen Aufarbeitung zur
Entfernung der Salze wird das
Rohprodukt aus Diethylether durch Zugabe von Petrolether
ausgefällt.
O
OAc
AcO
OAc
O
AcO
OAc
OMe
MeOH
BF3·Et2O
80 %
O
OH
HO
HO
HO
OH
1. Ac2O, HBr
2. Zn
90 %
10 92 93
Abbildung 46: Synthese von peracetyliertem Glucal (92) und
Umsetzung zum pseudo-Glucal 93 in einer
Ferrier-Reaktion
Die im Glucal 92 vorliegende Doppelbindung besitzt einen
Alkyloxysubstituenten und stellt
damit strukturell einen elektronenreichen Vinylether dar.
Durch die Bortrifluorid-Etheratkatalysierte
Umsetzung des Glucals 92 mit einem Nukleophil in einer
Ferrier-Reaktion kann
die Doppelbindung um eine Position verschoben werden. Die
dadurch erhältliche Verbindung
wird als pseudo-Glucal bezeichnet und besitzt eine
elektronenärmere C-C-Doppelbindung in
58
Allylstellung. Bei der durchgeführten Reaktion mit
Methanol als Nukleophil konnte das
pseudo-Glucal 93 in 80 % Ausbeute erhalten werden. Die
Isolierung geschah über
Säulenchromatographie. Als große anfängliche Schwierigkeit
stellte sich die
Reaktionsverfolgung heraus. Während die meisten Reaktionen
mit acetylierten
Kohlenhydraten leicht dünnschichtchromatographisch unter
Verwendung eines Laufmittelgemisches
aus Petrolether und Ethylacetat oder Toluol und
Dichlormethan verfolgt werden
können, besitzen bei dieser Reaktion sowohl das Edukt als
auch das Produkt einen nahezu
identischen Rf-Wert. Ein geringfügig unterschiedlicher
Rf-Wert konnte erst unter
Verwendung von Petrolether / Aceton 5 : 1 erhalten werden.
Eine weitere einfache Möglichkeit zur Einführung von
Doppelbindungen ist die Ringöffnung
von Kohlenhydratlactonen durch Alkenylamine. Hierdurch
werden offenkettige Gluconsäureamide
erhalten.[118] Exemplarisch wurde Gluconsäure-d-lacton
(41) mit Allylamin in Ethanol
umgesetzt. Das resultierende Allylamid 94 fiel aus der
Lösung aus und konnte durch
Filtration rein in einer Ausbeute von 85 % gewonnen
werden.
HO
O
O
OH
OH
OH
OH
HO
OH
O NH
OH
OH
OTMS
TMSO
OTMS
O NH
OTMS
OTMS
AllNH2
HMDS
TMSCl
85 % 70 %
41
94 95
Abbildung 47: Synthese des Gluconsäureamids 94 und
Schützung der Hydroxygruppen (95)
Für die Umsetzung des Amids 94 mit dem Silikon VP 1085
erschien es sinnvoll, die Polarität
des Kohlenhydrats zu erniedrigen, um so eine homogene
Reaktion zu ermöglichen. Hierfür
wurden die Hydroxygruppen als Trimethylsilylether
geschützt.[108] Dies kann unter basischen
Bedingungen durch Trimethylsilylchlorid in Pyridin
erfolgen. Pyridin erschwert jedoch die
Aufarbeitung, da es als Phasenvermittler zwischen der
wäßrigen und der organischen Phase
wirkt. Außerdem muß sichergestellt sein, daß das Produkt
keine Spuren von Pyridin mehr
enthält, da sonst eine Vergiftung des für die
Hydrosilylierung eingesetzten Speier-
Katalysators zu befürchten ist. Eine Lösung dieses
Problems versprach die Umsetzung mit
Hexamethylendisilazan (HMDS), die durch Säure katalysiert
wird. Hierzu wurde 94 in
59
Dichlormethan suspendiert und mit HMDS versetzt. Als
Katalysator wurde zunächst
Ammoniumchlorid verwendet. Nach einer anfänglichen
Umsetzung kam die Reaktion jedoch
zum Stillstand. Eine komplette Umsetzung wurde durch
Zusatz von Trimethylsilylchlorid
erzielt, das in situ den Katalysator HCl bildet. Nach
Extraktion mit Wasser und Trocknung im
Ölpumpenvakuum lag das persilylierte Allylamid 95 in 70 %
Ausbeute vor.
Ein neuer Katalysator für die Reaktion von Alkoholen mit
HMDS ist Iod.[119] Dieses
Verfahren wurde an verschiedenen Kohlenhydraten getestet,
es konnte jedoch in keinem Fall
die Bildung des Produktes beobachtet werden.
Eine andere Methode zur Einführung von Allylgruppen ist
die Umsetzung von 4-Allyloxybenzaldehyd
(97) mit Methyl-a-D-glucopyranosid (98) unter Ausbildung
eines Benzylidenacetals.
Diese Verknüpfung ist besonders reizvoll, da sie nahezu
ohne Schutzgruppenchemie
auskommt und problemlos auf andere Glycoside ausgedehnt
werden kann, da die
Verknüpfung selektiv an Position 4 und 6 stattfindet.
1,4-verknüpfte Oligosaccharide, die zum
Beispiel als Spaltprodukt der Stärke erhältlich sind,
können so nach Glycosylierung selektiv
umgesetzt werden. Unter Verwendung von Allylglycosiden
oder a,a-Trehalose, das 1,1-
verbrückte Disaccharid der Glucose, sind auch leicht
Diallyl-Verbindungen zugänglich, die
sich für eine Polymerisation eignen. Der Nachteil dieser
Verknüpfungsart ist jedoch die
Säurelabilität der acetalischen Bindung, die durch die
Alkyloxy-Gruppe in para-Stellung zum
benzylischen C-Atom noch verstärkt wird.
Die Synthese des 4-O-Allylbenzaldehyds (97) wurde nach der
Vorschrift von Eicher et al.
durchgeführt und konnte in einer Ausbeute von 75 %
isoliert werden.[120] In einer unter
Standardbedingungen durchgeführten Benzylidenierung unter
Verwendung von Trimethylorthoformiat
als Wasserfänger wurde 99 in 21 % Ausbeute erhalten.[121]
Allerdings lag das
Produkt nicht rein vor sondern war durch geringe Reste an
unumgesetztem Aldehyd
verunreinigt. Bei einer zukünftigen Wiederholung der
Reaktion sollte das Reaktionsprodukt in
einer Abwandlung von der Literaturvorschrift zusätzlich
mit Natriumhydrogensulfit-Lösung
behandelt werden, um den Aldehyd als Bisulfitaddukt
vollständig zu entfernen.
60
HO
O
H
AllO
O
H
O
O O
OH
HO
OCH3
AllO
Allylbromid
HO
HO O
OH
HO
OCH3
OAll
O H
H+
+
75 %
21 %
K2CO3
96 97
97
98 99
Abbildung 48: Synthese eines
4,6-(4-Allyloxybenzyliden)-glucosids
9.2 Hydrosilylierung monofunktionaler Kohlenhydrate mit VP
1085
Die Hydrosilylierung der dargestellten Kohlenhydrate
erfolgte unter Verwendung des Speier-
Katalysators, Hexachloroplatinsäure. Dieser lag in einer
sehr hohen Konzentration vor
(0.073 mmol / g in 1,2-Propandiol = 3 % Platin) und mußte
daher für den Einsatz in kleinen
Ansätzen verdünnt werden, da das Gemisch in der
vorliegenden Form sehr viskos ist und sich
daher nicht in den erforderlichen µl-Mengen exakt
pipettieren läßt. Die in der Literatur
teilweise verwendete Angabe in „Tropfen“ wurde als zu
ungenau betrachtet. Zudem führt eine
zu große Katalysatormenge zu einer unschönen Verfärbung,
die je nach Konzentration
zwischen gelb und braun liegen kann und vermutlich von
kolloidalem Platin(0) stammt.[95]
Zunächst wurde versucht, den Speier-Katalysator mit Toluol
oder THF zu verdünnen. In der
erhaltenen Lösung verblieben jedoch einige Tropfen, so daß
die Lösung nach guter
Durchmischung als Suspension eingesetzt werden mußte. Als
optimal erwies sich schließlich
die Verdünnung mit Isopropanol. Nahezu alle Reaktionen
wurden daher mit einer
Katalysatorlösung durchgeführt, bei der das System
Hexachloroplatinsäure / 1,2-Propandiol in
Isopropanol auf 0.04 mmol / ml verdünnt vorlag. Bei
größeren Ansätzen sollte jedoch auf eine
Verdünnung mit Isopropanol verzichtet werden, da
Hydroxygruppen mit Silanen eine
Nebenreaktion eingehen können. Diese tritt vor allem dann
ein, wenn das Silan vor Zugabe
der „En-Komponente“ mit dem Katalysator vermischt wird.
Dabei reagiert das Hydrid des
Silans mit einem Proton, das von Wasser oder einem Alkohol
stammt, unter Bildung von
Wasserstoff. Dieser wird von dem Platinkatalysator
gebunden und aktiviert und kann nun in
61
einer Folgereaktion das Alken zum Alkan reduzieren. In der
Regel erfolgt die Hydrosilylierung
jedoch deutlich schneller als die Hydrolyse, so daß diese
Nebenreaktion bei
optimalen Reaktionsbedingungen vernachlässigt werden
kann.[95] Nichtsdestotrotz zeigt
dieses Beispiel, wie wichtig daß Auffinden optimaler
Reaktionsbedingungen für die
Durchführung einer Hydrosilylierung ist.
ROH + HSiR3
[Pt] H2 + ROSiR3
H2 + [Pt]
HSiR3 + [Pt] SiR3
k2
k3
k1
(1)
(2.a)
(2.b)
Abbildung 49: Hydrosilylierung (1) und dazu in Konkurrenz
stehende Hydrolyse (2); meistens ist k1 > k2
Bei den mit den Monoallylsacchariden durchgeführten
Hydrosilylierungen wurde Toluol oder
Tetrahydrofuran als Lösungsmittel verwendet. Beide
Lösungsmittel erwiesen sich als gut
geeignet. Es wird jedoch bei der Verwendung von THF vor
der Bildung von Poly-THF
gewarnt,[95] einer Nebenreaktion, die bei den hier
vorgestellten Reaktionen nicht beobachtet
werden konnte.
Typischerweise wurde das Monoallylsaccharid in wenig THF
oder Toluol aufgenommen, in
einem Kolben mit aufgesetztem Trockenrohr, das
gleichzeitig als Luftkühler fungierte, auf
90 °C erwärmt und mit einigen Mikrolitern (10-4 - 10-5
mol-Äquivalente) einer verdünnten
Lösung von Hexachloroplatinsäure in Isopropanol (0.04 mmol
/ ml) versetzt. Dabei konnte oft
bereits das Einsetzen der Reaktion an einem starken
Aufschäumen der Lösung beobachtet
werden. Die Reaktionen wurden IR-spektroskopisch (.SiH =
2114 - 2128 cm-1) verfolgt.
Gegebenenfalls wurde nach einiger Zeit weiterer
Katalysator zugegeben. Die Reaktionen
verliefen jedoch sehr rasch und waren spätestens nach 3
Stunden beendet. Der nur in geringen
Mengen vorhandene Katalysator wurde nicht aus dem Produkt
entfernt. Wird dies gewünscht,
so kann dies durch längeres Stehenlassen über
Ethylendiamintetraacetat-Natriumsalz
(EDTA·2 Na) vorgenommen werden.[122]
62
Als Einschränkung muß angemerkt werden, daß sich weder das
peracetylierte Glucal 92 noch
das pseudo-Glucal 93 hydrosilylieren ließen. Dieses
Ergebnis deckt sich mit den Erfahrungen
anderer Arbeitsgruppen[108, 123] und läßt sich damit
erklären, daß interne Doppelbindungen
deutlich schwerer zu hydrosilylieren sind als externe.
Die übrigen Verbindungen 87, 89, 91, 95 und 99, deren
Synthese im Abschnitt 9.1
beschrieben worden ist, ließen sich jedoch problemlos mit
dem Speier-Katalysator
hydrosilylieren. Dies ist besonders hervorzuheben, da in
der Literatur Gegenteiliges gefunden
werden kann. Die Umsetzung von Diisopropoxymethylsilan mit
87 und 89 konnte von Gruber
et al. nicht oder nur in geringen Ausbeuten durchgeführt
werden.[108] Auch Jonas und Stadler
raten von der Verwendung des Speier-Katalysators ab und
verwendeten statt dessen den
neutralen Komplex Dicyclopentadienylplatin(II)-Chlorid zur
Umsetzung der genannten
Verbindungen mit statistischem
Poly(dimethylsiloxan-co-methylsiloxan).[98, 104] Die
These,
daß Allylamide der Gluconsäure nicht mit den gängigen
Katalysatoren umgesetzt werden
könnten,[105] wurde sowohl in dieser Arbeit
(Speier-Katalysator) als auch von Gruber et al.
(Karstedt’s Katalysator) widerlegt.
Diese Ergebnisse zeigen deutlich, wie sensibel die
Hydrosilylierunsreaktion auf eine
Veränderung der Parameter zu reagieren scheint. Auch
gerade die Wahl des Katalysators
beeinflußt essentiell das Reaktionsergebnis.[108] Geradezu
alchemistisch wird es, wenn in der
Literatur berichtet wird, daß eine bestimmte
Hydrosilylierung nur dann reproduzierbare
Ergebnisse liefert, wenn die Umsetzung in einem
verschlossenen Rohr statt in einem
Rundkolben durchgeführt wird.[90] Die in einem Patent
beschriebene Umsetzung von
Chlordimethylsilan konnte in hervorragenden Ausbeuten
reproduziert werden;[97] unter den
gleichen Bedingungen war es jedoch nicht möglich,
Trichlorsilan umzusetzen.
Mit Ausnahme von 108 lagen alle dargestellten
a,.-substituierten Silikone in einer
geschützten Form vor. Die Abspaltung der Acetylgruppen in
100 und 102 gelang unter
Standardbedingungen mit Natriummethanolat in Methanol. Die
ungeschützten
Kohlenhydratfunktionen in den so erhaltenen Produkten 101
und 103 bewirkten, daß die
Produkte in Methanol in Lösung gingen, wodurch die
Reaktionslösungen sehr einfach
aufgearbeitet werden konnten. Üblicherweise wird Methanol
in der Silikonchemie als
Fällungsmittel verwendet.[124]
63
O
OH
HO
HO
HO
O
O
OAc
AcO
AcO
AcO
O
O
O
O
O
O
O
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc
NaOMe O
OH
O
HO
HO
OH
102
X
104
NHAll
O OTMS
OTMS OTMS
TMSO
OTMS
Methanol
106
O
OAc
AcO
OAc
O
AcO
OAc
OMe
O
O O
OH
HO
OCH3
AllO
keine Umsetzungen
VP 1085
VP 1085
VP 1085
VP 1085
VP 1085
VP 1085
Methanol
AcBr O
OH
O
HO
HO
OMe
87
100
101
91
89
95
99
92 93
sowie
107
105
103
O
O O
OH
HO
OCH3
O
NH
O
OH OH
HO
OH OH
108
.
Methanol
Methanol
NaOMe
(CH2)3 Si
Me
Me
O Si
Me
Me
(CH2)3
n n
+ X H Si
Me
Me
O Si
Me
Me
H X X
=
X =
X =
X =
X =
Abbildung 50: Umsetzungen der dargestellten
Monoallylsaccharide mit VP 1085 und deren Entschützung
Die Abspaltung der Isopropyliden-Schutzgruppen in 104
gelang säurekatalysiert in Methanol
durch Zugabe von Acetylbromid unter Ausbildung des
Methylglucosids 105, das per MALDI
64
TOF charakterisiert worden ist. Bei der Entfernung des
Lösungsmittels kommt es jedoch zu
einer Schwarzfärbung, die vermutlich durch Spuren von
Säure verursacht wird. Durch
Behandlung der Reaktionslösung mit basischem
Ionenaustauscher konnte diese Verfärbung
zwar nicht verhindert werden, sie setzte jedoch erst nach
der Entfernung des Lösungsmittels
ein. Das 1H-NMR läßt sich nicht detailliert
interpretieren, da die Substanz als ein
Anomerengemisch vorliegt, so daß neben den deutlichen
Signalen des Silikons, des Spacers
und der Methylgruppen an C1 nur ein Multiplett im
Kohlenhydratbereich beobachtet wird.
Eine Entschützung in Wasser, die zur Glucopyranose führt,
kann auch vorgenommen werden.
Allerdings ist das Produkt in Wasser unlöslich und fällt
als Gel aus. Die Entfernung der sehr
hydrolyseempfindlichen Trimethylsilyl-ether in 106 gelang
bereits durch 45-minütiges
Erhitzen in reinem Methanol.[125]
Als allgemeiner Trend kann festgestellt werden, daß die
ungeschützten Kohlenhydrat-Silikone
deutlich viskoser bzw. gummiartiger sind als ihre
geschützten Derivate. Dieser Trend, der
auch von Jonas beobachtet worden ist, wird wahrscheinlich
durch Wasserstoffbrückenbindungen
hervorgerufen.[98]
9.3 Synthese von Kohlenhydraten mit zwei Doppelbindungen
Kohlenhydrate, die sich in einer Hydrosilylierung
unverzweigt polymerisieren lassen, sollten
zwei terminale C-C-Doppelbindungen aufweisen. Dieses Ziel
kann in der Regel nur erreicht
werden, wenn der Zuckerbaustein vor der Einführung der
Doppelbindungen selektiv geschützt
worden ist. Das Augenmerk fiel daher zunächst auf die
Kohlenhydrate, die bereits eine
bifunktionale Struktur aufweisen und damit eine einfache
Schutzgruppenstrategie
ermöglichen oder sogar selektiv an diesen Stellen
aktiviert werden können.
Ein hervorragend geeigneter Baustein, der bereits in
Kapitel 7.3.1 vorgestellt worden ist, ist
das Dianhydrosorbitol (DAS, 62). DAS besitzt nur noch zwei
freie Hydroxygruppen und ist
unter basischen Bedingungen stabil, so daß eine direkte
Umsetzung in einer Williamson-
Ethersynthese[112] mit Allylbromid vorgenommen werden
kann.
65
O
O
O H
H O NaH
AllBr
92 %
62 109
O
O
OH H
H HO
Abbildung 51: Synthese eines diallylierten Kohlenhydrats
ohne Verwendung von Schutzgruppen
Die Umsetzung erfolgte unter Verwendung von Natriumhydrid
als Base. Nach beendeter
Reaktion wurde der Diallylether 109 im Vakuum destilliert
und konnte in einer Ausbeute von
92 % erhalten werden. 109 liegt bei Raumtemperatur als
farblose Flüssigkeit vor.
Ein anderes interessantes Startmaterial stellen die
Glycarsäuren dar, die bereits in Kapitel 6
vorgestellt worden sind. In einem analogen Verfahren
wurden zunächst die Carbonsäurefunktionen
durch säurekatalysierte Umwandlung in ihre Ester bzw.
Lacton/Ester aktiviert.
Durch Zugabe von Allylamin wurden die Ester bzw. Lactone
in die Allyamide übergeführt.
Auch bei dieser Umsetzung konnte die generelle
Schwerlöslichkeit der Schleimsäurederivate
wieder beobachtet werden: Während das Galactarsäurediamid
110 nahezu quantitativ durch
Filtration der Reaktionslösung gewonnen werden konnte, lag
die Ausbeute des Glucarsäurediamids
112 nur bei 64 %. Die anschließende Schützung der
verbliebenen vier Hydroxygruppen
gelang in beiden Fällen in nahezu quantitativer Ausbeute
unter Verwendung des
Systems HMDS / TMSCl in Dichlormethan.
66
OH
HO
OH
O NH
NH O
HO
OTMS
TMSO
OTMS
O NH
NH O
TMSO
AllNH2
HMDS
TMSCl
95 % 94 %
OH
HO
OH
O OCH3
OCH3 O
HO
OH
HO
OH
O NH
NH
OH
O
OTMS
TMSO
OTMS
O NH
NH
OTMS
O
HMDS
TMSCl
64 % 97 %
OH
HO
OH
O OH
OK O
OH
1. MeOH / H+
2. AllNH2
45 110 111
36 112 113
Abbildung 52: Synthese von diallyl-substituierten
Glycarsäuren
Ebenfalls leicht gestaltete sich die Verwendung von
1,3-Dichlor-propan-2-ol (115). Dies läßt
sich strukturell auf Glycerin zurückführen und fällt
industriell als Zwischenprodukt in der
Epichlorhydrinsynthese an.[66]
O O
OH
Cl Cl
OH
AllOH
NaOH
48 - 61 %
114 115
Abbildung 53: Synthese von 1,3-Di-O-allyl-glycerin (115)
Die Bildung des Diallylethers 115 gelang auch hier wieder
in einer Williamson-Ethersynthese
analog der Vorschrift von Roach und Wittcoff.[126] Durch
Zugabe konzentrierter Natronlauge
zu Allylalkohol wurde dieser in sein Alkoholat
übergeführt. In einer stark exothermen
Reaktion wurde nun das Dichlorid 114 langsam zugegeben.
Nach Neutralisation und
67
Extraktion des Rohproduktes wurde 1,3-Di-O-allyl-glycerin
destillativ in einer Ausbeute von
48 % (Literatur: 61 %) gewonnen und lag als farblose
Flüssigkeit vor.
Eine interessante Modifizierung des Diallylethers 115
stellt die Glycosylierung der
sekundären Hydroxygruppe dar. Dies wurde durch Umsetzung
von 115 mit ß-Glucosepentaacetat
(86) in einer Nachbargruppen-unterstützten Glycosylierung
nach Helferich realisiert.
Das Produkt konnte durch Lösen des Rohproduktes in
Diethylether und vorsichtiger Zugabe
von Petrolether auskristallisiert werden und lag damit in
mäßiger Ausbeute von 33 % rein vor.
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OAc
O
OAc
AcO
AcO
AcO
O
O
O
BF3·Et2O
33 %
AllO OAll
OH
86
116
115
Abbildung 54: Nachbargruppen-unterstützte Glycosylierung
von 1,3-Di-O-allyl-glycerin
Ein anderer Ansatz ist die schutzgruppenunterstützte
selektive Einführung eines Allylethers in
ein Monosaccharid, das nach Entschützung mit Allylalkohol
in einer Glycosylierungsreaktion
umgesetzt wird. Die selektive Darstellung der
3-O-Allyl-glucose (90) wurde bereits in
Abschnitt 9.1 beschrieben. Die Umwandlung von 90 in das
Allylglucosid 117 kann direkt in
sehr guten Ausbeuten über eine Fischer-Glycosylierung
erfolgen. Der Nachteil dieser
Reaktion ist, daß ein Anomerengemisch entsteht, was die
Charakterisierung der Umsetzungsprodukte
erschwert. Zudem scheint es vorteilhaft zu sein, die
freien Hydroxygruppen in 117
vor der Umsetzung in einer Hydrosilylierung zu schützen.
Der bevorzugte Weg ist daher die
selektiv das ß-Produkt bildende Peracetylierung von 90 mit
Natriumacetat in
Essigsäureanhydrid unter hohen Temperaturen. Das dabei
gebildete Produkt kann in einer
Helferich-Glycosylierung mit Allylalkohol selektiv zum
ß-Glycosid 118 umgesetzt werden.
Die dabei erreichbaren Ausbeuten hängen von der Art der
Aufarbeitung ab. Während die
säulenchromatographische Aufarbeitung des Ansatzes das
Produkt 118 in einer sehr
befriedigenden Ausbeute von 74 % lieferte, wurde bei der
Isolierung des Produktes durch
68
Kristallisation nur eine Ausbeute von 64 % erzielt. Durch
Deacetylierung von 118 unter
Zemplén-Bedingungen[67, 68] konnte das reine ß-Anomer von
117 quantitativ gewonnen
werden.
O
OH
O
HO
HO
OH
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc
BF3·Et2O
AllOH
88 %
O
OH
O
HO
HO
O
O
OAc
O
AcO
AcO
O BF3·Et2O
AllOH
74 %
(reines ß-Produkt)
NaOMe / MeOH NaOAc, Ac2O
46 %
98 %
90
91
117
118
Abbildung 55: Synthese von
1,3-Di-O-allyl-glucose-Derivaten
Neben der Mischung aus glycosidischer und Ether-Bindung
kann die Einführung der Allylgruppen
auch ausschließlich über Etherbindungen erfolgen.
Monosaccharide mit zwei freien
Hydroxygruppen, die unter basischen Bedingungen in ihre
Allylether übergeführt werden
können, sind z. B. 4,6-Di-O-benzyliden-glucoside, bei
denen die Positionen 2 und 3
ungeschützt vorliegen. Sie können über die
säurekatalysierte Umsetzung von
Benzaldehyddimethylacetal (BDMA) mit Glucosiden gewonnen
werden. Im Fall des Methyl-
4,6-di-O-benzyliden-glucosids (119) gelang dies in einer
Ausbeute von 84 %. Die Reinigung
kann wahlweise säulenchromatographisch an Kieselgel
erfolgen oder durch Umkristallisation.
Die Umsetzung zum Diallylether 120 wurde unter den
Bedingungen einer Williamson-
Ethersynthese unter Verwendung von Natriumhydrid als Base
in 79 % Ausbeute
durchgeführt. Auch bei dieser Umsetzung war keine
säulenchromatographische Reinigung
des Produktes notwendig.
69
O
OH
HO
HO
HO
OMe
84 %
BDMA
O
O
O
OH
HO
OMe
Ph
O
O
O
O
O
OMe
Ph
79 %
NaH
AllBr
98
119 120
Abbildung 56: Synthese eines 2,3-Di-O-allyl-glucosids
9.4 Hydrosilylierung bifunktionaler Kohlenhydrate mit VP
1085
Die Hydrosilylierung bifunktionaler Kohlenhydrate mit VP
1085 sollte zu Polymeren führen.
Die in dieser Arbeit erhaltenen Umsetzungsprodukte haben
jedoch eher einen oligomeren
Charakter. Da die vollständige Umsetzung des Silans (.SiH
= 2114 - 2128 cm-1) IR-spektroskopisch
beobachtet werden konnte, können hierfür zwei Gründe
angegeben werden: Zum
einen kann die in Abbildung 49 dargestellte Nebenreaktion
eintreten; als wahrscheinlicher
kann jedoch eine vollständige Umsetzung der funktionalen
Gruppen unter Bildung von
zyklischen Verbindungen angenommen werden.
Die Umsetzungen der Kohlenhydratbausteine, deren Synthesen
im vorigen Abschnitt
beschrieben worden sind, wurden analog den Umsetzungen mit
Monoallyl-Kohlenhydraten
vorgenommen. Es gab jedoch zwei wesentliche Unterschiede:
a) Die Reaktionen verliefen deutlich langsamer (mehrere
Tage).
b) Bei bereits flüssig vorliegenden Monomeren wurde auf
die Verwendung von
Lösungsmitteln verzichtet, da mit zunehmender Verdünnung
die zu zyklischen Verbindungen
führende intramolekulare Reaktion gegenüber der
intermolekularen Reaktion an Bedeutung
gewinnt.
In einigen Fällen wurde die Abscheidung von schwarzem
Platin beobachtet. Eine Aufhellung
der Lösungen konnte durch Saug-Filtration über eine
engporige Glasfritte erfolgen. Bei hohen
70
Molmassen sollte auf eine solche Filtration jedoch
verzichtet werden, da die mechanische
Beanspruchung der Materialien hier sehr groß ist.
O
O
O H
H O
O
OAc
O
AcO
AcO
O
O
O
O
O
O
OMe
Ph
O O
OH
NHAll
O OTMS
OTMS OTMS
AllHN
OTMS
O
NHAll
O OTMS
OTMS OTMS
AllHN
OTMS
O
O
OAc
AcO
AcO
AcO
O
O
O
109
111
113
115
116
118
120
n n
+ X H Si
Me
Me
O Si
Me
Me
H (CH2)3 Si
Me
Me
O Si
Me
Me
(CH2)3 X
2 m
Abbildung 57: Monomere Diallyl-Kohlenhydrat-Bausteine für
Hydrosilylierungen
Umsetzungsprodukt Monomer Mn Mw U [.] kH
121 109 4620 8830 1.9 5.6 0.3
122 111 3080 3690 1.2 7.7 0.1
123 113 2500 2900 1.1
124 115 5400 7700 1.4 12.2 0.2
125 116 3360 5900 1.8
126.l 118 4110 7430 1.8
126.s 118 2790 3630 1.3
127 120 5150 7660 1.5
Mn, Mw, Mp = [g / mol]; [.] = [ml / g]
71
Die dargestellten Kohlenhydrat-Silikone fielen in der
Regel als hochviskoses Öl an und waren
damit deutlich viskoser als das eingesetzte Makromonomer
VP 1085. Die Molmassen der
erhaltenen Verbindungen wurden per GPC ermittelt und lagen
alle unter 10000 g / mol. Ein
interessantes Phänomen konnte bei der Umsetzung von 118
beobachtet werden: Das erhaltene
Produkt bestand aus einem leicht schillernden weißen Gel
(126.2) und einem Öl (126.1). Die
GPC-Untersuchung ergab, daß der flüssige Anteil eine
höhere Molmasse aufweist. Der Grund
hierfür ist nicht ganz klar, nach einigen Monaten konnte
jedoch ein Verschmelzen der beiden
Phasen zu Gunsten der Gelphase festgestellt werden. Eine
Erklärung könnte eine anfängliche
Auftrennung nach dem Kohlenhydratgehalt sein, der aufgrund
der Massenverteilung des
eingesetzten Makromonomers nicht gleich ist, sondern auf
molekularer Ebene starken
Schwankungen unterliegen dürfte.
Abschließend läßt sich sagen, daß die Polymerisation von
Kohlenhydraten und Silikon-
Makromonomeren via Hydrosilylierung noch einiger
Optimierung bedarf. Die langen
Reaktionszeiten sind nicht zufriedenstellend und sollten
drastisch verkürzt werden. Dies kann
evtl. durch Verwendung anderer Katalysatoren oder
Lösungsmittel geschehen. Da die
durchgeführten Umsetzungen oft in einem sehr kleinen
Maßstab (= 1 g bis maximal 8 g)
erfolgten, mußten die Edukte vorgelegt werden. Ein
besseres Ergebnis kann unter Umständen
bei langsamer Zugabe des Silans erfolgen, da hierduch
Nebenreaktionen unterdrückt werden
(siehe Abschnitt 9.2).
72
10. Analytik
10.1 MALDI-TOF MS
Diese Art der für die Analyse schwer flüchtiger
Verbindungen entwickelten Massenspektroskopie
zeichnet sich dadurch aus, daß unter geeigneten
Aufnahmebedingungen keine
Fragmentierung eintritt. Die im Spektrum sichtbaren
Signale entsprechen in der Regel den
Kationenaddukten [M+H]+, [M+Na]+ und [M+K]+. Durch
Behandlung der Probe mit
Ionenaustauscherharzen kann das Spektrum noch zusätzlich
vereinfacht werden.
Um ein gutes Spektrum zu erzielen, muß ein für jeden Typ
von Verbindung optimiertes
Präparationsprotokoll entwickelt werden. Die
veränderlichen Parameter sind hier vor allem
die Wahl der Matrix, das Konzentrationsverhältnis von
Matrix zu Analyt, die Lösungsmittel,
in denen die Substanzen aufgenommen werden, die Verwendung
von Ionenaustauschern bzw.
die gezielte Dotierung mit Kationen durch Zugabe von
Salzen, die Art der Auftragung auf den
Probenteller (Schichtpräparation oder
dried-droplet-Methode, evtl. anschließende
Beschleunigung der Trocknung durch einen Luftstrom oder
Anlegen von Vakuum, da eine
homogene Kokristallisation von Matrix und Analyt erwünscht
ist).
In einem für die dargestellten Verbindungen allgemein
anwendbaren Protokoll werden 6 µl
einer 2,5-Dihydroxybenzoesäure-Lösung (10 mg / ml
Acetonitril) mit 6 µl der Analytlösung
(8 mg / ml Chloroform) gemischt. 1 µl dieser Lösung wird
auf den Probenteller aufgetragen.
Die dried-droplet-Methode hat den Vorteil einer besseren
Schuß-zu-Schuß-
Reproduzierbarkeit. Sollte bei der Trocknung jedoch eine
glänzende Fläche entstehen, kann
noch analog einer Schichtpräparation 1 µl Matrixlösung
nachträglich aufgetragen werden, so
daß eine weiße Fläche entsteht.
Auch diese Methode hat jedoch Einschränkungen. So ist eine
Quantifizierung der Signale
grundsätzlich nicht möglich. Eine halbquantitative Aussage
scheint derzeit nur bei quaternären
Ammoniumionen möglich, da diese nach der Desorption keine
Ionisierung erfahren
müssen.[127] Erscheinen in einem Spektrum Nebenprodukte,
ist es daher nicht möglich, zu
sagen, wie groß deren Anteil ist. Im Extremfall kann es
sogar sein, daß Nebenprodukte
überhaupt nicht erscheinen bzw. daß Verunreinigungen in
sehr hoher Intensität erscheinen.
Weiterhin versagt die MALDI-TOF-Spektroskopie bei
Polymeren, deren Polydispersitätsindex
eine Grenze von ca. 1.1[128] bis 2 überschreitet.
73
Die Silikonedukte und auch die Silikonprodukte lassen sich
daher nur im niedrigen
Massenbereich analysieren. Es wurde davon ausgegangen, daß
die beobachteten kurzkettigen
Polydimethylsiloxane die gleiche Reaktivität aufweisen,
wie die im Spektrum nicht mehr
erscheinenden Analogen größerer Molmasse.
10.2 Untersuchungen zur biologischen Abbaubarkeit
Der Abbau von chemischen Verbindungen in der Natur kann
zum einen abiotisch durch UVStrahlung,
Temperatureinflüsse oder rein chemische Prozesse
geschehen, zum anderen aber
auch über mikrobiologische Abbaumechanismen, die durch
Enzyme erfolgen. Dies wird als
biologischer Abbau bezeichnet. Biologisch abbaubare
Polymere haben in den letzten 20
Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.[129] Dabei stehen
oft Anwendungen im
medizinischen Bereich im Vordergrund, beispielsweise der
Einsatz als Implantatmaterial oder
als Verkapselung für die kontrollierte Freisetzung von
Wirkstoffen.[130]
Oft ist dem biologischen Abbau jedoch ein abiotischer
Schritt vorgelagert, der den Mikroben
bzw. ihren Enzymen den Angriff erleichtert oder sogar erst
ermöglicht. Dies ist auch im Falle
der Silikone so.[131] Es konnte in Laboruntersuchungen
gezeigt werden, daß Silikone (PDMS)
in Kontakt mit trockenen Böden abiotisch in ihre Monomere
gespalten werden. Die so
entstandenen Hydrolyseprodukte entweichen oder werden
mikrobiell abgebaut.[132] Als
hauptsächliches Abbauprodukt wird Dimethylsilandiol
angenommen, das schließlich zu CO2,
SiO2 und H2O abgebaut wird.[133] Eine sehr ausführliche
Übersicht über die dabei
stattfindenden enzymatischen Prozesse findet sich in einer
über das Internet frei zugänglichen
Datenbank der University of Minnesota.[134]
Für die Untersuchung auf biologische Abbaubarkeit von
Polymeren wurden mittlerweile
mehrere Standards entwickelt. Dabei unterscheidet man
zwischen anfänglichen, relativ
schnell durchführbaren screening Tests, die im Labor
stattfinden, und Feldversuchen, die sich
über mehrere Monate erstrecken. Feldversuche werden in der
Regel an Werkstoffen
durchgeführt. Dabei werden Parameter wie Gewichtsverlust
oder Änderung der
physikalischen Eigenschaften, z.B. der Molmasse,
untersucht. Auch die Anlagerung von
74
Mikroben auf der Oberfläche wird mikroskopisch untersucht
und gibt einen Hinweis, ob der
Hauptabbauweg abiotisch oder biotisch verläuft.[135]
Laborversuche, die den Feldversuchen vorausgehen und einen
ersten Hinweis auf die
mögliche biologische Abbaubarkeit in der Natur liefern,
können zum einen der direkte
Kontakt mit einem Enzym oder einer Enzymmischung sein oder
auch ein aerober
Atmungstest, bei dem der Sauerstoffverbrauch eines
dotierten Bodens gemessen wird.
10.2.1 Gezielter enzymatischer Abbau von
Kohlenhydrat-Silikonen
Eine Möglichkeit zur ersten Untersuchung eines Polymers
auf seine Bioabbaubarkeit ist die,
den Zerfall spektroskopisch zu verfolgen. Dies kann zum
Beispiel geschehen, in dem ein
dünner Film des Polymers in eine mit Enzymlösung befüllte
Küvette eingespannt wird. Dabei
wird bei der Wellenlänge gemessen, bei der das
freigesetzte Monomer
Methode ermöglicht auch eine Aussage über die
Abbaugeschwindigkeit, die unter
anwendungstechnischen Gesichtspunkten sehr wichtig ist.
Allerdings versagt diese Methode,
wenn die Abbauprodukte keine spezifische Absorptionsbande
besitzen, diese unbekannt ist
oder undefinierte Bruchstücke entstehen.
Ein Variante dieser Meßmethode, die sich allerdings nicht
mehr exakt quantifizieren läßt,
umgeht diese Probleme, indem einer Lösung des Polymers ein
gut
beigemischt wird. Aus dieser Lösung wird nun ein Film
erzeugt, der entweder direkt in die
Enzymlösung getaucht oder, bei geringer mechanischer
Stabilität, zuvor pulverisiert wird.[137]
Mit dieser screening-Methode können prinzipiell alle
waasserunlöslichen Polymere rasch auf
ihre potentielle Abbaubarkeit geprüft werden.
In diesem Teil der vorliegenden Arbeit sollte die
Abbaubarkeit der über eine Amid-Bindung
verknüpften Kohlenhydrat-Silikone untersucht werden.
Zunächst bestand die Aufgabe daher
darin, ein Enzym zu finden, das Polyamide zu spalten
vermag. Dies ist nicht einfach, da die
meisten Amid-spaltenden Enzyme sehr selektiv arbeiten und
nur Bindungen zwischen
bestimmten Aminosäuren spalten. Schließlich konnte mit der
Protease XIV (Streptomyces
griseus, Sigma P5147) dennoch eine Enzymmischung gefunden
werden, die sich durch ihre
75
außergewöhnliche Unspezifität auszeichnet und daher in der
Biochemie zur Freisetzung der
DNA aus der Zellmatrix verwendet wird.[138]
31.7 mg des nach Methode D hergestellten
Galactarsäureamid-Polydimethylsiloxans 46
(Kapitel 6.2.1) wurden in einer Mischung aus 0.9 ml
Chloroform und 0.3 ml Methanol gelöst
und mit 10.7 mg para-Nitrophenol (pNP) versetzt. Diese
Lösung wurde auf ein Uhrenglas
gegeben und das Lösungsmittel abgedunstet. Der feste
Rückstand wurde mit einem Spatel
abgekratzt und pulverisiert. Ein Teil dieses Pulvers wurde
mit Wasser gewaschen, es konnte
jedoch keine starke Gelbfärbung des Waschwassers
beobachtet werden.
Die Messung erfolgte in einem UV-Spektrometer bei 400 nm.
Dazu wurden 4.3 mg des
Polymerpulvers in 2.5 ml einer Standard-Pufferlösung (pH =
6.9, KH2PO4 und Na2HPO4 je 25
mmol / l, Fluka 82557) suspendiert. Nach der Zugabe von 6
µl (1/8 U) einer Proteinase XIVLösung
(2 mg / 0.5 ml Pufferlösung) wurde die Messung gestartet.
Über einen Zeitraum von
24 Stunden wurde alle 10 Minuten der Meßwert registriert.
Nach derselben Vorgehensweise
wurde auch eine Blindprobe ohne Enzymzusatz durchgeführt.
Silikon 46 / p-Np + Proteinase XIV
-0,05
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0 500 1000 1500
t [min]
Absorption A
mit Proteinase XIV
ohne Enzymzusatz
Abbildung 58: Test auf enzymatische Zersetzung von 46 mit
Proteinase XIV
Es kann deutlich festgestellt werden, daß das
Kohlenhydrat-Silikon vom Enzym erkannt und
abgebaut wird. Während sich die UV-Absorption der
Suspension über den gesamten Zeitraum
der Messung ohne Enzymzusatz nur geringfügig verändert,
kommt es nach dem Zusatz von
76
Proteinase XIV zu einer enzymatisch induzierten Zerstörung
der Polymermatrix, der
inkludierte Farbstoff wird freigesetzt und bewirkt eine
verstärkte UV-Absorption der Lösung.
Die starke Schwankung der Meßwerte liegt daran, daß die
Untersuchung in einer Suspension
durchgeführt wurde. Dies dürfte jedoch keinen Einfluß auf
die qualitative Aussage dieses
Essays haben.
10.2.2 Untersuchung der biologischen Abbaubarkeit von
Kohlenhydrat-Silikonen über die
mikrobielle Bodenatmung (Respirationstest)
Eine andere Möglichkeit zur Untersuchung der
Bioabbaubarkeit von chemischen
Verbindungen ist die Dotierung eines Bodens mit der zu
testenden Substanz in einer
geschlossenen Atmosphäre. In dieser aeroben Umgebung
sorgen die im Boden befindlichen
Mikroorganismen für einen Abbau von Materie, bei dem
Sauerstoff verbraucht und
Kohlendioxyd gebildet wird. Über das
Carbonat-Gleichgewicht kann das gebildete
Kohlendioxyd mittels einer Natriumhydroxid-Lösung aus dem
Gasraum entfernt werden.
Dies macht sich in einer Abnahme des Druckes bemerkbar,
der registriert wird.
CO2 NaOH NaHCO3 +
Abbildung 59: Carbonat-Gleichgewicht
Für die durchgeführten Messungen* wurden Meßapparaturen
von WTW verwendet. Diese
bestehen aus einem 1.5 l fassenden Meßraum, einem in den
Raum hineingehängten
Becherglas, das mit Natriumhydroxid-Lösung gefüllt wird,
und einem OxiTop® Meßkopf, der
den Gasdruck im Meßraum kontinuierlich mißt. Der Boden des
Gerätes wird mit dem
dotierten Boden bedeckt. Während der Messung wurden alle
Ansätze auf 20 °C temperiert.
* Die Messungen wurden von Prof. Scherer, Hochschule für
Angewandte Wissenschaften, Hamburg,
durchgeführt.
77
Abbildung 60: Von der Firma Wissenschaftlich-Technische
Werkstätten GmbH & Co. KG (WTW) hergestellte
Apparaturen zur Bestimmung der mikrobiellen Bodenatmung
nach DIN 19 737
Aus dieser Meßanordnung wird bereits ersichtlich, daß die
Messung mit sehr vielen Fehlern
behaftet ist. Die Messungen wurden daher alle mehrfach
durchgeführt und die Ergebnisse
gemittelt.
In einer typischen Messung wird die zu testende Substanz
pulverisiert und innig mit dem
Boden vermischt. Da die meisten der zu untersuchenden
Kohlenhydrat-Silikone bei
Raumtemperatur nicht formstabil waren, wurde von dem
üblichen Verfahren abgewichen und
die Proben zunächst in Isopropanol gelöst, die Erde in der
Lösung suspendiert und das
Lösungsmittel an der Luft im Abzug abgedampft.[139]
Neben drei Blindproben, bei der nur der eingesetzte
Kompost vorlag, wurden auch
Vergleichsproben mit Glucose und drei Proben, die mit
Isopropanol vermischt und dann an
der Luft getrocknet worden sind, vermessen. Bei den
untersuchten Kohlenhydrat-Silikonen
handelte es sich um das endständig
galactonamidsubstituierte Silikon 43 und um die Polymere
(Glucarsäurediamid-PDMS)n (47) und
(Galactarsäurediamid-PDMS)n (46).
78
33,8
81,1
51,4
45,9
54,1
48,6
39,2
77,0
54,1
45,9
50,0
37,8
32,4
75,7
48,6
41,9
45,9
44,6
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
60,0
70,0
80,0
90,0
Ohne Zusätze 150 mg Glucose 4 ml Iso-Propanol 2.5 g 43 2.5
g 47 2.5 g 46
mg O2
Abbildung 61: O2-Verbrauch nach 10 Tagen. Es wurden
jeweils 10 g Kompost eingesetzt, die Messungen
erfolgten bei 20 °C.
Die mit den Silikonen versetzten Böden weisen einen
deutlich höheren Sauerstoffbedarf auf
als die reinen Böden, deren mikrobielle Aktivität mit
Glucose als Zusatz getestet wurde.
Allerdings weisen sie nahezu den gleichen Sauerstoffbedarf
auf wie die Böden, die mit
Isopropanol behandelt worden sind. Eine detailliertere
Aussage über die biologische
Abbaubarkeit läßt sich so derzeit nicht machen. Es kann
jedoch positiv vermerkt werden, daß
die untersuchten Kohlenhydrat-Silikone keine
Bodentoxizität aufzuweisen scheinen.
79
11. Zusammenfassung
Während mit Kohlenhydraten gepfropfte Silikone bereits
Marktreife erreicht haben, beispielsweise
die von der Wacker-Chemie GmbH vertriebene Formulierung
Belsil® SPG 128 VP, die
aus einer 20%igen Mischung eines Silkon Polyglucosids
(SPG) in Cyclopentasiloxan besteht,
wurde die Darstellung von Silikonen mit Kohlenhydraten im
Polymerrückgrat bisher nur in
einem einzigen Patent beschrieben. Das Ziel dieser Arbeit
bestand darin, sowohl neuartige
endständig kohlenhydratmodifizierte Silikone (im Folgenden
als EKS bezeichnet) als auch
Kohlenhydrat-Silikon block-Copolymere herzustellen und zu
charakterisieren. Die sich daraus
ergebenden Zielstrukturen sind in Abbildung 2 dargestellt.
Damit ergibt sich eine Aufteilung der Arbeit in zwei
Haupteile:
a) Die Synthese von mono- und difunktionalisierten
Kohlenhydratderivaten und
b) deren Umsetzung mit a,.-substituierten
(organo)funktionellen Silikonen zu neuartigen
Kohlenhydrat-modifizierten Polydimethylsiloxanen sowie
deren Charakterisierung mittels
MALDI-TOF MS (EKS) bzw. den gängigen Methoden der
Polymerchemie (block-
Copolymere: GPC, DSC, Viskosimetrie).
Die Cäsiumfluorid / Imidazol-katalysierte Bildung von
Silylethern, bei der ungeschützte
Kohlenhydrate mit Silanen umgesetzt werden, erwies sich
als nicht selektiv genug, um mit
natürlichen Monosacchariden definierte Produkte zu
erhalten. Die Umsetzung von Glucose
mit VP 1085 führte zu vernetzten Produkten.
Eine Methode, deren Anwendbarkeit auf die Herstellung von
endständig modifizierten
Silikonen limitiert ist, besteht in der Umsetzung von
reduzierenden Zuckern mit den Silikonen
IM 47 und 441111 VP in einer reduktiven Aminierung. Die
Umsetzung mit Glucose führte
zu dem amphiphilen Silikon 15.
Sehr erfolgreich verlief die Umsetzung von
Kohlenhydrat-Säurechloriden mit amino- und
hydroxyalkylsubstituierten Silikonen. Die Reaktion des
Gluconsäurechlorids 23 mit IM 11,
IM 47 und 441111 VP führte zu den EKS 24, 25 und 26. Das
Galactarsäurechlorid 29 konnte
erwartungsgemäß mit IM 47 zu einem block-Copolymer (30)
hoher Molmasse (Mn =
12200 g / mol, Mw = 103600 g / mol) umgesetzt werden.
80
Ebenfalls überzeugende Ergebnisse wurden bei der Lacton-
bzw. Esterspaltung mit Aminosilikonen
erhalten. Das Aminoalkylsilikon IM 47 wurde mit
Galactonsäure-.- und
Gluconsäure-d-lacton hydrophilisiert (42 und 44), die
Veresterungsprodukte der Galactar- und
Glucarsäure wurden mit IM 47 und 441111 VP zu den
block-Copolymeren 46 - 49
kondensiert. Die Temperaturbeständigkeit dieser
Verbindungen konnte durch TGA / DTG
untersucht werden. Ferner wurden die Reaktionsbedingungen
dieser Reaktion zeitoptimiert
sowie eine homologe Reihe mit variablen Anteilen an
Glucar- und Galactarsäure in 20 %-
Schritten synthetisiert (48 - 53). Dabei wurde
festgestellt, daß eine Erhöhung des
Glucarsäureanteils zu einer Erniedrigung des Glaspunktes
führt. Die Molmassen dieser
Verbindungen fielen relativ niedrig aus, was auf die
Bildung von Ringen zurückzuführen ist.
Das monofunktionale Isothiocyanat-Zucker-Derivat 55
reagierte mit Amino- und
Hydroxysilikonen unter Bildung der entsprechenden
Harnstoffe 56 und 57 sowie dem
Urethan 58. Das acetylierte EKS 57 ließ sich zu dem
amphiphilen Silikon 59 entschützen.
Eine Polyaddition mit dem bifunktionalen Isothiocyanat 72
gelang jedoch noch nicht.
Die Möglichkeiten zur Umsetzung von Aminozuckern mit
epoxy- und acrylfunktionalisierten
Silikonen wurden untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß
nur mit sekundären
Aminen definierte Produkte erhalten werden können, da das
bei der Reaktion von primären
Aminen gebildete sekundäre Amin reaktionsfähiger ist und
oft sogar intramolekular unter
Cyclisierung weiterreagiert.
Die Hydrosilylierung von allylderivatisierten
Kohlenhydraten führte ebenfalls zu einer
großen Zahl neuer Verbindungen. Das Silikon VP 1085 wurde
mit den Monoallylderivaten
87, 89, 91, 95 und 99 in die EKS 100, 102, 104, 106 und
108 übergeführt, von denen die
ersten vier durch Entschützung in die amphiphilen Derivate
101, 103, 105 und 107
umgewandelt werden konnten. Endozyklische Doppelbindungen
ließen sich nicht
hydrosilylieren. Mit den sieben bifunktionalen
Kohlenhydrat-Derivaten 109, 111, 113, 115,
116, 118 und 120 wurden die block-Copolymere 121 - 127
synthetisiert, deren gewichtsmittlere
Molmassen Mw zwischen 3000 und 9000 g / mol lagen.
Abschließend wurden die biologische Abbaubarkeit des EKS
43 und der block-Copolymere
46 und 47 mittels eines Respirationstests untersucht. Der
enzymatische Abbau des block
81
Copolymers 46 durch Proteinase XIV (Streptomyces griseus)
wurde UV-spektroskopisch
untersucht.
82
11. Summary
Although carbohydrate-grafted silicones, e.g.
Wacker-Chemie GmbH’s Belsil. SPG 128 VP,
which consists of a mixture of 20% silicon polyglucoside
(SPG) in cyclopentasiloxane, have
already reached the stage of readiness for marketing, the
manufacture of silicones containing
carbohydrates in the polymer backbone has to date only
been described in one patent. The
goal of this work was to synthesise and characterise both
new terminal carbohydrate modified
silicones (TCMS) and carbohydrate-silicone block
copolymers. The target structures
resulting from this are represented in Scheme 2.
The present work was divided into two main parts:
a) the synthesis of mono- and difunctionalised
carbohydrate derivatives and
b) their reaction with a,.-substituted
(organo)-functionalised silicones to obtain new
carbohydrate-modified polydimethylsiloxanes as well as
their characterisation. For
TCMS, this was done with MALDI-TOF MS and for block
copolymers the established
methods of polymer chemistry (GPC, DSC, viscosimetry) were
applied.
The caesium fluoride / imidazole-catalysed formation of
silyl ethers, during which the
unprotected carbohydrates are reacted with silanes, proved
to be not sufficiently selective to
obtain definite products with natural monosaccharides. The
incubation of glucose with
VP 1085 lead to cross-linked products.
An application confined to the formation of terminal
modified polymers is the reaction of
reducing sugars with the silicones IM 47 and 441111 VP by
reductive amination. The
reaction of glucose lead to the amphiphilic silicone 15.
The reaction of carbohydrate acid chlorides with amino-
and hydroxyalkyl-substituted
silicones was very successful. The reaction of the
glucaric acid chloride 23 with IM 11,
IM 47 and 441111 VP lead to the TCMS 24, 25 and 26. As
expected, the mucic acid chloride
29 could be reacted with IM 47 to give a block copolymer
(30) with high molecular mass (Mn
= 12200 g / mol, Mw = 103600 g / mol).
Similarly excellent results could be obtained by
lactone/ester cleavage with aminosilicones.
The aminosilicone IM 47 was modified with galactaric
acid-.-lactone and glucaric acid-d-
83
lactone (42 and 44) and the esterification products of
mucic acid and glucaric acid were
condensed with IM 47 and 441111 VP to give the block
copolymers 46 - 49, the temperature
resistance of which was investigated using TGA / DTG. The
reaction conditions were
optimised with respect to time, and a homologous series,
in which the proportion of glucaric
acid and mucic acid was varied in steps of 20%, was
synthesised (48 - 53). This showed that
an increase in the glucaric acid component leads to a
lowering of the glass transition point.
The molecular masses of these compounds were quite low,
which can be attributed to the
formation of rings.
The monofunctional isothiocyanate sugar 55 reacted with
amino- and hydroxysilicones to
form the corresponding ureae 56 and 57 as well as the
urethane 58. The acetylated TCMS 57
could be deprotected to give the amphiphilic silicone 59.
However, a polyaddition with the
bifunctional isothiocyanate 72 was not successful.
The potential for reaction of aminosugars with epoxy- and
acrylic-functionalised silicones
was investigated. It could be established that definite
products can only be obtained with
secondary amines. Reaction with primary amines in turn
leads to secondary amines, which are
more reactive and undergoe further reaction, often an
intramolecular cyclisation.
The hydrosilylation of allyl-derivatised carbohydrates
also lead to a large number of new
compounds. The silicone VP 1085 was reacted with the
monoallyl derivatives 87, 89, 91, 95
and 99 to give the TCMS 100, 102, 104, 106 and 108, of
which the first four could be
deprotected to furnish the amphiphilic derivatives 101,
103, 105 and 107. Endocyclic double
bonds could not be hydrosilylated. Starting with the seven
bifunctionalised carbohydrates
109, 111, 113, 115, 116, 118 and 120, the corresponding
block polymers 121 – 127 could be
synthesised, having average molecular masses of 3000 –
9000 g /mol.
Subsequently, the biodegradability of the TCMS 43 and the
block copolymers 46 and 47 was
investigated, using a respiration test. The enzymatic
degradation of the block copolymer 46
using proteinase XIV (Streptomyces griseus) was analysed
using UV spectroscopy.
84
12. Experimenteller Teil
Verwendete Geräte und Materialien
NMR-Spektren wurden mit den Geräten AMX-400 (Bruker) oder
DRX-500 (Bruker) erstellt.
Um die Signale genau zuordnen zu können, wurden neben den
1H- und 13C-NMR-Spektren
auch DEPT bzw. Pendant und / oder Cosy und HMQC-Spektren
angefertigt.
Anomerenverhältnisse wurden über die integrierten Signale
der 1H-NMR Spektren
bestimmt.
Elementaranalysen wurden in der Abteilung „Zentrale
Analytik“ des Fachbereichs Chemie
der Universität Hamburg angefertigt.
MALDI-TOF-Spektren wurden mit einem Bruker Biflex III
Massenspektrometer im
positiven Modus gemessen. Die Kalibrierung erfolgte extern
mit Peptid-Standards.
Die Molmassen und die Molmassenverteilungen nicht
diskreter Verbindungen wurden per
GPC bestimmt. Das System bestand aus einer Spectra System
P1000 Pumpe von Thermo
Separation Products, einer Vorsäule und vier Trennsäulen
(MZ Analysentechnik, je 300 x
8 mm, Reihenfolge in Fließrichtung: 105, 103, 500, 100
Angström). Die Detektion erfolgte
über einen UV-Detektor (Spectra Series UV 150) bei 260 nm.
Die Flußrate betrug 1.0 ml
Chloroform / min, das Injektvolumen betrug 20 µl. Die
Kalibrierung erfolgte mit Polystyrol-
Standards. Die Auswertung wurde mit Hilfe der HS
NTeqGPC-Software (Version V5.1.5)
durchgeführt.
Viele Verbindungen wiesen ein so niedriges
Molekulargewicht auf, daß ein Teil der
Verteilungskurve in den nicht kalibrierten Bereich
hineinreichte. In diesen Fällen kann kein
Wert für Mn und Mw angegeben werden. Stattdessen wird in
diesen Fällen das Maximum der
Verteilungskurve angegeben, MP. In einigen Fällen wurde Mn
zusätzlich über Osmometrie
bestimmt.
85
Glaspunkte und Schmelzpunkte von Silikonen wurden per DSC
bestimmt (Mettler Toledo
DSC 821e), die Schmelzpunkte der dargestellten
kristallinen Kohlenhydrate wurden mit
einem Apotec Schmelzpunktbestimmer ermittelt.
Viskosimetrische Messungen wurden mit einem
Ubbelohde-Viskosimeter in Chloroform bei
25 °C ermittelt.
Optische Drehwerte wurden mit einem Perkin Elmer
Polarimeter (PE 341) unter
Verwendung einer Natriumdampflampe bei 589 nm gemessen.
Die Küvettenlänge betrug
10 cm, die Konzentration c wurde in g / 100 ml gemessen.
DC-Folien: Folienplatten, Kieselgel 60 F254 auf Aluminium
(Merck KGaA)
Säulenchromatographie: Kieselgel 60 M (230 – 400 mesh, 40
– 63 µm, Merck KgaA oder
Macherey-Nagel)
AAV1 (Hydrosilylierungen): Das Alken und das Silan werden
in äquimolaren Mengen
gemischt, Feststoffe werden zuvor in einem geeigneten
Lösungsmittel (z.B. Toluol, THF)
gelöst. Die erhaltene Lösung / Mischung wird auf ca. 85 °C
erwärmt und mit einigen
Mikrolitern (10-4 – 10-5 mol-Äquivalente) einer verdünnten
Lösung von
Hexachloroplatinsäure in Isopropanol (0.04 mmol / ml)
versetzt. Die Reaktionen werden IRspektroskopisch
(.SiH = 2114 - 2128 cm-1) verfolgt. Gegebenenfalls wird
weiterer Katalysator
zugegeben.
AAV2 (Umsetzung von Glycarsäureestern bzw. lactonen mit
441111 VP): 12 mmol
Glycarsäuredimethylester bzw. ein entsprechendes
Lacton-Derivat werden in 5 – 10 ml
Lösungsmittel (z.B. heißes Dimethylsulfoxid zum Lösen des
Galactarsäuredimethylesters
oder Methanol im Falle des entsprechenden
Glucarsäurederivats) aufgenommen und zu einer
Lösung von 15.0 g (24 mmol NH2) 441111 VP in 30 ml
Isopropanol und 2 ml Triethylamin
gegeben. Die Temperatur wird auf 80 °C erhöht und der
Ansatz 3 Tage gerührt. Der auf
Raumtemperatur abgekühlte Ansatz wird in 1 l Wasser
eingerührt, die Suspension für einige
Stunden
abdekantiert. Der Rückstand wird in
86
PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
NH
OH OH
HO
OH
C3H6
OH
NH
OH OH
HO
OH
C3H6
OH
PDMS
Isopropanol aufgenommen, das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck abdestilliert und das
Produkt anschließend mehrere Tage bis zur Gewichtskonstanz
bei 50 °C im Ölpumpenvakuum
getrocknet.
AAV3 (CsF / Imidazol-katalysierte Umsetzung von
(teilweise) ungeschützten
Kohlenhydraten mit VP 1085): 10 mmol (bezogen auf SiH) VP
1085 werden mit 2.5 mmol
Cäsiumfluorid versetzt und ca. 15 Minuten mit Ultraschall
behandelt. Zu dieser Mischung
wird rasch eine Lösung bzw. Suspension von 10 mmol der
Alkoholkomponente und 10 mmol
Imidazol in 10 - 15 ml DMF gegeben. Die Reaktion startet
meistens sofort, was durch ein
Ansteigen der Temperatur und einsetzende Gasentwicklung
deutlich wird. Nach Ende der
Gasentwicklung kann die Reaktion abgebrochen werden.
Reduktive Aminierung von Glucose mit 441111 VP
a,.-Bis[3-N-(glucosamino)propyl]-polydimethylsiloxan (15)
303.9 mg (1.69 mmol) Glucose (6) und 1.0566 g (1.69 mmol
NH2) 441111 VP wurden in
20 ml Isopropanol aufgenommen, mit 57.3 mg Pd/C (10 %)
versetzt und 5 Tage unter einer
Wasserstoffatmosphäre gerührt. Der Ansatz wurde filtriert,
das Filtrat unter vermindertem
Druck eingeengt und der Rückstand im Ölpumpenvakuum
getrocknet.
Ausbeute: 1.27 g = 95 %
M = 502 + (74)n g / mol
bernsteinfarbener Sirup
[ ]20
D a = - 0.9 ° (c = 1.5, Isopropanol)
MALDI-TOF (DHB):
[M + H]+ : 577 (n = 1), 651, 725, 799, ...
[M + Na]+ : 673 (n = 2), 747, 821, ...
87
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
O X O
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
X PDMS
X = C3H6, PDMS = (SiMe2O)10SiMe2
Umsetzung von 2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-gluconsäurechlorid
(23) mit IM 11
a,.-Bis[3-(2,3,4,5,6-penta-O-acetyl-gluconato)propyl]-poly
dimethylsiloxan (24)
2.0 g (6.7 mmol) 2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-gluconsäure (22)
wurden in einer Argonatmosphäre
in 30 ml Chloroform gelöst, mit 30 ml Thionylchlorid
versetzt und 30 Minuten
bei Raumtemperatur gerührt. Das Lösungsmittel wurde unter
vermindertem Druck entfernt,
Spuren von verbliebenem Reagens wurden mit Tetrahydrofuran
codestilliert. Daraufhin
wurde der Rückstand in 20 ml
gelöst und mit 2.0 g IM 11
(3.9 mmol) versetzt. Nach 1.5 Stunden wurde der Ansatz
über Celite filtriert, mit Chloroform
verdünnt und gründlich mit gesättigter
Natriumhydrogencarbonatlösung gewaschen. Die
organische Phase wurde über Natriumsulfat getrocknet und
das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt.
Ausbeute: 1.1 g = 35 %
bernsteinfarbener Sirup
M = 952 + (74)n g / mol
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 1049 (n = 1), 1123, 1197, 1271, ...
[M + K]+ : 1065 (n = 1), 1139, 1213, 1287, ...
Umsetzung von 2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-gluconsäurechlorid
(23) mit IM 47
a,.-Bis[3-(2,3,4,5,6-penta-O-acetyl-gluconsäureamido)propy
l]-polydimethylsiloxan (25)
171.1 mg (0.4 mmol)
2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-gluconsäurechlorid (23) wurden in
5 ml THF
gelöst und mit 50 mg festem Natriumcarbonat versetzt.
Daraufhin wurde innerhalb von
10 Minuten 1 ml (0.38 mmol) IM 47 zugetropft. Nach
Abkühlung der Reaktionslösung wurde
der Ansatz filtriert und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt.
Ausbeute: quantitativ
bernsteinfarbener Sirup
M = 1110 + (74)n g / mol
O OAc
OAc OAc
OAc
OAc
O X O
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
X PDMS
X = C3H6NHC2H4, PDMS = (SiMe2O)70SiMe2
88
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
HN X NH
O OAc
OAc OAc
AcO
OAc
X PDMS
X = C3H6, PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
MALDI-TOF (DHB):
[M + H]+ : 1111 (n = 1), 1185, 1259, 1334, ...
Umsetzung von 2,3,4,5,6-Penta-O-acetyl-gluconsäurechlorid
(23) mit 441111 VP
a,.-Bis[3-(2,3,4,5,6-penta-O-acetyl-gluconsäureamido)propy
l]-polydimethylsiloxan (26)
1.3 g peracetylierte Gluconsäure (22) wurden in 10 ml
Thionylchlorid unter Rückfluß
gekocht. Nach 2 Stunden wurde das restliche Thionylchlorid
unter vermindertem Druck
entfernt und der Rückstand nach weiterer Trocknung im
Vakuum in 5 ml Chloroform
aufgenommen. Daraufhin wurden rasch 2 g (3.2 mmol NH2)
441111 VP, gelöst in 5 ml
Chloroform, und 760 mg Ambersep 900 (OH-) dazugegeben.
Dabei kam es zu einer starken
Erwärmung des Ansatzes. Nach 2 Stunden Reaktionszeit wurde
weiterer Ionenaustauscher
hinzugegeben, kurz gerührt und vom Ionenaustauscher
abfiltriert. Das Lösungsmittel wurde
unter vermindertem Druck entfernt und der Rückstand im
Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: quantitativ
leicht gelblicher, transparenter Sirup
M = 950 + (74)n g / mol
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 6.02 (bs, 1H, NH), 5.61 (vt, 1H, H3), 5.38 (dd,
1H, H4), 5.25 (d, 1H, H2), 4.95 –
4.99 (m, 1H, H5), 4.25 (dd, 1H, H6a), 4.06 (dd, 1H, H6b),
3.13 – 3.19 (m, 2H, NCH2), 2.13 /
2.03 / 2.02 (s, 3H, Acetyl CH3), 1.98 (s, 6H, 2 Acetyl
CH3), 1.41 – 1.47 (m, 2H,
CH2CH2CH2), 0.41 – 0.45 (m, 2H, SiCH2), 0.01 / 0.00 /
-0.01 (PDMS);
J2,3 = 5.3, J3,4 = 5.2, J4,5 = 6, J5,6a = 4.1, J5,6b =
5.3, J6a,6b = 12.2 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 168.88 / 168.80 / 168.72 (Acetyl C=O), 164.89
(C=O), 70.65 (C2), 68.40 / 68.11 /
67.61 (C3, C4 und C5), 60.58 (C6), 41.36 (NCH2), 22.33
(CH2CH2CH2), 19.86 / 19.72
(Acetyl CH3), 14.24 (SiCH2), 0.00 / -1.03 (PDMS).
89
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 1047 (n = 1), 1121, 1195, 1269, ...
[M + K]+ : 1063 (n = 1), 1137, 1211, 1285, ...
Auch das nur an einem Ende substituierte Silikon konnte im
MALDI-TOF detektiert werden:
[M + H]+ : 637 (n = 1), 711, 785, 859, ...
2,3,4,5-Tetra-O-acetyl-D-galactarsäure (28)
20.1 g (95.7 mmol) D-Galactarsäure (27) wurden in 75 ml
Essigsäureanhydrid suspendiert,
mit 0.4 ml konz. Schwefelsäure versetzt und 1.5 Stunden
unter Rückfluß erhitzt. Daraufhin
wurden weitere 50 ml Essigsäureanhydrid zugegeben. Nach
einer weiteren Stunde wurde die
schwarze Lösung auf Raumtemperatur abgekühlt und unter
Rühren in 600 ml kaltes Wasser
einlaufen gelassen. Die nun bernsteinfarbene Lösung wurde
über Nacht zum Kristallisieren
im Kühlschrank aufbewahrt. Die Kristalle wurden
abfiltriert und zunächst aus Wasser /
Ethanol, beim zweiten Mal nur aus Ethanol
umkristallisiert.
Ausbeute: 19.1 g (50.5 mmol) = 53 %
M = 378.28 g / mol
weiße, nadelförmige Kristalle
Schmelzpunkt: 260 – 262 °C, unter Zersetzung;
Lit.:[36] 260 °C (Zersetzung) - 266 °C (andere
Herstellungsweise).
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 5.69 (s, 2H, H2 und H5), 5.14 (s, 2H, H3 und
H4), 2.15 (s, 6H, Acetyl CH3), 2.04
(s, 6H, Acetyl CH3).
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 170.54 / 169.44 / 169. 02 (2 x 2 Acetyl C=O und
1 x Säure C=O), 69.63 (C2 und
C5), 68.47 (C3 und C4), 19.28 / 19.20 (2 x 2 Acetyl CH3).
OAc
AcO
AcO
OAc
O
O
OH
OH
90
NH
O OAc
OAc OAc
NH
OAc
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = C2H4NHC3H6
Umsetzung von peracetyliertem Galactarsäuredichlorid (29)
mit IM 47 (30)
501.3 mg (1.2 mmol) peracetyliertes Galactarsäuredichlorid
(29) wurden in 3 ml Chloroform
gelöst und die Temperatur auf 0 °C erniedrigt. Zu dieser
Lösung wurden mit einer Spritze
6.2368 g (2.4 mmol NH2) IM 47 so rasch wie möglich
zugegeben. Nach der Zugabe von 0.33
ml Triethylamin wurde das Eisbad entfernt und der Ansatz 5
Tage gerührt bzw. stehen
gelassen. Das sehr viskose Reaktionsgemisch wurde mit
einer Mischung aus 0.4 ml
Triethylamin und 15 ml Chloroform verdünnt, so daß es
wieder rührfähig war, und in 300 ml
Methanol eingerührt. Die erhaltene Suspension wurde über
Nacht im Kühlschrank gelagert,
wobei eine Phasentrennung erfolgte. Die Lösung wurde
dekantiert, der feste Rückstand in
Dichlormethan gelöst, in einen Kolben übergeführt und das
Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Anschließend wurde an der
Ölpumpe getrocknet. Ein Beilstein-
Test auf Halogenide fiel negativ aus.
Ausbeute: 5.24 g = 79 %
Mn = 12200 g / mol, Mw = 103600 g / mol, MP = 12400 g /
mol, U = 8.5
leicht gelbliches, gummiartiges Material
Schmelzpunkt: - 48 °C
Glaspunkt: 144 °C
[.] = 26.2 ml / g
kH = 1.2
Kalium-hydrogen-D-glucarat (36)
130 ml (1.9 mol) 65 %-ige Salpetersäure wurden in einem
500 ml Dreihalskolben mit
Rückflußkühler und Innenthermometer auf 60 °C erwärmt.
Nach der Zugabe von 0.1 g
Natriumnitrit wurden portionsweise 100.0 g (0.5 mol)
Glucose-monohydrat so zugegeben,
daß die Temperatur mittels Kühlung zwischen 55 und 65 °C
gehalten werden konnte. Danach
wurde eine Stunde bei dieser Temperatur gerührt. Die nun
nahezu farblose Lösung wurde auf
Raumtemperatur abgekühlt und durch Zugabe von 45 %-iger
Kalilauge auf einen pH > 9
eingestellt. Die Temperatur erreichte hierbei 60 – 80 °C.
Nach erneuter Abkühlung auf
Raumtemperatur wurde der pH-Wert mit Salpetersäure auf 3.5
eingestellt. Bereits bei ca. pH
4 erfolgte die Abscheidung des Produktes aus der nun
schwarzen Lösung. Der helle
91
Niederschlag wurde abfiltriert, in heißem Wasser gelöst
und durch Zugabe von Aceton erneut
gefällt. Das Produkt wurde an der Ölpumpe getrocknet.
Ausbeute: 33.0 g (0.13 mol) = 26 %
M = 248.24 g / mol
beiger Feststoff
Schmelzpunkt: 188 °C (Zersetzung); Lit.:[140] 190 °C (ab
175 °C Verfärbung)
[ ]20
D a = + 3.5 ° (c = 1.1, H2O); Lit.:[141] [ ]20
D a = + 4.95 ° (c = 1.2, H2O);
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 4.39 (d, 1H, J = 3.1), 4.33 (d, 1H, J = 4.8),
4.19 (dd, 1H, J = 3.1, J = 5.1), 4.04 (dd,
1H, J = 4.8, J = 5.1).
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 177.49 / 177.28 (quartäre C), 73.74 / 72.90 /
72.76 / 71.90 (sekundäre C).
Galactarsäuredimethylester (45)
150 ml Methanol wurden mit einem Eisbad gekühlt und mit 8
ml Acetylbromid versetzt.
Daraufhin wurden 13.0 g (61.9 mmol) Galactarsäure (27)
zugegeben und der Ansatz
20 Stunden unter Rückfluß gerührt. Die Suspension wurde
auf Raumtemperatur abgekühlt,
der Niederschlag abfiltriert und mit Methanol gewaschen.
Ausbeute: 13.4 g (56.3 mmol) = 91 %
M = 238.19 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 195 – 196 °C; Lit.:[142] 196 – 199 °C
IR (KBr): .CO = 1723 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 4.51 (s, 2H, H2 und H5), 4.02 (s, 2H, H3 und
H4), 3.73 (s, 6H, OCH3).
OH
HO
OH
O
O
OK
OH
OH
OH
HO
HO
OH
O
O
OMe
OMe
92
NH
O OH
OH OH
NH
OH
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = C2H4NHC3H6
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 71.20 / 70.87 (C2 – C5), 53.14 (OCH3).
Umsetzung von Galactarsäuredimethylester (45) mit IM 47
(46)
1.0082 g (4.235 mmol) Galactarsäuredimethylester (45)
wurden in 15 ml Isopropanol
suspendiert und mit 0.5 ml Triethylamin versetzt. Zu
dieser Suspension wurden 22.8956 g
(8.47 mmol NH2) IM 47 gegeben. Bereits nach 1 Tag ließ
sich der Ansatz nicht mehr rühren,
nach 4 Tagen wurde der Rührer herausgeschnitten und das
Lösungsmittel unter stark
vermindertem Druck entfernt.
Alternative Reaktionsführungen:
A Statt Isopropanol kann auch Methanol verwendet werden.
B Der Ester kann auch in 3 – 4 ml heißem Dimethylsulfoxid
gelöst werden, so daß die
Umsetzung zunächst homogen erfolgt. Nach kurzer Zeit fällt
jedoch bereits das Produkt aus.
C Ebenfalls ist es möglich, vollständig auf Lösungsmittel
zu verzichten.
Ausbeute: 23.41 g = 99 %
MP = 20500 g / mol (nach Alternative A hergestellt)
weiße, gummiartige Substanz
Tg = 127 °C (1. Aufheizen), 110 °C (2. Aufheizen)
[.] = 13.2 ml / g
kH = 0.9
IR (KBr): .=Amid I = 1637, .Amid II = 1547 [cm-1].
Umsetzung von Glucarsäure (36) mit IM 47 (47)
247.7 mg (1.0 mmol) Kalium-hydrogen-glucarat (36) wurden
in 5 ml Ethanol aufgenomen,
auf –20 °C gekühlt und mit 0.2 ml Acetylchlorid versetzt.
Daraufhin wurde der Ansatz 4.5
Stunden bei 90 °C gerührt. Ausgefallenes Kaliumbromid
wurde durch Filtration entfernt und
mit 5 ml Ethanol gewaschen. Daraufhin wurden nacheinander
1.5 ml Triethylamin und
93
NH
O OH
OH OH
NH
OH
O
C3H6 C3H6 PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
NH
O OH
OH OH
NH
OH
O
X
X
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)70SiMe2, X = C2H4NHC3H6
5.2585 g (2.0 mmol NH2) IM 47 zugegeben und der Ansatz 16
Tage gerührt. Der feste
Rückstand wurde mehrfach mit Ethanol, Methanol und Aceton
gewaschen. Anschließend
wurde im Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: quantitativ
MP = 18080 g / mol
farbloses, klares stabiles Gel
IR (KBr): .=Amid I = 1654, .Amid II = 1543 [cm-1].
Umsetzungen von Glycarsäurediestern / -lactonen mit 441111
VP nach AAV2 (48 - 53)
Glucarsäure
Galactarsäure
Ausbeute
Tg
[°C]
[.] [ml/g]
kH
MP [g/mol]
(GPC)
Mn [g / mol]
(Osmometrie)
49.2 100 % - 81 % - 28 7.2 2.0 3200
53 80 % 20 % 83 % - 3 7.1 2.3 3130
52 60 % 40 % 86 % - 7 6.4 3.4 2550
51 40 % 60 % 71 % 5 6.6 2.8 2590
50 20 % 80 % 82 % 17 6.7 2.8 3680
48.3 - 100 % 87 % 54 6.5 3.3 3770 1400
[ ]20
D a = ca 0 ° (c = 1.5, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, CDCl3 / Methanol-d4 2 : 1):
Silikon und Verbindungsglied:
d [ppm] = 3.10 – 3.24 (m, 4H, NCH2), 1.45 – 1.53 (m, 4H,
-CH2CH2CH2-), 0.47 – 0.51 (m,
4H, SiCH2), 0 (118H, PDMS);
Galactaryl:
d [ppm] = 4.28 (s, 2H, H2 und H5), 3.85 (s, 2H, H3 und
H4);
94
Glucaryl:
d [ppm] = 4.14 (d, 1H, J = 2.5 Hz), 4.04 – 4.05 (m, 2H, H3
und H4), 3.84 (dd, 1H, J = 2.5, J =
7.0).
13C-NMR (100 MHz, CDCl3 / Methanol-d4 2 : 1):
Silikon und Verbindungsglied:
d [ppm] = 41.30 (NCH2), 22.48 (CH2CH2CH2), 14.48 (SiCH2),
0 (PDMS);
Galactaryl:
d [ppm] = 173.38 (C=O), 70.31 (C2 und C5), 69.85 (C3 und
C4);
Glucaryl:
d [ppm] = 173.39 / 171.84 (C=O), 73.77 / 73.22 (C2 und
C5), 69.92 / 69.03 (C3 und C4).
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylisothiocyanat
(55)
1.02 g (2.8 mmol)
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-a-D-glucopyranosylbromid (54)
wurden mit 2.72 g
(10 eq.) Kaliumthiocyanat in einem Mörser vermengt.
Hiervon wurden 3.4 g (entspricht 2.5
mmol 54) in einem 50 ml Kolben unter Argonatmosphäre bei
190 °C geschmolzen. Die
Schmelze wurde weitere 5 Minuten gerührt und dann auf
Raumtemperatur abgekühlt. Die
erstarrte Schmelze wurde vollständig in Dichlormethan und
Wasser aufgenommen, die
wäßrige Phase noch einmal mit Dichlormethan gewaschen und
die vereinigten organischen
Phasen über Natriumsulfat getrocknet. Nach Entfernung des
Lösungsmittels unter
vermindertem Druck fiel das saubere Produkt als gelblicher
Feststoff an. Eine weitere
Reinigung war nicht notwendig.
Ausbeute: 716 mg (1.8 mmol) = 72 %
M = 389.38 g / mol
gelblicher Feststoff
Schmelzpunkt: 110 - 112 °C; Lit.:[65] 110 °C
[ ]20
D a = + 11.2 ° (c = 0.2, CHCl3); Lit.:[143] [ ]20
D a = + 10.4 ° (c = 1.0, CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 2 : 1) = 0.26
IR (KBr): .NCS = 2103, .CO = 1751 [cm-1].
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NCS
95
PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
C3H6
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NH
S
NH
C3H6
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NH
S
NH
PDMS
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.14 (vt, 1H, H3), 5.04 (vt, 2H, H2 und H4),
4.95 (d, 1H, H1), 4.17 (dd, 1H, H6a),
4.08 (dd, 1H, H6b), 3.68 (ddd, 1H, H5), 2.04 / 2.04 / 1.96
/ 1.95 (s, je 3H, Acetyl CH3);
J1,2 = 8.4, J2,3 ˜ 9, J3,4 ˜ 9, J4,5 ˜ 10, J5,6a = 4.8,
J5,6b = 2.3, J6a,6b = 12.6 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 169.54 / 169.08 / 168.19 / 168.01 (Acetyl C=O),
82.50 (C1), 73.08 (C5), 71.50
(C3), 70.89 (C2), 66.67 (C4), 60.51 (C6), 19.67 / 19.50
(Acetyl CH3).
Umsetzung von
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylisothiocyanat
(55) mit
441111 VP
a,.-Bis[3-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylthioha
rnstoff)propyl]-
polydimethylsiloxan (57)
Zu einer siedenden Lösung von 407.4 mg (1.05 mmol)
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylisothiocyanat
(55) in 50 ml Dichlormethan wurden 654.7 mg (1.05 mmol
NH2)
441111 VP, gelöst in 20 ml Dichlormethan, über einen
Zeitraum von 45 Minuten langsam
zugetropft. Der Tropftrichter wurde mit 10 ml
Dichlormethan gespült. Daraufhin wurde noch
weitere 2 Stunden unter Rückfluß gerührt. Das
Lösungsmittel wurde unter vermindertem
Druck entfernt und der Rückstand im Ölpumpenvakuum
getrocknet.
Ausbeute: quantitativ
M = 952 + (74)n g / mol
bernsteinfarbenes Wachs
[ ]20
D a = + 7.0 (c = 1.0, CHCl3)
IR (in Dichlormethan): .C=O = 1752, .CNH = 1547 [cm-1].
1H-NMR (500 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 6.32 / 6.17 (bs, je ca. 2H, NH), 5.66 (bs, 2H,
H1), 5.30 (vt, 2H, H3), 5.01 (vt, 2H,
H4), 4.91 (vt, 2H, H2), 4.28 (dd, 2H, H6a), 4.04 (d, 2H,
H6b), 3.80 (dd, 2H, H5), 2.01 / 1.99 /
96
1.97 / 1.96 (s, je 6H, Acetyl CH3), 1.96 – 2.01 (m, 4H,
NCH2 ), 1.50 – 1.56 (m, 4H, CH2-CH2-
CH2), 0.49 – 0.50 (m, 4H, SiCH2), 0.02 / 0.00 / -0.02 (m,
> 100H, PDMS);
J1,2 ˜ 9, J2,3 ˜ 9, J3,4 ˜ 9, J4,5 ˜ 9.5, J5,6a ˜ 3,
J6a,6b = 12.3 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 169.63 / 168.80 / 168.76 / 168.63 (Acetyl C=O),
83 (C1), 72.38 (C5), 71.6 (C3),
69.95 (C2), 67.41 (C4), 60.71 (C6), 21.63 (CH2-CH2-CH2),
19.76 / 19.72 / 19.55 / 19.53
(Acetyl CH3), 14.37 (SiCH2), 0.37 / 0.15 / 0.00 (PDMS).
(C=S und NCH2 konnten mit den
gängigen Methoden nicht detektiert werden, das Signal von
C1 war nur im HMQC-Spektrum
sichtbar und die chemische Verschiebung muß daher
geschätzt werden.)
MALDI-TOF (DHB):
[M + H]+ : 1027 (n = 1), 1101, 1175, 1249, ...
[M + Na]+ : 1049 (n = 1), 1124, 1197, 1271, ...
[M + K]+ : 1065 (n = 1), 1139, 1213, 1287, ...
Umsetzung von
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylisothiocyanat
(55) mit IM 11
a,.-Bis[3-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylthiour
ethan)propyl]-
polydimethylsiloxan (58)
505.2 mg (1.27 mmol)
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylisothiocyanat
(55) und
649.1 mg (1.27 mmol OH) IM 11 wurden in 20 ml Chloroform
gelöst, mit 20 µl
Dibutylzinndilaurat (DBTDL) versetzt und unter Rückfluß
erhitzt. Nach 1 Tag wurden
weitere 60 µl DBTDL zugegeben, da im IR-Spektrum der
Reaktionslösung noch immer eine
starke NCS-Bande bei 2021 cm-1 erkennbar war. Nach
insgesamt 3 Tagen wurde der Ansatz
auf Raumtemperatur abgekühlt und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt.
Eine Möglichkeit zur Entfernung von DBTDL ist das
Filtrieren der Rohprodukt-Lösung über
basischem Aluminiumoxid, da der Rückstand nach dieser
Behandlung ein deutlich weniger
feuchtes Erscheinungsbild aufweist. Der Gehalt an DBTDL
konnte von ursprünglich 6.5 %
auf ca. 3.6 % gesenkt werden.
Ausbeute: quantitativ
M = 954 + (74)n g / mol
97
leicht gelblicher Feststoff
mit ca. 3.6 % DBTDL verunreinigt (NMR)
IR (in Dichlormethan): .C=O = 1751, .CNH = 1510 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 6.79 (d, 1H, NH), 5.80 (vt, 1H, H1), 5.41 (vt,
1H, H3), 5.22 (vt, 1H, G4), 5.00 (vt,
1H, H2), 4.32 (dt, 1H, OCH2 a), 4.26 (dd, 1H, H6a), 4.21
(dt, 1H, OCH2 b), 3.94 (dd, 1H,
H6b), 3.29 (ddd, 1H, H5), 1.75 / 1.69 / 1.68 / 1.55 (s, je
3H, Acetyl CH3), 0.87 – 0.90 (m,
CH2-CH2-CH2, Überlagert mit Signalen von DBTDL), 0.52 –
0.56 (m, 2H, SiCH2), 0.26 /
0.24 / 0.19 / 0.15 (s, 46H, PDMS);
JNH,1 = 9.4, J1,2 = 9.4, J2,3 ˜ 9.5, J3,4 = 9.7, J4,5 ˜
9.9, J5,6a = 4.2, J5,6b = 2.0, J6a,6b = 12.2 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 191.21 (C=S), 169.17 / 168.69 / 168.21 / 168.02
(Acetyl C=O), 82.11 (C1), 72.51
(C5), 72.18 (C3), 69.85 (C2), 67.08 (C4), 65.72 (OCH2),
60.27 (C6), 18.93 / 18.83 / 18.79 /
18.68 (Acetyl CH3), 12.93 (SiCH2), 0.062 / 0.00 / -1.05
(PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 1199 (n = 3), 1273, 1347, ...
[M + K]+ : 1215 (n = 3), 1289, 1364, ...
a,.-Bis[3-(ß-D-glucopyranosylthioharnstoff)propyl]-polydim
ethylsiloxan (59)
257.0 mg (0.56 mmol)
a,.-Bis[3-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosylthioha
rnstoff)-
propyl]-polydimethylsiloxan (57) wurden in 20 ml Methanol
gelöst. Durch Zugabe von
Natriummethanolat wurde ein pH-Wert von ca. 8 eingestellt
und der Ansatz 2 Tage gerührt.
Die Lösung wurde mit Amberlite IR 120 (H+) neutralisiert,
die rote Lösung filtriert, mit
PDMS = (SiMe2O)10SiMe2
C3H6
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NH
S
O
C3H6
O
OAc
AcO
AcO
AcO
NH
S
O
PDMS
98
Aktivkohle versetzt, die nun farblose Lösung erneut
filtriert und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Der Rückstand wurde im
Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: 75.9 mg = 35 %
M = 500 + (74)n g / mol
farbloser Sirup
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 713 (n = 1), 787, 861, 935, 1009, ...
1,6-Diazido-1,6-didesoxy-D-sorbitol (69)
0.99 g (1.65 mmol)
1,6-Diazido-2,3,4,5-tetra-O-benzoyl-1,6-didesoxy-D-sorbito
l (83) wurden
in 20 ml Methanol gelöst, mit 100 mg Natriummethanolat
versetzt und 4 Stunden gerührt. Die
Natriumionen wurden durch Zugabe von Amberlite IR 120 (H+)
entfernt, der Ansatz filtriert
und das Lösungsmittel unter vermindertem Druck abgedampft.
Der Rückstand wurde in 50 ml
Petrolether und 50 ml Wasser aufgenommen und die
organische Phase wurde mehrfach mit
Wasser gewaschen. Anschließend wurden die vereinigten
wäßrigen Phasen noch einmal mit
Petrolether gewaschen und das Wasser durch
Gefriertrocknung entfernt.
Ausbeute: 328 mg (1.41 mmol) = 85 %
M = 232.20 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 62 – 66 °C; Lit.:[79] 64 – 64 °C
[ ]20
D a = + 5.2 ° (c = 1.1, Methanol); Lit.:[79] [ ]20
D a = + 2.74 ° (c = 1.17, Methanol)
1H-NMR (400 MHz, DMSO):
d [ppm] = 3.61 – 3.69 (m, 2H), 3.59 (dd, 1H, J = 1.3 und
5.3), 3.32 (dd, 1H, J = 2.6 und 12.7),
3.28 (dd, 1H, J = 1.2 und 8.7), 3.21 - 3.23 (m, 2H), 3.17
(dd, 1H, J = 6.7 und 12.7).
13C-NMR (100 MHz, DMSO):
d [ppm] = 72.69 / 71.71 / 70.44 / 69.86 (C2 – C5), 54.37 /
53.53 (C1 und C6).
N3
N3
OH
OH
OH
OH
PDMS = (SiMe2O)15SiMe2
C3H6
O
OH
HO
HO
HO
NH
S
NH
C3H6
O
OH
HO
HO
HO
NH
S
NH
PDMS
99
2,3,4,5-Tetra-O-benzoyl-1,6-di-O-trityl-D-sorbitol (70)
1.98 g (10.0 mmol) Sorbitol (60) wurden in 35 ml Pyridin
gelöst und auf 90 °C erwärmt.
Nach der Zugabe von 7.0 g (25.0 mmol) Tritylchlorid wurde
der Ansatz 5.5 Stunden bei
dieser Temperaur gerührt, auf 0 °C herabgekühlt und mit
10.5 ml (90 mmol) Benzoylchlorid
versetzt. Nach 50 Minuten wurde das Eisbad entfernt. Nach
weiteren 24 Stunden wurde der
Ansatz langsam in eine Mischung aus 60 ml Ethanol und 25 g
Eis gegossen. Der sich hierbei
aufgenommen und noch einmal
tropfenweise in 60 ml Ethanol / 30 ml Wasser gegeben. Der
weiße Niederschlag wurde
abfiltriert.
Ausbeute: quantitativ (geringe Verunreinigung im
aromatischen Bereich)
M = 1079.21 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 172 – 174 °C; Lit.:[144] 176.5 °C
[ ]20
D a = + 18.4 ° (c = 1.0, CHCl3), leicht verunreinigt,
s.o.; Lit.:[144] [ ]15
D a = + 43.2 ° (c = 1.0,
CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 2:1) = 0.47
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 6.88 – 7.99 (phenyl), 6.38 (dd, 1H, H4), 6.04
(dd, 1H, H3), 5.50 (ddd, 1H, H2),
5.45 (dvt, 1H, H5), 3.55 (dd, 1H, H6a), 3.42 (dd, 1H,
H6b), 3.34 (dd, 1H, H1a), 3.12 (dd, 1H,
H1b);
J1a,1b = 10.8, J1a,2 = 2.5, J1b,2 = 4.3, J2,3 = 8.4, J3,4
= 2.3, J4,5 = 7.6, J5,6a = 4.2, J5,6b = 3.3, J6a,6b =
10.8 [Hz].
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.).
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 165.98 – 165.06 und 143.99 / 143.08 (quartäre
C), 133.52 – 127.92 (Phenyl CH),
72.90 (C5), 71.39 (C2), 69.85 (C4), 69.45 (C3), 62.29 (C1
und C6).
(Die Numerierung der Atome erfolgte analog.)
TrO
OTr
OBz
OBz
OBz
OBz
100
2,3,4,5-Tetra-O-benzoyl-1,6-dibromo-1,6-didesoxy-D-sorbito
l (71)
4.0 g (3.7 mmol)
2,3,4,5-Tetra-O-benzoyl-1,6-di-O-trityl-D-sorbitol (70)
wurden in 55 ml
Bromwasserstoff in Eisessig (33 %) suspendiert und zwei
Wochen bei Raumtemperatur
gerührt. Daraufhin wurde der aus Tritylbromid bestehende
Niederschlag abfiltriert, der
Filterkuchen zweimal mit jeweils 5 ml Eisessig gewaschen
und das Filtrat mit Dichlormethan
verdünnt, mit gesättigter Natriumhydrogencarbonatlösung
neutralisiert, mit Wasser
gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Nach
Entfernung des Lösungsmittels unter
vermindertem Druck wurde der Rückstand
säulenchromatographisch gereinigt (Laufmittel:
Petrolether / Essigester 7 : 1).
Ausbeute: 1,087 g (1.5 mmol) = 41 %
M = 724.40 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 55 – 57 °C
[ ]20
D a = + 44.0 ° (c = 0.5, CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 2 : 1) = 0.51
Elementaranalyse: CBer = 56.37 % CGef = 55.96 %
HBer = 3.90 % HGef = 3.76 %
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 7.28 – 7.63 (Benzoyl), [6.28 (dd, 1H, J = 2.3
und 7.4), 6.03 (dd, 1H, J = 2.5 und
7.4), 5.56 – 5.62 (m, 2H)](H2 – H5), [4.00 (dd, 1H, J =
4.2 und 11.7), 3.84 (dd, 1H, J = 3.8
und 12.0), 3.80 (dd, 1H, J = 4.1 und 12.0), 3.66 (dd, 1H,
J = 4.8 und 11.7)](H1ab und H6ab).
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 165.41 / 165.32 / 165.29 / 165.16 (Benzoyl C=O),
133.95 / 133.49 / 133.41 /
133.34 (Benzoyl, para-C), 130.05 / 129.99 / 129.84 /
129.82 / 128.72 / 128.47 / 128.40 /
128.30 (Benzoyl, ortho-C und meta-C), 71.00 / 70.24 /
70.16 / 70.14 (C2, C3, C4, C5), 30.55
/ 30.41 (C1 und C6).
Br
Br
OBz
OBz
OBz
OBz
101
1,6-Diisothiocyanato-2,3,4,5-tetra-O-benzoyl-1,6-didesoxy-
D-sorbitol (72)
368.8 mg (0.51 mmol)
2,3,4,5-Tetra-O-benzoyl-1,6-dibromo-1,6-didesoxy-D-sorbito
l (71)
und 341.8 mg (3.52 mmol) Kaliumthiocyanat wurden in 20 ml
Dimethylformamid gelöst und
4.5 Stunden bei 120 °C gerührt. Daraufhin wurde der Ansatz
mit Ethylacetat verdünnt, mit
gesättigter Natriumchloridlösung und zweimal mit Wasser
gewaschen. Die organische Phase
wurde über Natriumsulfat getrocknet, das Lösungsmittel
unter vermindertem Druck entfernt,
der Rückstand in wenig Ethylacetat aufgenommen und in
Petrolether eingerührt. Der
Niederschlag wurde filtriert und an der Ölpumpe
getrocknet.
Ausbeute: 257.5 mg (0.38 mmol) = 75 %
M = 680.75 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 54 – 56 °C
[ ]20
D a = + 43.9 ° (c = 0.5, Chloroform)
Rf (Petrolether / Essigester 2 : 1) = 0.27
Elementaranalyse: CBer = 63.52 % CGef = 63.72 %
HBer = 4.15 % HGef = 4.52 %
NBer = 4.12 % NGef = 3.30 %
IR (KBr): .NCS = 2158, .CO = 1724 [cm-1].
1H-NMR (500 MHz, C6D6):
d [ppm] = 8.14 - 8.35 / 6.98 – 7,21 (m, Benzoyl), 6.14 –
6.17 (m, 2H, H3 und H4), 6.03 (ddd,
1H, H5), 5.95 (ddd, 1H, H2), 2.98 (dd, 1H, H1a), 2.89 (dd,
1H, H6a), 2.85 (dd, 1H, H6b),
2.79 (dd, 1H, H1b);
J1a,1b = 14.7, J1a,2 = 3.5, J1b,2 = 6.5, J2,3 = 6.5, J4,5
= 6.1, J5,6a = 4.1, J5,6b = 7.3, J6a,6b = 14.5 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 165.94 / 165.84 / 165.73 / 165.68 (C=O), 134.25
/ 134.01 / 133.88 / 133.76
(Benzoyl para), 130.75 / 130.54 / 130.48 / 130.34 (Benzoyl
ortho), 129.08 / 128.97 / 128.89 /
128.77 (Benzoyl meta), 71.24 / 70.92 / 70.65 / 70.37 (C2 –
5), 34.92 / 34.86 (C1 und C6).
SCN
OBz
OBz
OBz
OBz
NCS
102
N-(2-aminoethyl)-gluconsäureamid (77)
2.50 g (14.0 mmol) Gluconsäure-d-lacton (41) wurden in 130
ml Methanol suspendiert und
langsam in 20 ml Ethylendiamin eingetropft. Der dabei
entstandene Niederschlag (N,N-Ethan-
1,2-diyl-bis-glucaramid, Ausbeute > 10 %) wurde durch
Filtration entfernt und die Lösung bei
–20 °C gelagert. Nach ungefähr 2 – 3 Wochen begann die
Abscheidung eines weißen
Niederschlages, der nach einer Gesamtlagerzeit von 4
Wochen abgetrennt wurde. Die
Kristalle wurden mit Ethylacetat gewaschen. Im NMR wurde
eine langsame Zersetzung des
Produktes in wäßriger Lösung bei Raumtemperatur
beobachtet.
Ausbeute: 1.72 g (7.2 mmol) = 51 %
M = 238.24 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 115 °C, ohne Umkristallisation; Lit.:[145]
123 °C
[ ]20
D a = + 30.2 ° (c = 1.0, H2O); Lit.:[145] [ ]20
D a = + 31.8 ° (c = 1, H2O)
IR (KBr): .=Amid I = 1651, .NH Deform = 1605, .Amid II =
1543 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 4.10 (d, 1H, H2), 3.86 (bvt, 1H, H3), 3.58 (dd,
1H, H6a), 3.52 (m, 2H, H4 + H5),
3.40 – 3.44 (m, 1H, H6b), 3.13 (dd, 1H, NCH2 a), 3.08 (dd,
1H, NCH2 b), 2.53 (dd, 2H,
NCH2‘);
J2,3 = 3.6, J5,6a = 1.8, J5,6b = 3.1, J6a,6b = ca. 11,
JNCH2 geminal = 13.7 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 73.80 (C2), 72.50 / 71.49 (C4 und C5), 70.75
(C3), 62.99 (C6), 40.86 / 40.07
(NCH2).
Nebenprodukt (N,N-Ethan-1,2-diyl-bis-glucaramid): (78)
M = 416.38 g / mol
OH
HO
OH
O NH
OH
OH
NH2
103
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 181 °C, unter Zersetzung; Lit.:[145] 182 °C
[ ]20
D a = + 31.8 ° (c = 1.3, H2O)
IR (KBr): .=Amid I = 1651, .Amid II = 1548 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 4.11 (d, 1H, H2), 3.88 (m, 1H, H3), 3.61 (d, 1H,
H6a), 3.54 (m, 2H, H4 und H5),
3.45 (m, 1H, H6b), 3.22 (s, 2H, NCH2);
J1,2 = 3.6, J6a,6b = 12 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 175.19 (C1), 73.75 (C2), 72.50 / 71.55 (C4 und
C5), 70.80 (C3), 63.04 (C6), 38.86
(NCH2).
Bis-N-(2-aminoethyl)-galactarsäure-diamid-dihydrochlorid
(82b)
1.63 g (6.8 mmol) Galactarsäuredimethylester (45) wurden
in 40 ml Dimethylsulfoxid gelöst,
mit 40 ml Methanol verdünnt und unter Kühlung mit einem
Eisbad mit 15 ml (22.4 mmol)
Ethylendiamin versetzt. Bereits nach wenigen Minuten
bildete sich ein weißer Niederschlag.
Der Ansatz wurde über Nacht gerührt, filtriert und der
Niederschlag in 50 ml 0.6 molarer
Salzsäure gelöst. Die Lösung wurde unter vermindertem
Druck eingeengt und der Rückstand
dreimal in jeweils 50 ml heißem Methanol suspendiert.
Ausbeute: 2.23 g (6.1 mmol) = 89 %
M = 367.23 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: ab ca. 220 °C Zersetzung
IR (KBr): . [cm-1] = 1660 (Amidbande I), 1612
(N-H-Deform., Amin) 1537 (Amidbande II,
sek. Amid).
OH
HO
HO
OH
O
O
NH
NH
NH3Cl
NH3Cl
OH
HO
OH
O NH
OH
OH
NH
OH
HO
OH
O
OH
OH
104
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 4.30 (s, 2H), 3.89 (s, 2H), 3.43 (bt, 4H), 3.02
(bt, 4H);
J ˜ 6 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 176.97 (C=O), 71.15 (CH), 71.01 (CH), 39.60
(CH2), 37.05 (CH2).
1,6-Diazido-2,3,4,5-tetra-O-benzoyl-1,6-didesoxy-D-sorbito
l (83)
0.701 g (0.97 mmol)
2,3,4,5-Tetra-O-benzoyl-1,6-dibromo-1,6-didesoxy-D-sorbito
l (71) und
0.382 g (5.88 mmol) Natriumazid wurden in 50 ml
Dimethylformamid gelöst und 4 Stunden
bei 80 °C gerührt. Daraufhin wurde der Ansatz mit 80 ml
Chloroform verdünnt, dreimal mit
gesättigter Natriumchloridlösung und zweimal mit Wasser
gewaschen. Die organische Phase
wurde über Natriumsulfat getrocknet, das Lösungsmittel
unter vermindertem Druck entfernt
und der Rückstand an der Ölpumpe getrocknet.
Ausbeute: 0.589 g (0.91 mmol) = 94 %
M = 648.63 g / mol
beiger Feststoff
Schmelzpunkt: 101 – 103 °C
[ ]20
D a = + 15.8 ° (c = 0.9, CHCl3)
Rf (Petrolether / Ethylacetat 2 : 1) = 0.65
Elementaranalyse: CBer = 62.96 % CGef = 61.03%
HBer = 4.35 % HGef = 4.59 %
NBer = 12.96 % NGef = 12.86 %
Die Abweichung im Kohlenstoffgehalt kann auf Spuren von
nicht vollständig entferntem
DMF zurückgeführt werden.
IR (gelöst in Toluol): .NNN = 2106, .CO = 1728 [cm-1].
N3
N3
OBz
OBz
OBz
OBz
105
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 7.28 – 7.92 (Benzoyl), 6.14 (dd, 1H, H4), 5.95
(dd, 1H, H3), 5.59 (dt, 1H, H5),
5.55 (ddd, 1H, H2), 3.84 (bd, 2H, H6ab), 3.79 (dd, 1H,
H1a), 3.59 (dd, 1H, H1b);
J1a,2 = 5.1, J1b,2 = 3.6, J1a,1b = 13.7, J2,3 = 7.4, J3,4
= 2.8, J4,5 = 7.6, J5,6a = ca.4 [Hz].
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.)
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 128.33 – 133.95 (Benzoyl), 71.36 (C5), 70.37
(C2), 69.46 (C3), 69.24 (C4), 50.89
(C6), 50.51 (C1).
(Die Numerierung der Atome erfolgte analog.)
1,6-Diamino-1,6-didesoxy-D-sorbitol-dihydrochlorid (84)
110 mg (0.47 mmol) 1,6-Diazido-1,6-didesoxy-D-sorbit (69)
wurden in 20 ml Methanol
aufgenommen und nach Zugabe von 11 mg Palladium auf
Aktivkohle (10 % Pd) unter einer
Wasserstoffatmosphäre 70 Stunden gerührt. Das
Reaktionsgemisch wurde filtriert und das
Lösungsmittel unter vermindertem Druck entfernt. Der
Rückstand wurde in 4 ml Wasser
aufgenommen und mit 1 ml konz. Salzsäure versetzt. Durch
die Lösung wurde eine Stunde
lang Stickstoff geleitet, das Wasser durch
Gefriertrocknung entfernt und der Rückstand aus
Ethanol umkristallisiert.
Ausbeute: 83 mg (0.33 mmol) = 70 %
M = 253.13 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 199 °C
[ ]20
D a = - 2.5 ° (c = 0.8, H2O)
Elementaranalyse: CBer = 28.47 % CGef = 29.12 %
HBer = 7.17 % HGef = 7.14 %
NBer = 11.07 % NGef = 10.34 %
ClH3N
NH3Cl
OH
OH
OH
OH
106
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 3.95 (ddd, 1H, H5), 3.88 (ddd, 1H, H2), 3.74
(dd, 1H, H4), 3.57 (dd, 1H, H3), 3.29
(dd, 1H, H6a), 3.15 (dd, 1H, H1a), 3.01 (dd, 1H6b), 2.96
(dd, 1H, H1b);
JH1a,H1b = 13.0, JH1a,H2 = 3, JH1b,H2 = 9, JH2,H3 = 8,
JH3,H4 = 2.0, JH4,H5 = 5.1, JH5.H6a = 3, JH5,H6b =
9.5, JH6a,H6b = 13 [Hz].
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.)
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 72.54 (C3), 70.60 (C4), 69.34 (C5), 67.69 (C2),
42.58 / 42.00 (C1 und C6).
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.)
Allyl-2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosid (87)
1.50 g (3.8 mmol) ß-Pentaacetylglucose (86) wurden in 25
ml
gelöst und unter Kühlung mit einem Eisbad mit 2 ml (5 äq.)
Bortrifluoridetherat versetzt.
Nach 15 Minuten wurden 0.9 ml (13 mmol) Allylalkohol
zugegeben und das Eisbad entfernt.
Am nächsten Tag wurde der Ansatz durch Zugabe von
gesättigter Natriumhydrogencarbonat-
Lösung neutralisiert, die organische Phase abgetrennt und
nacheinander mit Natriumchloridlösung
und Wasser gewaschen. Die Lösung wurde über Natriumsulfat
getrocknet, eingeengt
und das Rohprodukt säulenchromatrographisch (Laufmittel:
Petrolether / Essigester 3 : 1) an
Kieselgel gereinigt.
Ausbeute: 0.7 g (1.8 mmol) = 47 %; Lit.:[146] 60.5 %
M = 388.37 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 82 – 83 °C; Lit.:[147] 80 - 82 °C
[ ]20
D a = -21.7 ° (c = 1.0, CHCl3); Lit.:[148] [ ]20
D a = - 23 ° (CHCl3)
Rf (Petrolether / Ethylacetat 1: 1) = 0.51
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OAll
107
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.85 (m, 1H, Allyl CH), 5.28 (dq, 1H, Allyl =CH2
Z), 5.21 (dq, 1H, Allyl =CH2 E),
5.21 (dd, 1H, H3), 5.10 (dd, 1H, H4), 5.03 (dd, 1H, H2),
4.56 (d, 1H, H1), 4.34 (ddvt, 1H,
Allyl OCH2 a), 4.27 (dd, 1H, H6a), 4.15 (dd, 1H, H6b),
4.10 (ddvt, 1H, Allyl OCH2 b), 3.69
(ddd, 1H, H5), 2.09 / 2.05 / 2.03 / 2.01 (4s, 12H, Acetyl
CH3);
J1,2 = 8.1, J2,3 = 9.4, J3,4 = 9.7, J4,5 = 9.7, J5,6a =
5.0, J5,6b = 2.5, J6a,6b = 12.2, JAllyl trans-Kopplung =
17.3, JAllyl cis-Kopplung = 10.2, JAllyl =CH2 = 1.5,
JAllyl =CH,OCH2a = 4.6, JAllyl CH,OCH2b = 6.1, JAllyl
OCH2a,OCH2b = 13.3, JAllylkopplungen, jeweils = 1.5 [Hz].
(cis, trans in Bezug auf das koppelnde
Proton)
13C-NMR (125 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 170.67 / 170.30 / 169.40 / 169.33 (Acetyl C=O),
133.33 (Allyl CH), 117.65 (Allyl
=CH2), 99.56 (C1), 72.89 (C3), 71.81 (C5), 71.32 (C2),
70.03 (Allyl OCH2), 68.48 (C4),
61.97 (C6), 20.74 / 20.67 / 20.62 / 20.59 (Acetyl CH3).
3-O-Allyl-1,2:5,6-di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose
(89)
Zu einer Suspension aus 3 g Natriumhydrid (60 %ige
Suspension in Paraffinöl) und 6 ml
(71 mmol) Allylbromid in 90 ml Toluol wurde eine
Suspension von 11.2 g (43 mmol) 1,2:5,6-
Di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose (88) in 30 ml Toluol
zugetropft. Daraufhin wurde der
Ansatz 30 Minuten unter Rückfluß erhitzt. Nach weiteren 2
Stunden wurden weitere 3 ml
Allylbromid und 2 g Natriumhydrid-Suspension zugesetzt.
Die Reaktion wurde noch weitere
2 Stunden unter Rückfluß fortgeführt und nach Abkühlung
auf Raumtemperatur durch die
Zugabe von zunächst Methanol, dann Wasser, beendet. Der
Ansatz wurde mit Toluol
verdünnt, mit gesättigter Natriumchloridlösung und Wasser
gewaschen, die organische Phase
über Natriumsulfat getrocknet und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt.
Ausbeute: 12.9 g (43 mmol) = quantitativ
M = 300.35 g / mol
gelber Sirup
[ ]20
D a = + 32.3 ° (c = 1.0, CHCl3); Lit.:[149] [ ]20
D a = + 35.2 ° (c = 0.2, CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 4 : 1) = 0.37
O
O
O
O
O
O
108
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.82 (d, 1H, H1), 5.82 (m, 1H, Allyl CH), 5.24
(ddd, 1H, Allyl =CH2 Z), 5.13 (ddd,
1H, Allyl =CH2 E), 4.47 (d, 1H, H2), 4.25 (dt, 1H, H5),
4.07 – 4.04 (m, 3H, H4 und Allyl
OCH2), 4.03 (dd, 1H, H6a), 3.93 (dd, 1H, H6b), 3.88 (d,
1H, H3), 1.43 / 1.36 / 1.29 / 1.24 (s,
je 3H, -CH3);
J1,2 = 3.6, J2,3 = 0, J3,4 = 3.1, J4,5 = 7.6, J5,6 = 6.1,
J6a,6b = 8.6, JAllyl cis-Kopplung = 10.2, JAllyl trans-
Kopplung = 17.3, JAllyl =CH2 gem. = 3.1, JAllyl CH,OCH2 =
5.6, JAllyl OCH2,=CH2 ˜ 1.5 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 134.57 (Allyl CH), 117.74 (Allyl =CH2), 105.65
(C1), 83.19 (C2), 81.80 (C3),
81.58 (C4), 72.91 (C5), 71.76 (Allyl OCH2), 67.70 (C6),
27.25 / 27.23 / 26.66 / 25.83 (-CH3).
3-O-Allyl-a/ß-D-glucopyranose (90)
10.0 g (33 mmol)
3-O-Allyl-1,2:5,6-di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose
(89) wurden in
100 ml Wasser suspendiert, mit 17 g Amberlite IR 120 (H+)
versetzt, 7 Stunden bei 60 °C und
weitere 17 Stunden bei Raumtemperatur gerührt. Daraufhin
wurde der Ionenaustauscher
abfiltriert, mit Wasser gewaschen und das Filtrat unter
vermindertem Druck eingeengt. Der
lachsfarbene, feste Rückstand wurde in Essigester,
versetzt mit wenig Ethanol, in der Hitze
gelöst. Der beim Erkalten ausfallende Niederschlag wurde
abfiltriert, das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt und der Rückstand im
Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: 7.1 g (32 mmol) = 97 %
Anomerenverhältnis: a / ß = 55 : 45
M = 220.22 g / mol
weißer Feststoff
Rf (Essigester / Methanol 4 : 1) = 0.6
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 5.95 – 6.06 (m, 1H, Allyl CH), 5.28 (bd, 1H,
Allyl =CH2 HZ), 5.11 (bd, 1H, Allyl
=CH2 HE), 5.07 (d, 1Ha, H1a), 4.46 (d, 1Hß, H1ß), 4.35 (m,
2H, Allyl OCH2), 3.84 (dd, 1Ha,
H6aa), 3.79 (dd, 1Hß, H6aß), 3.78 (m, 1Hß, H4ß), 3.75 (m,
1Ha, H4a), 3.68 (dd, 1Hß,
O
OH
O
HO
HO
OH
109
H6bß), 3.64 (dd, 1Ha, H6ba), 3.53 (vt, 1Ha, H3a), 3.41
(dd, 1Ha, H2a), 3.24 - 3.35 (m, 1Ha
+ 1Hß, H5aß), 3.16 – 3.23 (m, 2Hß, H2ß und H3ß);
JAllyl trans-Kopplung = 17.3, JAllyl cis-Kopplung = 11.2
a-Anomer:
J1,2 = 3.6, J2,3 = 9.5, J3,4 = 9.2, J5,6a = 2.5, J5,6b =
5.6, J6a,6b = 12 [Hz].
ß-Anomer:
J1,2 = 7.6, J5,6a = 2.5, J5,6b = 5.6, J6a,6b = 12 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 136.04 / 135.92 (Allyl CH), 115.59 / 115.51
(Allyl =CH2), 97.11 (C1ß), 92.97
(C1a), 84.83 (C3ß), 81.97 (C3a), 76.82 / 70.43 (C5aß),
75.20 (C2ß), 74.12 / 73.93 (Allyl
OCH2), 72.73 (C2a), 71.90 (C4aß), 61.70 / 61.56 (C6aß).
1,2,4,6-Tetra-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranose (91)
33 g (150 mmol) 3-O-Allyl-a/ß-D-glucopyranose (90). wurden
portionsweise so zu einer auf
120 °C erwärmten Suspension von 25 g Natriumacetat in 120
ml Essigsäureanhydrid
gegeben, daß die Temperatur im Inneren des Kolbens nicht
über 120 °C stieg. Nach beendeter
Zugabe wurde der Ansatz weitere 2 Stunden bei 120 °C im
Ölbad gerührt, auf
Raumtemperatur gebracht und in 500 ml Eiswasser gegossen,
mit ungefähr 200 ml
Chloroform nachgewaschen und die Mischung über Nacht
gerührt. Die organische Phase
wurde abgetrennt und die wäßrige Phase zweimal mit
Chloroform extrahiert. Die vereinigten
organischen Phasen wurden mit gesättigter
Natriumhydrogencarbonatlösung neutralisiert,
zweimal mit Wasser gewaschen, über Natriumsulfat
getrocknet und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Der dünnflüssige Sirup wurde
rasch in Diethylether
aufgenommen, wobei es zur spontanen Ausfällung von 14.1 g
(36 mmol = 24 %) reinem
Produkt kam, das abfiltriert und mit Petrolether gewaschen
wurde. Durch Zugabe von
Petrolether konnte eine weitere Abscheidung des Produktes
erzielt werden.
Ausbeute: 26.85 g (69.2 mmo) = 46 %
M = 388.37 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 120.0 – 120.3 °C; Lit.:[150] 119 – 120 °C
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc
110
[ ]20
D a = + 14.3 ° (c = 1.0, CHCl3); Lit.:[150] [ ]22
D a = + 4.7 ° (c = 1.3, CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 1:1) = 0.45
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.71 (ddt, 1H, Allyl CH), 5.58 (d, 1H, H1), 5.15
(ddt, 1H, Allyl =CH2 Z), 5.09 (ddt,
1H, Allyl =CH2 E), 5.04 (dd, 1H, H2), 5.03 (vt, 1H, H4),
4.16 (ded, 1H, H6a), 4.03 (dd, 1H,
H6b), 4.01 – 4.02 (m, 2H, Allyl OCH2), 3.66 (ddd, 1H, H5),
5.58 (vt, 1H, H3), 2.03 / 2.02 /
2.01 (s, 3H / 3H / 6H, Acetyl CH3);
J1,2 = 8.1, J2,3 = 9.3, J3,4 ˜ 9.5, J4,5 = 9.9, J5,6a =
5.1, J5,6b = 2.3, J6a,6b ˜ 12.3, JAllyl trans-Kopplung =
17.3, JAllyl cis-Kopplung = 10.4 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 171.12 / 169.63 / 169.62 / 169.43 (Acetyl C=O),
134.44 (Allyl CH), 117.63 (Allyl
=CH2), 92.39 (C1), 80.11 (C3), 73.51 (Allyl OCH2), 73.43
(C5), 71.91 (C2), 69.42 (C4),
62.23 (C6), 21.26 / 21.21 / 21.17 / 21.14 (Acetyl CH3).
N-Allyl-gluconsäureamid (94)
3.50 g (19.6 mmol) Gluconsäure-d-lacton (41) wurden in 20
Ethanol gelöst und mit 1.47 ml
(19.6 mmol) Allylamin versetzt. Nach 30 Minuten wurde der
Ansatz mit weiteren 10 ml
Ethanol verdünnt, 30 Minuten bei Raumtemperatur gerührt
und danach 2 Stunden auf 60 °C
erwärmt. Der Ansatz wurde auf Raumtemperatur abgekühlt und
am nächsten Tag der weiße
Niederschlag abfiltriert.
Ausbeute: 3.92 g (16.6 mmol) = 85 %
M = 235.23 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 124 °C; Lit.:[118] 125 – 127 °C
[ ]20
D a = + 27.7 ° (c = 1.1, H2O)
IR (KBr): .=Amid I = 1641 - 1651, .Amid II = 1543 [cm-1].
OH
HO
OH
O NH
OH
OH
111
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 6.06 (ddt, 1H, Allyl CH), 5.40 (ddd, 1H, Allyl
=CH2 Z), 5.34 (ddd, 1H, Allyl =CH2
E), 4.53 (d, 1H, H2), 4.28 (vt, 1H, H3), 4.05 – 4.06 (m,
2H, Allyl NCH2), 4.01 (dd, 1H, H6a),
3.93 – 3.95 (m, 2H, H4 und H5), 3.82 – 3.86 (m, 1H, H6b);
J2,3 = 3.6, J3,4 ˜ 3, JH6a,H6b = 11.7, Jallylisch= 1.8,
JAllyl cis-Kopplung = 10.4, JAllyl trans-Kopplung = 17.3,
JAllyl OCH2, Allyl CH = 4.8 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 136.35 (Allyl CH), 118.41 (Allyl =CH2), 76.44
(C2), 75.20 / 74.07 (C4 + C5),
73.31 (C3), 65.57 (C6), 44.17 (Allyl NCH2).
N-Allyl-2,3,4,5,6-penta-O-trimethylsilyl-gluconsäureamid
(95)
2.00 g (8.5 mmol) N-Allyl-gluconsäureamid (94) wurden in
20 ml Dichlormethan suspendiert,
mit 8 ml Hexamethyldisilazan und 2 ml
Trimethylsilylchlorid versetzt und 24 Stunden unter
Rückfluß gerührt. Der Ansatz wurde auf Raumtemperatur
abgekühlt, verdünnt, mit gesättigter
Natriumhydrogencarbonatlösung und zweimal mit Wasser
gewaschen. Die organische Lösung
wurde über Natriumsulfat getrocknet, Dichlormethan unter
vermindertem Druck entfernt und
das verbliebene farblose Öl im Ölpumpenvakuum
vorgetrocknet. Eine vollständige
Trocknung wurde erreicht, indem der Rückstand bei – 20 °C
zum Kristallisieren gebracht
wurde. Erst jetzt konnten die verbliebenen flüssigen
Komponenten im Vakuum problemlos
entfernt werden.
Ausbeute: 4.74 g (8.0 mmol) = 94 %
M = 595.71 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 42 – 43 °C
[ ]20
D a = + 46 ° (c = 1.1, CHCl3)
Rf (Petrolether / Ethylacetat 4 : 1) = 0.70
Elementaranalyse: CBer = 48.35 % CGef = 48.04 %
HBer = 9.64 % HGef = 9.48 %
NBer = 2.35 % NGef = 2.53 %
OTMS
TMSO
OTMS
O NH
OTMS
OTMS
112
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OC3H6
O
OAc
AcO
AcO
AcO
OC3H6
PDMS
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
IR (KBr): .=Amid I = 1662, .Amid II = 1527 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 6.43 (t, 1H, NH), 5.73 (ddt, 1H, Allyl CH), 5.11
(ddd, 1H, Allyl =CH2 Z), 5.03
(ddd, 1H, Allyl =CH2 E), 4.13 (d, 1H, H2), 3.95 (ddt, 1H,
Allyl NCH2 a), 3.84 (dd, 1H, H3),
3.63 (dd, 1H, H4), 3.63 – 3.53 (m, 3H, H5, H6a, Allyl NCH2
b), 3.37 (dd, 1H, H6b), 0.07 /
0.03 / 0.01 / 0.00 / -0.04 (s, je 9H, SiCH3);
J2,3 = 2.5, J3,4 = 7.6, J4,5 = 5.1, J5,6a = 2.8, J5,6b =
6.1, J6a,6b = 10.4, Jallylisch= 1.5, JAllyl cis-Kopplung =
10.5, JAllyl trans-Kopplung = 17.3, JAllyl NCH2, Allyl CH
= 6, JNH,NCH2 = 5.5, JAllyl NCH2 (gem) = 12.2 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 133.55 (Allyl CH), 116.16 (Allyl =CH2), 75.86
(C5), 75.22 (C2), 73.21 (C3), 71.68
(C4), 63.43 (C6), 40.86 (NCH2), 0.22 / 0.09 / -0.08 /
-0.37 / -1.16 (SiCH3).
Umsetzung von
Allyl-2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosid (87) mit
VP 1085
a,.-Bis[3-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosyl)propy
l]-polydimethylsiloxan (100)
Eine Lösung von 517.8 mg (1.33 mmol C=C)
Allyl-2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-Dglucopyranosid
(87) in 5 ml Toluol wurde nach AAV1 bei 80 °C umgesetzt.
Nach 1 Stunde
war die Reaktion beendet.
Ausbeute: quantitativ
farbloser Sirup
M = 836 + (74)n g / mol
[ ]20
D a = - 4 ° (c = 1.0, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.13 (vt, 1H, H3), 5.02 (vt, 1H, H4), 4.92 (dd,
1H, H2), 4.43 (d, 1H, H1), 4.19 (dd,
1H, H6a), 4.06 (dd, 1H, H6b), 3.76 (dt, 1H, OCH2 a), 3.61
(ddd, 1H, H5), 3.36 (dt, 1H,
OCH2 b), 2.01 / 1.96 / 1.95 / 1.93 (s, je 3H, Acetyl CH3),
1.50 – 1.56 (m, ca. 2H, CH2-CH2-
CH2), 0.36 – 0.50 (m, 2H, SiCH2), 0.04 – 0.12 (m, ca. 39H,
PDMS);
113
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
O
OH
HO
HO
HO
OC3H6
O
OH
HO
HO
HO
OC3H6
PDMS
J1,2 = 7.9, J2,3 = 9.4, J3,4 ˜ 9.5, J4,5 = 9.7, J5,6a =
4.7, J5,6b = 2.3, J6a,6b = 12.2, JOCH2 a,b= 9.4,
JOCH2a, CH2-CH2-CH2 = 6.8, JOCH2b, CH2-CH2-CH2 = 7.1 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 99.81 (C1), 71.89 (C3), 71.70 (OCH2), 70.72
(C5), 70.35 (C2), 67.46 (C4), 60.97
(C6), 22.25 (CH2-CH2-CH2), 19.66 / 19.56 / 19.53 (Acetyl
CH3), 12.86 (SiCH2), 0.10 / - 0.01
/ -0.96 (PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 1081 (n = 3), 1155, 1229, 1303, ...
[M + K]+ : 1097 (n = 3), 1171, 1245, 1319, ...
a,.-Bis[3-(ß-D-glucopyranosyl)propyl]-polydimethylsiloxan
(101)
410.7 mg (0.56 mmol)
a,.-Bis[3-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyranosyl)propy
l]-polydimethylsiloxan
(100) wurden in 10 ml Methanol gelöst. Durch Zugabe von
Natriummethanolat
wurde ein pH-Wert von ca. 8 eingestellt und der Ansatz 11
Tage gerührt. Die Lösung wurde
mit Amberlite IR 120 (H+) neutralisiert, filtriert und das
Lösungsmittel unter vermindertem
Druck entfernt. Der Rückstand wurde im Ölpumpenvakuum
getrocknet.
Ausbeute: 219.1 mg
M = 500 + (74)n g / mol
leicht rötlicher Sirup
[ ]20
D a = - 13.0 ° (c = 1.0, Methanol)
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 4.16 (d, 1H, H1), 3.74 – 3.79 (m, 2H, OCH2a und
H6a), 3.57 (dd, 1H, H6b), 3.44
(dt, 1H, OCH2b), 3.25 (dd, 1H, H3), 3.17 – 3.19 (m, 2H, H4
und H5), 3.08 (dd, 1H, H2), 1.54
– 1.61 (m, 2H, CH2-CH2-CH2), 0.54 – 0.59 (m, 2H, SiCH2),
-0.03 – 0.01 (m, 20H, PDMS);
J1,2 = 7.9, J2,3 = 8.8, J3,4 = 8.8, J5,6b = 5.3, J6a,6b =
12.0, JOCH2 gem. = 9.7, JOCH2, CH2CH2CH2 = 6.9
[Hz].
114
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc
C3H6
O
OAc
O
AcO
AcO
OAc
C3H6
PDMS
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 107.09 (C1), 80.85 (C3), 80.64 (C4 oder C5),
77.86 (C2), 76.06 (OCH2), 74.41 (C4
oder C5), 65.53 (C6), 27.17 CH2-CH2-CH2), 15.42 (SiCH2),
2.86 / 1.29 / 1.03 / -0.01 / -1.53
(PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 597 (n = 1), 671, 745, 819, ...
[M + K]+ : 613 (n = 1), 687, 761, 835, ...
Umsetzung von
1,2,4,6-Tetra-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranose (91)
mit VP 1085
a,.-Bis[3-(1,2,4,6-tetra-O-acetyl-3-O-yl-ß-D-glucopyranose
)propyl]-polydimethylsiloxan
(102)
Eine Lösung von 499.9 mg (1.29 mmol C=C)
1,2,4,6-Tetra-O-acetyl-3-O-allyl-ß-Dglucopyranose
(91) in 5 ml Toluol wurde nach AAV1 bei 80 °C umgesetzt.
Nach 2 Stunden
war die Reaktion beendet.
Ausbeute: quantitativ
farbloser Sirup
M = 836 + (74)n g / mol
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.57 (d, 1H, H1), 5.03 (dd, 1H, H2), 5.01 (vt,
1H, H4), 4.16 (dd, 1H, H6a), 4.03
(dd, 1H, H6b), 3.66 (ddd, 1H, H5), 3.51 (vt, 1H, H3), 3.41
– 3.45 (m, 2H, OCH2), 2.04 / 2.01 /
2.00 (s, 3H / 6H / 3H, Acetyl CH3), 1.39 – 1.46 (m, 2H,
CH2-CH2-CH2), 0.36 – 0.40 (m, 2H,
SiCH2), -0.04 – 0.03 (m, 27H, PDMS);
J1,2 = 8.1, J2,3 = 9.3, J3,4 = 9.4, J4,5 = 9.4, J5,6a =
4.8, J5,6b = 2.3, J6a,6b = 12.5 [Hz].
115
O
OH
O
HO
HO
C3H6
OH
PDMS O
OH
O
HO
HO
C3H6
OH
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
13C-NMR (125 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 169.67 / 168.21 / 168.09 / 167.90 (Acetyl C=O),
90.98 (C1), 79.32 (C3), 74.22
(OCH2), 71.99 (C5), 70.46 (C2), 67.98 (C4), 60.76 (C6),
22.87 (CH2-CH2-CH2), 19.81 / 19.73
/ 19.68 (Acetyl CH3), 12.99 (SiCH2), 0.10 / -0.01 / - 0.21
/ - 0.32 / - 0.38 / -1.00 (PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 1008 (n = 2), 1082, 1156, 1230, 1304, ...
[M + K]+ : 1024 (n = 2), 1098, 1172, 1246, 1320, ...
a,.-Bis[3-(3-O-yl-a/ß-D-glucopyranose)propyl]-polydimethyl
siloxan (103)
754.0 mg (1.0 mmol)
a,.-Bis[3-(1,2,4,6-tetra-O-acetyl-3-O-yl-ß-D-glucopyranose
)propyl]-
polydimethylsiloxan (102) wurden in 20 ml Methanol gelöst.
Durch Zugabe von
Natriummethanolat wurde ein pH-Wert von ca. 8 eingestellt
und der Ansatz 1 Woche gerührt.
Die Lösung wurde mit Amberlite IR 120 (H+) neutralisiert,
filtriert und das Lösungsmittel
unter vermindertem Druck entfernt. Der Rückstand wurde im
Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: 378.8 mg
Anomerenverhältnis: a / ß = 1 : 1.5
M = 500 + (74)n g / mol
farbloses Wachs
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 4.98 (d, 1H, H1a), 4.37 (d, 1.5H, H1ß), 3.06 –
3.75 (m, ca. 40 H), 1.56 (m, 10H,
CH2-CH2-CH2), 0.43 – 0.54 (m, 10H, SiCH2), -0.03 – 0.01
(m, ca. 100H, PDMS);
J1,2a = 3.5, J1,2ß = 7 [Hz].
116
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 96.81 (C1a), 92.61 (C1ß), 84.97, 82.01, 76.51,
75.80 / 74.75 (OCH2), 75.57,
72.31, 71.59, 70.09, 70.00, 64.16 / 61.39 (C6aß), 23.61
(CH2-CH2-CH2), 13.68 / 13.62
(SiCH2), -0.01 (PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 597 (n = 1), 671, 745, ...
[M + K]+ : 613 (n = 1), 687, 759, ...
Umsetzung von
3-O-Allyl-1,2:5,6-di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose
(89) mit
VP 1085
a,.-Bis[3-(1,2:5,6-di-O-isopropyliden-a-D-glucofuranose)pr
opyl]-polydimethylsiloxan (104)
Eine Lösung von 262.5 mg (0.87 mmol C=C)
3-O-Allyl-1,2:5,6-di-O-isopropyliden-a-Dglucofuranose
(89) in 2 ml Tetrahydrofuran wurde nach AAV1 bei 80 °C
umgesetzt. Nach 2.5
Stunden wurde die Reaktion beendet.
Ausbeute: quantitativ
M = 660 + (74)n g / mol
leicht gelbliche Flüssigkeit
[ ]20
D a = - 12.5 ° (c = 1.4, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 5.69 (d, 1H, H1), 4.36 (dt, 1H, H5), 4.22 – 4.25
(m, 2H, H3 und H4), 4.00 (dd, 1H,
H6a), 3.91 (dd, 1H, H6b), 3.78 (d, 1H, H2), 3.18 – 3.23
(m, 2H, OCH2), 1.43 – 1.49 (m, 2H,
CH2CH2CH2), 1.25 / 1.22 / 1.13 / 0.94 (s, je 3H, CH3),
0.39 – 0.44 (SiCH2), -0.03 – 0.07 (m,
46H, PDMS);
J1,2 = 3.6, J2,3 = 0, J4,5 = 7.9, J5,6a = 6, J5,6b = 6,
J6a,6b = 8.6 [Hz].
O
O
O
O
O
O
C3H6 PDMS
O
O
O
O
O
O
C3H6
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
117
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 104.50 (C1), 81.84 / 81.42 / 80.57 (C2, C3 und
C4), 72.03 (OCH2), 71.71 (C5),
66.41 (C6), 25.74 / 25.01 / 24.84 / 24.30 (CH3), 22.68
(CH2CH2CH2), ca. 10 (SiCH2), 0.00 / -
1.08 (PDMS).
(Quartäre C-Atome und die an Silizium gebundenen Atome
besaßen eine äußerst geringe
Intensität im aufgenommenen DEPT-Spektrum. Die
Methylengruppe SiCH2 konnte nur im
HMQC gesehen werden. Auf weitere
NMR-Zuordnungs-Experimente wurde verzichtet.)
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 905 (n = 3), 979, 1053, 1127, ...
[M + K]+ : 921 (n = 3), 995, 1069, 1143, ...
a,.-Bis[3-(methyl-D-glucopyranosid)propyl]-polydimethylsil
oxan (105)
Eine Lösung von 104.7 mg 104 in 5 ml Methanol wurde mit 50
µl Acetylbromid versetzt.
Nach 2 Tagen wurde das Lösungsmittel unter vermindertem
Druck entfernt.
Ausbeute: quantitativ
M = 528 + (74)n g / mol
brauner Sirup
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 625 (n = 1), 699, 773, 847, ...
[M + K]+ : 641 (n = 3), 715, 789, 863, ...
O
OH
O
HO
HO
C3H6
OMe
PDMS O
OH
O
HO
HO
C3H6
OMe
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
118
Umsetzung von
N-Allyl-2,3,4,5,6-penta-O-trimethylsilyl-gluconsäureamid
(95) mit
VP 1085
a,.-Bis[3-(2,3,4,5,6-penta-O-trimethylsilyl-gluconsäureami
do)propyl]-polydimethylsiloxan
(106)
Eine Lösung von 1.057 g (1.77 mmol C=C)
N-Allyl-2,3,4,5,6-penta-O-trimethylsilylgluconsäureamid
(95) in 2 ml
0.5749 g (1.76
mmol SiH) VP 1085 bei 85 °C umgesetzt. Nach 3 Stunden war
die Reaktion beendet.
Ausbeute: quantitativ
M = 1250 + (74)n g / mol
farbloses Öl
[ ]20
D a = + 25.8 ° (c = 1.3, CHCl3)
IR (NaCl/THF): .=Amid I = 1676, .Amid II = 1522 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 6.33 (s, 1H, NH), 4.35 (d, 1H, H2), 4.13 (dd,
1H, H3), 3.89 (d, 1H, H4), 3.78 –
3.80 (m, 2H, H5 und H6a), 3.57 (dd, 1H, H6b), 3.41 (dt,
1H, NCH2a), 2.79 – 2.87 (m, 1H,
NCH2b), 1.32 – 1.36 (m, 2H, CH2-CH2-CH2), 0.33 – 0.37 (t,
2H, SiCH2), -0.01 – 0.19 (m,
108H, SiCH3);
J2,3 = 2.8, J3,4 = 7.4, J4,5 = 5.3, J5,6b = 6.4, J6a,6b =
11, JNCH2 geminal = 13.2, JNCH2 vicinal = 7,
JSiCH2,CH2 = 8.6 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 76.18 (C5), 75.51 (C2), 73.77 (C3), 71.79 (C4),
63.73 (C6), 41.22 (NCH2), 23.30
(CH2-CH2-CH2-), 14.90 (SiCH2), 0.54 / 0.46 / 0.21 / -0.01
/ -0.11 / -0.56 / -0.64 / -1.35 / -1.43
(SiCH3).
MALDI-TOF (nor-Harman):
[M + H]+ : 1473 (n = 3), 1547, 1621, 1695, ...
[M + Na]+ : 1495 (n = 3), 1569, 1643, 1717, ...
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
NH
O OTMS
OTMS OTMS
TMSO
OTMS
C3H6
NH
O OTMS
OTMS OTMS
TMSO
OTMS
C3H6
PDMS
119
a,.-Bis[3-(gluconsäureamido)-propyl]-polydimethylsiloxan
(107)
141.5 mg (0.076 mmol)
a,.-Bis[3-(2,3,4,5,6-penta-O-trimethylsilyl-gluconsäureami
do)-
propyl]-polydimethylsiloxan (106) wurden für 45 Minuten in
15 ml Methanol unter Rückfluß
gerührt. Dabei wurde eine klare, farblose Lösung erhalten.
Das Lösungsmittel wurde unter
vermindertem Druck entfernt und der Rückstand im
Ölpumpenvakuum getrocknet.
Ausbeute: 88.4 mg (quantitative Abspaltung der
TMS-Gruppen)
farbloses Wachs
M = 530 + (74)n g / mol
Schmelzbereich: 92 – 105 °C, Maximum bei 100.8 °C
[ ]20
D a = + 4.0 ° (c = 1.0, Methanol)
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 4.11 (d, 1H, H2), 4.00 (vt, 1H, H3), 3.68 (dd,
1H, H6a), 3.57 – 3.63 (m, 2H, H4 +
H5), 3.53 (dd, 1H, H6b), 3.05 – 3.18 (m, 2H, NCH2), 1.43 –
1.51 (m, 2H, CH2-CH2-CH2),
0.47 – 0.52 (SiCH2), 0.01 / 0.00 / -0.01 / -0.03 (m, 26H,
PDMS);
J2,3 = 3.1, J3,4 = 2.8, J5,6a = 2.7, J5,6b = 5.1, J6a,6b =
11.0 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 173.56 (C=O), 73.94 (C2), 72.95 / 71.63 (C4 +
C5), 70.49 (C3), 63.38 (C6), 41.77
(NCH2), 23.07 (CH2-CH2-CH2-), 14.94 (SiCH2), 0.00 / -1.09
(PDMS).
MALDI-TOF (DHB):
[M + Na]+ : 775 (n = 3), 849, 923, 997, ...
[M + K]+ : 791 (n = 3), 865, 939, 1013, ...
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
NH
O
OH OH
HO
OH
C3H6
OH
NH
O
OH OH
HO
OH
C3H6
OH
PDMS
120
Umsetzung von
Methyl-4,6-di-O-(4'-O-allyl-benzyliden)-a-D-glucopyranosid
(99) mit
VP 1085
a,.-Bis[3-(methyl-4,6-di-O-(benzyliden-4-yl)-a-D-glucopyra
nosid)propyl]-
polydimethylsiloxan (108)
Eine Lösung von 350.0 mg (1.04 mmol C=C)
Methyl-4,6-di-O-(4'-O-allyl-benzyliden)-a-Dglucopyranosid
(99) in 2.2 ml Tetrahydrofuran wurde nach AAV1 bei 80 °C
mit VP 1085
umgesetzt. Nach 2 Stunden war die Reaktion beendet.
Ausbeute: quantitativ
gelblicher Sirup
M = 736 + (74)n g / mol
1H-NMR (400 MHz, C6D6 / Methanol-d4 2 : 1):
d [ppm] = 7.33 / 6.69 (d, je 2H, Phenyl), 5.25 (Benzyliden
CH), 4.51 (d, 1H, H1), 3.98 (dd,
1H, H6a), 3.83 (vt, 1H, H3 oder H4), 3.63 (dd, 1H, H6b),
3.53 (t, 2H, OCH2), 3.44 (dd, 1H,
H2), 3.24 - 3.29 (m, 2H, H5 und H3/4), 3.04 (s, 3H, OCH3),
1.52 - 1.60 (m, 2H, CH2-CH2-
CH2), 0.41 - 0.45 (m, 2H, SiCH2), 0.00 / -0.05 / -0.07
(ca. 40H, PDMS);
J1,2 = 3.7, J2,3 = 9.5, J3,4 = 9.4, J5,6a = 5, J5,6b =
4.5, J6a,6b = 10.4, JOCH2,CH2 = 6.7 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6 / Methanol-d4 2 : 1):
d [ppm] = 113.15 (Phenyl) 101.07 (Benzyliden CH), 99.86
(C1), 80.82 / 72.20 / 70.19 (CH),
69.39 / 68.07 (C6 und OCH2), 61.90 (CH), 53.93 (OCH3),
22.42 (CH2-CH2-CH2), 0.00
(PDMS).
(Die Resonanzen der an Si gebundenen C-Atome wiesen eine
äußerst geringe Intensität auf,
so daß die an Si gebundene Methylengruppe nicht mehr
detektiert werden konnte.)
MALDI-TOF (DHB):
[M + K]+ : 997 (n = 3), 1071, 1145, 1219, ...
O
O O
OH
HO
OCH3
O C3H6
O
O O
OH
HO
OCH3
O C3H6
PDMS
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
121
1,4:3,6-Dianhydro-2,5-di-O-allyl-D-sorbitol (109)
15.4 g (106 mmol) Dianhydro-D-sorbitol (62) wurden in 100
ml Tetrahydrofuran gelöst. Der
Lösung wurden nacheinander 12.3 g (321 mmol) Natriumhydrid
(60%-ige Suspension in
Paraffinöl) und 34 ml (402 mmol) Allylbromid zugeführt.
Nach beendeter Zugabe wurde der
Ansatz 3 Stunden unter Rückfluß erhitzt. Der Ansatz wurde
auf Raumtemperatur abgekühlt,
überschüssiges Natriumhydrid durch Zugabe von Wasser
zerstört und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Der gelbliche, flüssige
Rückstand wurde im Vakuum (2 -
5 mm) bei 132 °C destilliert (Siedepunkt:[151]185 °C / 40
mm.).
Ausbeute: 21.9 g (97 mmol) = 92 %
M = 226.27 g / mol
farblose Flüssigkeit
[ ]20
D a = + 83 ° (c = 1.1, CHCl3); Lit.:[152] [ ]20
D a = + 88 ° (c = 0.6, CHCl3)
25
D n = 1.48; Lit.:[151] 21
D n = 1.48
Rf (Petrolether / Essigester 1:1) = 0.60
IR: .=C-H = 3079, .C=C = 1647 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.88 (ddt, 1H, Allyl CH), 5.82 (ddt, 1H, Allyl
CH‘), 5.24 / 5.22 (ddt, je 1H, Allyl
=CH2 Z), 5.14 / 5.13 (ddt, je 1H, Allyl =CH2 E), 4.56 (vt,
1H, H4), 4.45 (d, 1H, H3), 4.14
(ddvt, 1H, Allyl OCH2), 3.90 – 4.01 (m, 7H, 3 x Allyl
OCH2, H1a, H1b, H2, H5), 3.86 (dd,
1H, H6a), 3.53 (vt, 1H, H6b);
J3,4 = 4.3, J4,5 = 4.4, J5,6a = 6.8, J5,6b = 8.4, J6a,6b =
8.4, Jallylisch= 1.5, JAllyl cis-Kopplung = 10.4, JAllyl
trans-Kopplung ˜ 17, JAllyl OCH2, Allyl CH ˜ 6, JAllyl
OCH2 (gem) = 12.5 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 134.93 / 134.60 (Allyl CH), 118.17 / 117.86
(Allyl =CH2), 86.77 (C3), 84.21
(tertiär), 80.64 (C4), 79.88 (tertiär), 73.87 (sekundär),
72.05 (Allyl OCH2), 70.94 (sekundär),
70.25 (C6).
O
O
O H
H O
122
Bis-(N-allyl)-galactarsäure-diamid (110)
1.00 g (4.2 mmol) Galactarsäuredimethylester (45) wurden
in 20 ml Methanol suspendiert,
mit 0.75 ml (10 mmol) Allylamin versetzt und 7 Stunden
unter Rückfluß erhitzt. Danach
wurde der Ansatz über Nacht bei –20 °C aufbewahrt und
filtriert. Der Niederschlag wurde mit
Diethylether gewaschen.
Ausbeute: 1.14 g (4.0 mmol) = 95 %
M = 288.28 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: ab 207 °C beginnt die Zersetzung; Lit.:[118]
207 – 210 °C
IR (KBr): .=Amid I = 1631, .Amid II = 1539 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, D2O):
d [ppm] = 6.00 (ddt, 2H, Allyl =CH), 5.32 (ddd, 2H, Allyl
=CH2 Z), 5.26 (ddd, 2H, Allyl
=CH2 E), 4.57 (s, 2H, H2 und H5), 4.16 (s, 2H, H3 und H4),
4.03 (ddt, 2H, Allyl NCH2 a),
3.97 (ddt, 2H, Allyl NCH2 b);
Jallylisch= 1.8, JAllyl cis-Kopplung = 10.4, JAllyl
trans-Kopplung = 17.3, JAllyl NCH2, Allyl CH = 4.8, JAllyl
NCH2
gem. = 16.3 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, D2O):
d [ppm] = 175.07 (C=O), 133.88 (Allyl CH), 115.63 (Allyl
=CH2), 71.12 / 71.10 (C2/5 und
C3/4), 41.59 (Allyl NCH2).
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilyl-galactarsäure
-diamid (111)
501.6 mg (1.7 mmol) Bis-(N-allyl)-galactarsäure-diamid
(110) wurden in 5 ml Dichlormethan
suspendiert und mit 2 ml (15.9 mmol) Hexamethyldisilazan
und 6 mg Ammoniumchlorid
versetzt. Nachdem die Umsetzung nur sehr langsam
fortschritt, wurde nach 6 Tagen 1 ml
Trimethylchlorsilan zugegeben und der Ansatz 10 Tage
gerührt. Daraufhin wurde er mit
Dichlormethan verdünnt, mit Wasser gewaschen, über
Natriumsulfat getrocknet und das
Lösungsmittel unter vermindertem Druck entfernt.
OH
HO
HO
OH
O
O
NH
NH
123
Ausbeute: 939.7 mg (1.6 mmol) = 94 %
M = 577.02 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 106 – 107 °C
Elementaranalyse: CBer = 49.96 % CGef = 50.18 %
HBer = 9.08 % HGef = 9.07 %
NBer = 4.85 % NGef = 4.98 %
IR (KBr): .=Amid I = 1660, .Amid II = 1518 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 6.31 (t, 2H, NH), 5.46 (ddt, 2H, Allyl CH), 4.82
(ddt, 2H, Allyl =CH2 Z), 4.69 (ddt,
2H, Allyl =CH2 E), 4.45 (m, 2H, H2 und H5), 4.16 (m, 2H,
H3 und H4), 3.75 (dddt, 2H, Allyl
NCH2 a), 3.42 (dddt, 2H, Allyl NCH2 b), 0.08 / 0.00 (s, je
18H, SiMe3);
JAllyl CH,NCH2 = 5.9, Jallylisch = 1.5, JAllyl
cis-Kopplung = 10.2, JAllyl trans-Kopplung = 17.0, JAllyl
=CH2 gem. =
1.5, JAllyl NCH2 gem. = 15.5, JAllyl NCH2,NH = 5.6 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 133.53 (Allyl CH), 115.00 (Allyl =CH2), 75.60
(C2 und C5), 73.44 (C3 und C4),
40.43 (NCH2), -0.01 / -1.09 (SiCH3).
Bis-(N-allyl)-glucarsäure-diamid (112)
In einem 250 ml Kolben wurden 25 ml Methanol unter Kühlung
mit einem Eisbad mit 3 ml
(40.3 mmol) Acetylbromid versetzt. Daraufhin wurden 5.0 g
(20.2 mmol) Monokalium-Dglucarat
(36) zugegeben und der Ansatz 4 Stunden unter Rückfluß
erhitzt. Nach dem
Abkühlen auf Raumtemperatur wurde der Ansatz filtriert und
das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Der sirupöse Rückstand wurde
in 20 ml Methanol gelöst, durch
Zugabe von Triethylamin ein pH > 8 eingestellt und die
Lösung mit 3.0 ml (40.4 mmol)
Allylamin versetzt. Nach ungefähr 15 Minuten kam es zur
Ausscheidung eines weißen
OTMS
TMSO
TMSO
OTMS
O
O
NH
NH
124
Feststoffs, der nach weiteren 3 Stunden Reaktionszeit
abfiltriert wurde. Der Filterkuchen
wurde mit Methanol gewaschen und im Vakuum getrocknet.
Ausbeute: 3.7 g (12.8 mmol) = 64 %
M = 288.28 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 164 – 165 °C, ohne Umkristallisation;
Lit.:[118] 170 – 174 °C
[ ]20
D a = + 3.9 ° (c=1.5, Methanol)
IR (KBr): .=Amid I = 1632, .Amid II = 1537 [cm-1].
1H-NMR (400 MHz, DMSO):
d [ppm] = 7.93 / 7.70 (t, je 1H, NH), 5.78 (ddt, 2H,l
Allyl CH), 5.51 (d, 1H, C5-OH), 5.38 (d,
1H, C2-OH), 5.14 (m, 2H, Allyl =CH2 Z), 5.01 (ddt, 2H,
Allyl =CH2 E), 4.70 (d, 1H, C4-OH),
4.58 (d, 1H, C3-OH), 4.02 (vt, 1H, H2), 3.94 (vt, 1H, H5),
3.88 (dvt, 1H, H3), 3.86 (m, 5H,
H4 und 4H Allyl NCH2);
Jallylisch= 1.5, JAllyl cis-Kopplung = 10.4, JAllyl
trans-Kopplung = 17.3, JAllyl NCH2, Allyl CH = 5.1, JAllyl
=CH2
gem. = 1.5, JH2,OH = 5.3, JH3,OH = 6.6, JH4,OH = 4.8,
JH5,OH = 6.4 [Hz].
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.)
13C-NMR (100 MHz, DMSO):
d [ppm] = 135.67 / 135.47 (Allyl CH), 115.39 / 115.28
(Allyl =CH2), 73.63 (C4), 73.44 (C2),
72.10 (C5), 70.75 (C3), 41.02 / 40.95 (Allyl NCH2).
(Die Numerierung der Atome erfolgte analog.)
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilyl-glucarsäure-d
iamid (113)
2.0 g (6.9 mmol) Bis-(N-allyl)-glucarsäure-diamid (112)
wurden in 20 ml Dichlormethan
aufgenommen und mit 8 ml (38.6 mmol)
1,1,1,3,3,3-Hexamethyldisilazan und 1 ml
(7.9 mmol) Trimethylchlorsilan versetzt. Der Ansatz wurde
über Nacht unter Rückfluß
gerührt. Die Lösung wurde mit Wasser gewaschen, das
Lösungsmittel über Natriumsulfat
getrocknet und unter vermindertem Druck entfernt.
OH
HO
OH
O
O
HN
NH
OH
125
Ausbeute: 3.9 g (6.7 mmol) = 97 %
M = 577.02 g / mol
farblose Kristalle
Schmelzpunkt: 66 – 69 °C
[ ]20
D a = + 14.7 ° (c = 0.5, THF)
Elementaranalyse: CBer = 49.96 % CGef = 50.12 %
HBer = 9.08 % HGef = 8.86 %
NBer = 4.85 % NGef = 5.43 %
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 6.64 (t, 1H, NH), 6.49 (t, 1H, N‘H), 5.84 – 5.73
(m, 2H, Allyl CH), 5.20 – 5.12 (m,
2H, Allyl =CH2 Z), 5.11 – 5.05 (m, 2H, Allyl =CH2 E), 4.27
(d, 1H, H2), 4.17 (dd, 1H, H5),
3.99 – 3.85 (m, 4H, Allyl OCH2), 3.81 – 3.63 (m, 2H, H3
und H4), 0.14 – 0.00 (4s, je 9H,
SiMe3);
JNCH2,NH = 6, JN‘CH2,N‘H = 4.0, JAllyl cis-Kopplung =
10.4, JAllyl trans-Kopplung = 17.0, JAllyl CH,=CH2 = 5.6,
JAllyl =CH2 gem. = 2.8, JH2,H3 = 2.3 [Hz].
(Die Numerierung der Atome erfolgte willkürlich, die
Reihenfolge könnte daher auch genau
umgekehrt sein.)
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 171.13 / 170.35 (C1 und C6), 133.62 / 133.56
(Allyl CH), 116.18 / 115.9+0 (Allyl
=CH2), 75.36 / 74.92 (C2 und C4), 72.67 (C5), 70.29 (C3),
41.03 / 40.76 (NCH2), 0.00 / -0.18
/ -0.40 / -0.51 (SiCH3).
(Die Numerierung der Atome erfolgte analog.)
1,3-Di-O-allyl-1,2,3-propantriol (115)
137 ml (2 mol) Allylalkohol wurden langsam unter Rühren zu
88 g (1.1 mol) 50 %-iger
Natriumhydroxidlösung gegeben. Die exotherme Bildung des
Allyl-Anions ging mit einer
anfänglich sehr starken Viskositätszunahme einher.
Daraufhin wurden 47 ml (0.5 mol) 1,3-
Dichlor-2-propanol (114) über einen Zeitraum von 1 Stunde
so zugegeben, daß die Reaktions-
OTMS
TMSO
OTMS
O
O
HN
NH
OTMS
126
temperatur zwischen 70 und 80 °C gehalten werden konnte.
Nach beendeter Zugabe wurde
der Ansatz weitere 3 Stunden bei derselben Temperatur
gerührt, überschüssiger Allylalkohol
unter vermindertem Druck entfernt, die Lösung mit Wasser,
10 %-iger Essigsäure und noch
einmal mit Wasser gewaschen und die vereinigten wäßrigen
Phasen zweimal mit Diethylether
gewaschen. Nach Vereinigung der organischen Phasen wurden
diese über Natriumsulfat
getrocknet und der größte Teil des Diethylethers am
Rotationsverdampfer unter vermindertem
Druck entfernt. Die darauf folgende Destillation (ca.
3·10-2 mbar, 115 – 120 °C) des
Rückstandes ergab nach einem kurzen Vorlauf 3 Fraktionen
mit nahezu identischem
Brechungsindex.
Ausbeute: 41.0 g (238.1 mmol) = 48 %; Lit.:[126] 61 %
M = 172.22 g /mol
farblose Flüssigkeit
Siedepunkt: 115 – 120 °C (ca. 3·10-2 mbar); Lit.:[126] =
112 – 113 °C (2·10-2 mbar)
25
D n = 1.450 – 1.452; Lit.:[126] 25
D n = 1.451 - 1.452
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.84 (ddt, 2H, Allyl CH), 5.21 (ddt, 2H, Allyl
=CH2 E), 5.13 (ddt, 2H, Allyl =CH2
Z), 3.96 (dt, 4H, Allyl OCH2), 3.92 (tt, 1H, H2), 3.46
(dd, 2H, H1/3 a), 3.41 (dd, 2H, H1/3 b),
2.18 (bs, 1H, OH);
J1a,2 = 4.6, J1b,2 = 6.4, J1a,1b = 9.7, JAllyl OCH2,CH =
5.6, JAllyl OCH2,=CH2 = 1.5, JAllyl trans-Kopplung =
17.3, JAllyl cis-Kopplung = 10.4, JAllyl =CH2 gem. = 2.8
[Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 133.50 (Allyl CH), 116.23 (Allyl =CH2), 71.35
(Allyl OCH2), 70.28 (C1/3), 68.55
(C2).
1,3-Di-O-allyl-2-O-(2,3,4,6-tetra-O-acetyl-ß-D-glucopyrano
syl)-sn-glycerin (116)
2.57 g (6.6 mmol) peracetylierte ß-D-Glucose (86) wurden
in Dichlormethan gelöst und unter
Kühlung mit Eis nacheinander mit 3.5 ml (27.0 mmol)
Bortrifluoridetherat und 4.0 ml 1,3-Di-
O-allyl-glycerin (115) versetzt. Nach einer halben Stunde
wurde das Eisbad entfernt und der
Ansatz über Nacht bei Raumtemperatur gerührt. Die
gelb-braune Reaktionslösung wurde mit
O O
OH
127
gesättigter Natriumhydrogencarbonatlösung neutralisiert
und anschließend dreimal mit
Wasser gewaschen. Die organische Phase wurde über
Natriumsulfat getrocknet und der
größte Teil des Lösungsmittels unter vermindertem Druck
entfernt. Die konzentrierte Lösung
wurde einer Säulenfiltration (Kieselgel / Essigester)
unterzogen. Das Filtrat wurde wieder
eingeengt, der Rückstand in Diethylether aufgenommen und
das Produkt mit Petrolether
fraktioniert gefällt.
Ausbeute: 1.12 g (2.2 mmol) = 33 %
M = 502.51 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 30 – 40 °C
[ ]20
D a = - 2.7 ° (c = 1.0, CHCl3)
Rf (Toluol / Aceton 7 : 3) = 0.64
Elementaranalyse: CBer = 54.97 % CGef = 55.26 %
HBer = 6.82 % HGef = 6.82 %
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.76 – 5.86 (m, 2H, Allyl CH), 5.20 (ddd, 1H,
Allyl =CH2 Ea), 5.19 (ddd, 1H, Allyl
=CH2 Eb), 5.07 – 5.13 (m, 3H, H3 und Allyl =CH2 Z), 5.00
(vt, 1H, H4), 4.91 (dd, 1H, H2),
4.71 (d, 1H, H1), 4.17 (dd, 1H, H6a), 4.07 (dd, 1H, H6b),
3.90 – 3.93 (m, 5H, Allyl OCH2
und Glycerin CH), 3.61 (ddd, 1H, H5), 3.51 – 3.55 (m, 2H,
Glycerin), 3.42 / 3.40 (dd, je 1H,
Glycerin), 2.01 / 1.96 / 1.95 / 1.93 (s, je 3H, Acetyl
CH3);
J1,2 = 7.9, J2,3 = 9.4‚ J3,4= 9.7, J4,5 = 9.7, J5,6a =
4.8, J5,6b = 2.5, J6a,6b = 12.2, JAllyl trans-Kopplung =
17.3, JAllyl =CH2 gem. = 3.3, JAllyl OCH2 ,=CH2 = 1.5
[Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 135.02 / 134.98 (Allyl CH), 117.38 / 117.32
(Allyl =CH2), 101.29 (C1), 78.89
(Glycerin CH), 73.32 (C3), 72.74 / 72.71 (Allyl OCH2),
72.14 (C5), 71.94 (C2), 71.36
(Glcerin CH2a), 70.49 (Glycerin CH2b), 68.99 (C4), 62.52
(C6), 21.13 / 21.08 / 21.03 / 21.00
(Acetyl CH3).
O
OAc
AcO
AcO
AcO
O
O
O
128
Allyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranosid (117)
1.8 g (4.7 mmol)
Allyl-2,4,6-tri-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranosid
(118) wurden in 50
ml Methanol gelöst. Durch Zugabe von Natriummethanolat
wurde ein pH von ca. 8 eingestellt
und der Ansatz über Nacht gerührt. Die Lösung wurde mit
Amberlite IR 120 (H+)
neutralisiert, filtriert und das Lösungsmittel unter
vermindertem Druck entfernt. Der
Rückstand wurde im Ölpumpenvakuum getrocknet.
1.2 g (4.6 mmol) = 98 %
M = 260.28 g / mol
rötlicher Sirup
[ ]20
D a = - 28 ° (c = 1.0, CHCl3) Lit.:[153] [ ]20
D a = - 31.9 ° (c = 1.0, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 4.36 – 4.49 (m, Allyl CH), 3.77 / 3.71 (ddd, 1H,
Allyl =CH2 E), 3.61 / 3.56 (dd, 1H,
Allyl =CH2 Z), 2.78 – 2.84 (m, 3H, Allyl OCH2), 2.74 (d,
1H, H1), 2.59 (dd, 1H, Allyl
OCH2), 2.30 (dd, 1H, H6a), 2.10 (dd, 1H, H6b), 1.81 (dd,
1H, H3 oder H4), 1.65 – 1.72 (3H,
H2 und H5, H3 oder H4);
J1,2 = 7.6, J5,6a = 2.3, J5,6b = 5.9, J6a,6b = 12.0,
JAllyl trans-Kopplung = 17.3, JAllyl cis-Kopplung = 10.4
JAllyl
=CH2 gem. = 3.3, JAllyl OCH2 ,=CH2 = 1.5 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, Methanol-d4):
d [ppm] = 135.94 / 134.67 (Allyl CH), 116.36 / 115.61
(Allyl =CH2), 102.30 (C1), 84.86 /
76.78 / 74.0 / 70.27 (C2, C3, C4, C5), 74.0 / 69.99 (Allyl
OCH2), 61.64 (C6).
Allyl-2,4,6-tri-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranosid
(118)
5.0 g (12.9 mmol)
1,2,4,6-Tetra-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranose (91)
wurden in 75 ml
gekühlt und mit 7 ml
Bortrifluoridetherat versetzt. Nach 15 min wurden 3 ml
(43.9 mmol) Allylalkohol zugegeben,
der Ansatz auf Raumtemperatur gebracht und 2 Stunden
gerührt. Anschließend wurde mit
gesättigter Natriumhydrogencarbonatlösung neutralisiert,
mit Wasser gewaschen und die
organische Phase über Natriumsulfat getrocknet. Nach
Entfernung des Lösungsmittels unter
O
OH
O
HO
HO
O
129
vermindertem Druck wurde der Rückstand
säulenchromatographisch gereinigt (Laufmittel:
Petrolether / Ethylacetat 3 : 1). Alternativ kann der
Rückstand auch in reichlich Diethylether
aufgenommen und durch vorsichtige Zugabe von Petrolether
ausgefällt werden (Ausbeute:
64 %).
Ausbeute: 3.7 g (9.6 mmol) = 74 %
M = 386.39 g / mol
feine weiße Nadeln
Schmelzpunkt: 45 – 48 °C
[ ]20
D a = - 29.6 ° (c = 1.2, CHCl3)
Rf (Petrolether / Ethylacetat 1 : 1) = 0.46
Elementaranalyse: CBer = 55.95 % CGef = 55.82 %
HBer = 6.77 % HGef = 6.71 %
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 5.65 – 5.83 (m, 2H, Allyl CH), 5.20 / 5.13 /
5.12 / 5.07 (ddd, je 1H, Allyl =CH2),
4.99 (vt, 1H, H4), 4.95 (dd, 1H, H2), 4.39 (d, 1H, H1),
4.26 (ddt, 1H, Allyl OCH2), 4.14 (dd,
1H, H6a), 4.06 (dd, 1H, H6b), 3.98 – 4.06 (m, 3H, Allyl
OCH2), 3.53 (vt, 1H, H3), 3.52 (ddd,
1H, H5), 2.03 / 2.01 / 2.01 (s, je 3H, Acetyl CH3);
J1,2 = 7.9, J2,3 = 9.4, J3,4 = 9.4, J4,5 = 9.4, J5,6a =
5.1, J5,6b = 2.8 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 133.26 / 132.53 (Allyl CH), 116.37 / 115.96
(Allyl =CH2), 98.80 (C1), 78.81 (C3
od. C5), 71.65 (C2), 71.41 (Allyl OCH2), 71.06 (C3 od.
C5), 68.72 / 68.60 (Allyl OCH2 und
C4), 61.35 (C6), 19.90 / 19.83 / 19.76 (Acetyl CH3).
Methyl-4,6-di-O-benzyliden-a-D-glucopyranosid (119)
10.1 g (52.1 mmol) Methyl-a-D-glucopyranosid (98) wurden
in 200 ml Tetrahydrofuran
gelöst und mit 20 ml (134.0 mmol)
Benzaldehyddimethylacetal versetzt. Nach Zugabe
katalytischer Mengen para-Toluolsulfonsäure wurde der
Ansatz 3 Stunden unter Rückfluß
erhitzt. Nach beendeter Reaktion wurde 1 ml Triethylamin
zugegeben und das Lösungsmittel
O
OAc
O
AcO
AcO
O
130
unter vermindertem Druck entfernt. Die Reinigung des
Rohproduktes erfolgte durch
Umkristallisation aus Ethylacetat. Alternativ ist auch
eine säulenchromatographische
Reinigung an Kieselgel (Laufmittel: Petrolether /
Essigester 1 : 1 .. 1 : 3 .. Essigester)
möglich.
Ausbeute: 12.3 g (43.7 mmol) = 84 %
M = 282.29 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 165 – 166 °C; Lit.:[154] 166 – 167 °C
[ ]20
D a = + 111.8 ° (c = 1, CHCl3); Lit.:[155] [ ]20
D a = + 111.5 ° (c = 2, CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 1:2) = 0.15
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 7.50 – 7.36 (m, 5H, Benzyliden Phenyl), 5.53 (s,
1H, Benzyliden CH), 4.79 (d, 1H,
H1), 4.29 (dd, 1H, H6a), 3.92 (vt, 1H, H3), 3.81 (dvt, 1H,
H5), 3.74 (vt, 1H, H6b), 3.63 (dd,
1H, H2), 3.49 (vt, 1H, H4), 3.45 (s, 3H, OCH3);
J1,2 = 3.8, J2,3 = 9.0, J3,4 = 9.3, J4,5 = 9.3, J5,6a =
4.2, J5,6b = 10, J6a,6b = 10 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 129.26 / 128.34 / 126.32 (Benzyliden Phenyl),
101.9 (Benzyliden CH), 99.77 (C1),
80.92 (C4), 72.88 (C2), 71.77 (C3), 68.94 (C6), 62.37
(C5), 55.58 (OCH3).
Methyl-2,3-di-O-allyl-4,6-di-O-benzyliden-a-D-glucopyranos
id (120)
Zu einer Suspension aus 1.01 g (25.3 mmol) Natriumhydrid
(60%ige Suspension in
Paraffinöl) in 2,4 ml (28.4 mmol) Allylbromid und 50 ml
Toluol wurde eine Lösung von 2.05
g (7.3 mmol) Methyl-4,6-di-O-benzyliden-a-D-glucopyranosid
(119) in 10 ml
Tetrahydrofuran zugetropft. Anschließend wurde die
Reaktionsmischung unter Rückfluß
erhitzt. Nach etwa 2 Stunden wurden weitere 0.5 g
Natriumhydridsuspension und 1.0 ml
Allylbromid zugegeben. Der Ansatz wurde weitere 1.5
Stunden unter Rückfluß erhitzt. Nach
vollständigem Umsatz wurde auf Raumtemperatur abgekühlt,
überschüssiges Hydrid durch
Zugabe von Methanol und Wasser zerstört, mit Toluol
verdünnt und sukzessive mit Wasser,
gesättigter Natriumchloridlösung und Wasser gewaschen. Die
organische Phase wurde über
O
O
O
OH
HO
OMe
Ph
131
Natriumsulfat getrocknet, unter vermindertem Druck
eingeengt und der feste Rückstand in
Petrolether umkristallisiert.
Ausbeute: 2.03 g (5.6 mmol) = 79 %
M = 362.42 g / mol
weißer Feststoff
Schmelzpunkt: 64 – 65 °C; Lit.:[156] 61 - 64 °C
[ ]20
D a = + 41 ° (c = 0.5, CHCl3), einmalige
Umkristallisation; Lit.:[157] [ ]20
D a = + 54 ° (CHCl3)
Rf (Petrolether / Essigester 1:1) = 0.75
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 7.50 – 7.36 (m, 5H, Benzyliden Phenyl), 6.00 –
5.89 (m, 2H, Allyl CH), 5.54 (s,
1H, Benzyliden CH), 5.26 – 5.33 (m, 2H, Allyl =CH2 Z),
5.13 – 5.22 (m, 2H, Allyl =CH2 E),
4.78 (s, 1H, H1), 4.37 (ddd, 1H, Allyl OCH2), 4.33 – 4.24
(m, 2H, 2 Allyl OCH2), 4.28 (dd,
1H, H6a), 4.19 (ddd, 1H, Allyl OCH2), 3.87 (vt, 1H, H3),
3.81 (dvt, 1H, H5), 3.72 (vt, 1H,
H6b), 3.55 (vt, 1H, H4), 3.46 (dd, 1H, H2), 3.43 (s, 3H,
OCH3);
J1,2 = 3.6, J2,3 = 9.3, J3,4 = 9.3, J4,5 = 9.3, J5,6a =
4.5, J5,6b = 10, J6a,6b = 10, Jallylisch ˜ 1, JAllyl OCH2
CH ˜ 6, JAllyl OCH2, geminal ˜ 12.5, JAllyl cis-Kopplung ˜
10, JAllyl trans-Kopplung ˜ 17, JAllyl =CH2 gem. ˜ 3
[Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 135.24 / 134.87 (Allyl CH), 128.91 / 128.22 /
126.05 (Benzyliden Phenyl), 117.72 /
116.75 (Allyl =CH2), 101.31 (Benzyliden CH), 99.31 (C1),
82.08 (C4), 79.06 (C2), 77.98
(C3), 73.99 / 73.12 (Allyl OCH2), 69.10 (C6), 62.33 (C5),
55.28 (OCH3).
Umsetzung von 1,4:3,6-Dianhydro-2,5-di-O-allyl-D-sorbitol
(109) mit VP 1085 (121)
Eine Lösung von 2.0072 g (17.68 mmol C=C)
1,4:3,6-Dianhydro-2,5-di-O-allyl-D-sorbitol
(109) und 5.7791 g (28.48 mmol SiH) VP 1085 in 1 ml
Tetrahydrofuran wurde nach
AAV1 bei 100 °C umgesetzt. Nach 2 Tagen war die Reaktion
beendet.
Ausbeute: 7.3 g = 94 %
Mn = 4620 g / mol, Mw = 8830 g / mol, U = 1.9
O
O
O
O
O
OMe
Ph
132
NH
O OTMS
OTMS OTMS
NH
OTMS
O
C3H6
C3H6
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
O
O
O H
H O
C3H6
C3H6
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
leicht bräunliches, viskoses Öl
[.] = 5.6 ml / g
kH = 0.3
[ ]20
D a = + 10.8 ° (c = 1.5, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 4.53 (vt, 1H, H4), 4.42 (d, 1H, H3), 3.81 – 3.95
(m, 6 H, H2, H5 und 4 CH2-
Protonen), 3.47 – 3.59 (m, 2H, CH2), 3.30 – 3.38 (m, 3H,
CH2), 1.47 – 1.61 (m, 4H,
CH2CH2CH2), 0.42 – 0.47 (m, 4H, SiCH2), 0.02 - -0.03 (m,
83 H, PDMS).
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 85.38 (C3), 83.44 / 79.36 (C2 und C5), 79.12
(C4), 72.58 / 72.43 / 71.50 / 68.63
(OCH2), 22.53 (CH2CH2CH2), ca. 14.4 (SiCH2), 0.12 – -0.95
(PDMS).
Umsetzung von
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilyl-galactarsäure
-diamid (111)
mit VP 1085 (122)
Eine Lösung von 6.4124 g (22.2 mmol C=C)
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilylgalactarsäure-
diamid (111) in 20 ml
mit 7.2313 g
(22.2 mmol SiH) VP 1085 bei 85 °C umgesetzt. Nach 1 Tag
war die Reaktion beendet. Das
Lösungsmittel wurde unter vermindertem Druck entfernt, der
Rückstand in Dichlormethan
aufgenommen und zur Entfernung eines schwarzen
Niederschlages über Kieselgel filtriert.
Ausbeute: 11.55 g = 85 %
Mn = 3080 g / mol, Mw = 3690 g / mol, U = 1.2
bräunliches viskoses Öl
[.] = 7.7 ml / g
kH = 0.1
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 6.38 (t, 2H, NH), 4.45 (d, 2H, H2 und H5), 4.20
(d, 2H, H3 und H4), 3.21 – 3.30
(m, 2H, NCH2 a), 2.84 – 2.92 (m, 2H, NCH2 b), 1.29 – 1.37
(m, 4H, CH2-CH2-CH2), 0.30 –
0.34 (m, 4H, SiCH2), - 0.15 – 0.12 (m, ca. 120H, SiCH3);
133
NH
O OTMS
OTMS OTMS
NH
OTMS
O
C3H6
C3H6
PDMS
n
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
J2,3=4,5 = 3.5, JNH,NCH2 = 5.6 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 170.52 (C=O), 75.47 (C2 und C5), 73.42 (C3 und
C4), 40.87 (NCH2), 22.78 (CH2-
CH2-CH2), 14.42 (SiCH2), - 1.33 – 0.09 (SiCH3).
Umsetzung von
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilyl-glucarsäure-d
iamid (113) mit
VP 1085 (123)
Eine Lösung von 1.3188 g (4.57 mmol C=C)
Bis-(N-allyl)-2,3,4,5-tetra-O-trimethylsilylglucarsäure-
diamid (113) in 1 ml
mit 1.4880 g (4.57
mmol SiH) VP 1085 bei 95 °C umgesetzt. Nach 18 Stunden war
die Reaktion beendet. Das
Lösungsmittel wurde unter vermindertem Druck entfernt.
Ausbeute: quantitativ
Mn = 2500 g / mol, Mw = 2900 g / mol, U = 1.1
bräunliches viskoses Öl
[ ]20
D a = - 0.8 ° (c = 1.4, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 6.75 (t, 1H, NH), 6.60 (t, 1H, NH), 4.68 (dd,
1H, H4), 4.53 (d, 1H, H2), 4.38 (dd,
1H, H3), 4.28 (1H, H5), 3.58 – 3.64, (m, 1H, NCH2 a), 3.39
– 3.46 (m, 1H, NCH2 b), 3.17 –
3.25 (m, 1H, NCH2‘ a), 3.08 – 3.15 (m, 1H, NCH2 b), 1.52 –
1.63 (m, 4H, CH2-CH2-CH2),
0.56 – 0.60 (m, 4H, SiCH2), -0.13 – 0.38 (> 100 H,
SiCH3);
J2,3 = 2.3, J3,4 = 8.5, J4,5 = 2.0 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 170.25 / 169.19 (C=O), 75.36 (C2), 75.07 (C5),
71.85 (C3), 69.89 (C4), 40.87 /
40.66 (NCH2), 22.85 / 22.71 (CH2-CH2-CH2), 14.47 / 14.32
(SiCH2), -1.23 – 0.08 (SiCH3).
134
n
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
C3H6 O O
C3H6
OH
PDMS
Umsetzung von 1,3-Di-O-allyl-1,2,3-propantriol (115) mit
VP 1085 (124)
Eine Mischung aus 5.0006 g (58.07 mmol C=C)
1,3-Di-O-allyl-1,2,3-propantriol (115) und
18.9150 g (58.07 mmol SiH) VP 1085 wurde nach AAV1 ohne
Verwendung eines
Lösungsmittels umgesetzt. Nach 4 Tagen war die Reaktion
beendet. Das Produkt wurde durch
eine Glasfritte filtriert.
Ausbeute: quantitativ
leicht bräunliches, hochviskoses Öl
Mn = 5400 g / mol, Mw = 7700 g / mol, U = 1.4
[.] = 12.2 ml / g
kH = 0.2
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 3.44 – 3.32 (m, 9H, OCH2 und HOCH), 1.57 – 1.50
(m, 4H, CH2-CH2-CH2), 0.47 –
0.43 (m, 4H, SiCH2), 0.02 - -0.03 (m, 82 H, PDMS).
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 73.29 / 70.85 (OCH2), 68.46 (HOCH), 22.34
(CH2-CH2-CH2), 13.09 (SiCH2), 0.12
– -0.95 (PDMS).
Umsetzung von (116) mit VP 1085 (125)
Eine Lösung von 1.84 g (7.33 mmol C=C) (116) in 5 ml
Tetrahydrofuran wurde nach AAV1
mit 2.39 g (7.33 mmol SiH) VP 1085 bei 85 °C umgesetzt.
Nach 6 Tagen war die Reaktion
beendet. Der Ansatz wurde mit 20 ml Tetrahydrofuran
verdünnt, filtriert und das Polymerr in
Wasser gefällt.
Ausbeute: 1.45 g (34 %)
bräunliches Wachs
Mn = 3360 g / mo, Mw = 5900 g / mol
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
O AcO
AcO
OAc
O
O O
C3H6 C3H6
AcO
PDMS
n
135
O
OAc
O
AcO
AcO
O
C3H6 PDMS C3H6
n
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
Umsetzung von
Allyl-2,4,6-tri-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranosid
(118) mit VP 1085
(126)
Eine Lösung von 1.0649 g (5.51 mmol C=C)
Allyl-2,4,6-tri-O-acetyl-3-O-allyl-ß-D-glucopyranosid
(118) in 5 ml Chloroform wurde nach AAV1 mit 1.7955 g
(5.51 mmol SiH) VP
1085 bei 80 °C umgesetzt. Nach 1 Woche war die Reaktion
beendet.
Ausbeute: quantitativ
leicht schillerndes Gel, das ausblutet
MP (Flüssigkeit, 126.1) = 7160 g / mol
MP (Gel, 126.2) = 3730 g / mol
[ ]20
D a = 0 ° (c = 1.0, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 4.97 (vt, 1H, H4), 4.89 (dd, 1H, H2), 4.32 (d,
1H, H1), 4.14 (dd, 1H, H6a), 4.04
(dd, 1H, H6b), 3.74 (dt, 1H, OCH2), 3.50 (ddd, 1H, H5),
3.45 (vt, 1H, H3), 3.41 – 3.35 (m,
2H, OCH2), 3.33 (dt, 1H, OCH2), 2.0 (m, 9H, Acetyl CH3),
1.37 – 1.55 (m, 4H, CH2CH2CH2),
0.35 – 0.46 (m, 4H, SiCH2), 0.09 – 0.12 (m, 74 H, PDMS);
J1,2 = 8.14, J2,3 = 9.41, J3,4 = 9.7, J4,5 = 9.7, J5,6a ˜
5, J5,6b = 2.3, J6a,6b = 12.2 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, CDCl3):
d [ppm] = 100.11 (C1), 79.42 (C3), 73.64 (OCH2), 71.46
(C2), 71.41 (OCH2), 71.03 (C5),
68.60 (C4), 61.36 (C6), 22.88 / 22.27 (CH2CH2CH2), 19.80 /
19.78 / 19.72 (Acetyl CH3),
13.00 / 12.88 (SiCH2), 0.10 – -00.99 (PDMS).
Umsetzung von
Methyl-2,3-di-O-allyl-4,6-di-O-benzyliden-a-D-glucopyranos
id (120) mit
VP 1085 (127)
Eine Lösung von 400.4 mg (2.2 mmol C=C)
Methyl-2,3-di-O-allyl-4,6-di-O-benzyliden-a-Dglucopyranosi
d
(120) in 1.5 ml Tetrahydrofuran wurde nach AAV1 mit 0.7154
g (2.2 mmol
SiH) VP 1085 bei 85 °C umgesetzt. Nach 1 Tag war die
Reaktion beendet.
136
O
O
O
O
O
OMe
Ph
C3H6
C3H6
PDMS
PDMS = (SiMe2O)7SiMe2
n
Ausbeute: quantitativ
braunes viskoses Öl
Mn = 5150 g / mol, Mw = 7660 g / mol, U = 1.5
[ ]20
D a = + 15.6 ° (c = 1.2, CHCl3)
1H-NMR (400 MHz, C6D6):
d [ppm] = 7.49 – 7.42 / 7.06 – 7.03 (m, 5H, Phenyl), 5.22
(s, 1H, C6H5-CH), 4.67 (d, 1H, H1),
4.00 (dd, 1H, H6a), 3.86 (vt, 1H, H3), 3.78 – 3.65 (m, 3H,
H5 und OCH2), 3.52 (dd, 1H,
OCH2‘a), 3.99 – 3,34 (m, 4H, H4, H6b, OCH2‘b), 3.25 (dd,
1H, H2), 2.94 (s, 3H, OCH3), 1.64
– 1.54 (m, 4H, CH2-CH2-CH2), 0.54 – 0.47 (m, 4H, SiCH2-),
0.08 - -0.11 (m, 80H, PDMS);
J1,2 = 3.5, J2,3 = 9.2, J3,4 = 9.2, J5,6a = 4.8, J6a,6b ˜
10 [Hz].
13C-NMR (100 MHz, C6D6):
d [ppm] = 127.53 / 126.92 / 125.36 (Phenyl), 100.43
(Benzyliden CH), 98.25 (C1), 81.53
(C4), 79.82 (C2), 77.54 (C3), 74.80 / 73.07 (OCH2), 68.04
(C6), 61.55 (C5), 53.63 (OCH3),
23.27 / 23.20 (CH2-CH2-CH2), 123.26 / 13.20 (SiCH2-), 0.08
/ -0.01 / -0.32 / -0.45 / -1.00 / -
1.05 (PDMS).
137
13. Gefahrenhinweise
Substanz
Gefahrensymbol
R
S
1,3-Dichlor-2-propanol T 24/25-36 23.2-26-36/37-45
2,5-Dihydroxybenzoesäure 24/25
441111 VP 36
Aceton F, Xi 11-36-66-67 9-16-26
Acetylbromid C 14-34 9-26-36/37/39-45
Allylalkohol T, N 10-23/24/25-
36/37/38-50
36/37/39-45-61
Allylamin F, T, N 11-23/24/25-51/53 9-16-24/25-45-61
Allylbromid F, T, N 11-23/25-34-50 16-26-36/37/39-45-61
Amberlite IR 120 (H+) Xi 36 26
Ambersep 900 (OH-) Xi 36 26-36
Ammoniumchlorid Xn 22-36 22
Benzaldehyddimethylacetal Xn 22
Benzol-d6 F, T 45-11-E48/23/24/25 53-45
Benzoylchlorid C 34 26-45
Bortrifluoridetherat T 20/22-34-48/23-52
8-26-36/37/39-45-61
Bromwasserstoff in Eisessig (33%) C 34-37
7/9-23.2-26-36/37/39-
45
Chloroform Xn 22-38-40-48/20/22 36/37
Deuterochloroform Xn 22-38-40-48/20/22 36/37
Dibutylzinndidodecanat Xn, N 36/38-48/22-50/53 26-61
Dichlormethan Xn 40 23.2-24/25-36/37
138
Substanz
Gefahrensymbol
R
S
Diethylether F+, Xn 12-19-22-66-67 9-16-29-33
Essigsäureanhydrid C 10-20/22-34 26/36/37/39-45
Ethanol F 11 7-16
Ethylacetat F, Xi 11-36-66-67 16-26-33
Ethylendiamin C 10-21/22-34-42/43 23.2-26-36/37/39-45
Hexachloroplatinsäure-Hexahydrat T 25-34-42/43
22-26-36/37/39-45
Hexamethyldisilazan F, C 11-20/21/22-34 16-36/37/39-45
IM 47 36
Isopropanol F, Xi 11-36-67 7-16-24/25-26
Kaliumthiocyanat Xn 20/21/22-32 13
Kieselgel 60 (0.040 - 0.063 mm) 22
Methanol F, T 11-23/24/25-
39/23/24/25
7-16-36/37-45
Methanol-d4 F, T 11-23/24/25-
39/23/24/25
7-16-36/37-45
N,N-Dimethylformamid T 61-E20/21-36 53-45
Natriumazid T+, N 28-32-50/53 28.1-45-60-61
Natriumhydrid (60% in Paraffinöl) F, C 15-34
7/8-26-36/37/39-43.6-
45
Natriumhydroxid C 35 26-37/39-45
Natriummethanolat T 11-14-34 8-16-26-43.6-45
para-Toluolsulfonsäure
Monohydrat
Xi 36/37/38 26-37
139
Substanz
Gefahrensymbol
R
S
Petrolether (50-70 °C) F, Xn, N 11-38-48/20-51/53-
62-65-67
16-23.2-24-33-36/37-
61-62
Pyridin F, Xn 11-20/21/22 26-28.1
Salpetersäure (65%) C 35 23.2-26-36/37/39-45
Schwefelsäure (95 - 98 %) C 35 26-30-45
Tetrahydrofuran F, Xi 11-19-36/37 16-29-33
Thionylchlorid C 14-20/22/29-35 26-36/37/39-45
Toluol F, Xn 11-20 16-25-29-33
Triethylamin F, C 11-20/21/22-35 3-16-26-29-36/37/39-
45
Trimethylchlorsilan F, C 11-14-35-37 7/9-16-26-36/37/39-
45
Tritylchlorid Xi 11-14-35-37 7/9-16-26-36/37/39-
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Danksagungen
An dieser Stelle möchte ich allen danken, die mir bei der
Durchführung dieser Arbeit hilfreich
zur Seite gestanden haben. Mein besonderer Dank gilt den
folgenden Personen:
Uta Sazama (AK Albert) danke ich für die Anfertigung der
TG- und DTG-Kurven.
Phu-Dennis Tran (AK Kaminsky) danke ich für die Messung
der DSC-Kurven und die
Einweisung in die dazugehörige Software.
Ute Lipprandt (AK Förster) danke ich für ihre große
Hilfsbereitschaft, mit der sie mich in
die Benutzung der GPC eingewiesen hat und sich um alle
dabei auftauchenden Probleme
gekümmert hat.
Herrn D. Jacobi (Uni Duisburg-Essen) und Frau U. Drieling
(Uni Kiel) danke ich für die
Durchführung der dampfdruckosmometrischen Untersuchungen.
Olivera Stojkovic (AK Kaminsky), Matthias Knarr und Jonas
Laudan (beide AK Kulicke)
danke ich für ihre Unterstützung bei der Durchführung der
viskosimetrischen Messungen.
Prof. Dr. P. Scherer (FH Hamburg) und seinen Studentinnen
danke ich für die Durchführung
der Respirationstests.
Nicolai Nagorny (AK Thiem) danke ich für die hervorragende
Wartung des MALDI-TOFs
und unzählige qualifizierte Diskussionen über Chemie,
MALDI-TOF und alles andere in
dieser Welt.
Der Wacker-Chemie GmbH danke ich für die Bereitstellung
der Silikone.
Dem Fonds der Chemischen Industrie danke ich für die
finanzielle Unterstützung.
Meinen Laborkollegen möchte ich für die angenehme,
konstruktive Zusammenarbeit danken.
Ebenfalls danken möchte ich den fast 30 Praktikanten, die
für mich Ausgangsmaterialien
hergestellt oder auch in einigen Fällen neue Reaktionen
ausprobiert haben.
Lebenslauf
Dirk Henkensmeier
geboren am 18. 06. 1973 in
Schulbildung:
09 / 1980 – 06 / 1984: Grundschule Schierenberg in
09 / 1984 – 06 / 1993: Gymnasium Meiendorf in
Zivildienst:
08 / 1993 – 10 / 1994: Berufsförderungswerk
Studium:
10 / 1994 – 09 / 1996: Grundstudium Chemie, Universität
10 / 1996 – 09 / 1999: Hauptstudium Chemie, Universität
03 / 1999 – 09 / 1999: Diplomarbeit bei Prof. Dr. J.
Thiem, Universität
Thema: „Untersuchungen zur Synthese
kohlenhydratverknüpfter
Polydimethylsiloxane“
10 / 1999 – 07 / 2003: Promotion bei Prof. Dr. J. Thiem,
Universität
Thema: „Synthese und Charakterisierung
kohlenhydratmodifizierter
Silikone“
04 / 2000 – 03 / 2002: Förderung als Stipendiat des Fonds
der Chemischen Industrie
Seit 04 / 2002: Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Assistent
im Organisch-
Chemischen Grundpraktikum für Chemiker
Liste der verfügbaren a,.-funktionalisierten Silikone
Code R-SiMe2O-(SiMe2O)n-SiMe2-R n n M
Funktionalisierungsäquivalent
HS I2 R = H 0 134.33* 14.89 mmol / g
VP 1085 R = H 7 592 3.07 mmol / g
IM 11 R = -(CH2)3-OH 10 1000 1.96 mmol / g
IM 35 R = 50 4000 0.50 mmol / g
IM 47 R = X-NH2, X = C2H4-NH-C3H6 70 5400 0.38 mmol NH2 /
g
441111 VP R = -(CH2)3NH2 15 1200 1.60 mmol / g
IM 61 R = -(CH2)3-O-CO-CH=CH2 10 1100 1.77 mmol / g
* (diskrete Molmasse)
O
CH2 O (CH2)3